Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Höhere Eisenwerte können Parkinson-Risiko senken

12.06.2013
Neue Studie widerlegt bisherige medizinische Vermutung mit statistischer Methode

Erhöhte Eisenwerte wurden bislang als ein möglicher Risikofaktor für die Parkinsonerkrankung angesehen. Zahlreiche Studien hatten nämlich erhöhte Ansammlungen von Eisen in den betroffenen Gehirnarealen von Parkinsonpatienten festgestellt. Doch konnte ein Zusammenhang der Parkinson-Erkrankung insbesondere mit Eisenwerten im Blut nie ausreichend bestätigt werden.

Mithilfe einer statistischen Methode und Daten der bislang größten Anzahl an Parkinson-Testpersonen weltweit hat eine Forschergruppe des Zentrums für Biomedizin der Europäischen Akademie Bozen (EURAC) neue Erkenntnisse gewonnen.

„Unsere Studie zeigt erstmals, dass erhöhte Eisenwerte im Blut das Risiko, an Parkinson zu erkranken, verringern können und nicht - wie aufgrund der früheren Studien angenommen - ein Risikofaktor sind“, fasst Irene Pichler, Forscherin am EURAC-Zentrum für Biomedizin, zusammen. Die Studie greift zum einen auf Daten von rund 22.000 Menschen aus der gesunden Bevölkerung aus Europa und Australien zurück.

Anhand ihrer Proben und Daten wurden die drei wichtigsten genetischen Varianten, welche die Höhe der Eisenwerte steuern, ausfindig gemacht. Darauf aufbauend gingen die EURAC-Forscher der Frage nach, ob erhöhte Eisenwerte im Blut - abhängig von den drei Genvarianten – mit der Parkinsonerkrankung zusammenhängen. Sie stützten sich dabei auf Daten von mehr als 20.000 Parkinsonpatienten, die ihnen Studienpartner weltweit zur Verfügung stellten.

Das Ergebnis der Bozner Forschergruppe zeigt, dass die Genvarianten bzw. die dadurch gesteuerten Eisenwerte im Blut tatsächlich einen nachweisbaren Einfluss auf die Parkinsonerkrankung haben: Das Risiko für Parkinson sinkt mit einem höheren Eisengehalt im Blut, und zwar um 3% für je 10 µg (Mycrogramm) Eisen mehr pro Deziliter Blut.

„Studien zum Zusammenhang zwischen den Bluteisenwerten selbst und Parkinson konnten bislang keine schlüssigen Ergebnisse liefern“, erklärt Irene Pichler. Daher habe die Forschergruppe der EURAC auf eine statistische Methode zurückgegriffen, die hiermit erstmals bei Parkinson angewendet wurde, die so genannte „Mendelian randomization“: eine Methode, bei der genetische Varianten, die einen Einfluss auf Blutwerte haben, an Stelle der Blutwerte selbst auf einen kausalen Zusammenhang zu einer Krankheit hin untersucht werden – in diesem Fall die für die Bluteisenwerte hauptverantwortlichen drei genetischen Varianten anstatt der Bluteisenwerte selbst im Zusammenspiel mit Parkinson.

„Wenn die genetischen Varianten, die die Bluteisenwerte beeinflussen, auch einen Einfluss auf das Risiko haben, aufgrund der Eisenwerte an Parkinson zu erkranken, kann man von einem Zusammenhang zwischen Bluteisenwerten und Parkinson ausgehen“, sagt Pichler und resümiert, dass „auf der Grundlage dieses Ergebnisses zur Zeit noch keine Empfehlungen gemacht werden können. In weiteren Studien gilt es nun zu klären, welche biologischen Mechanismen genau dahinter stecken und warum höhere Eisenwerte vor Parkinson schützen können.“

Die Studie wurde in der medizinischen Fachzeitschrift „PLOS Medicine“ publiziert.

Weitere Informationen:

http://www.plosmedicine.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pmed.1001462
- Studie in PLOS Medicine

Laura Defranceschi | idw
Weitere Informationen:
http://www.eurac.edu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Massenverlust des Antarktischen Eisschilds hat sich beschleunigt
14.06.2018 | Technische Universität Dresden

nachricht Teure Flops: Nur 5% der Innovationsideen werden erfolgreich
12.06.2018 | Institut für angewandte Innovationsforschung e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

Noch mehr Reichweite oder noch mehr Nutzlast - das wünschen sich Fluggesellschaften für ihre Flugzeuge. Wegen ihrer hohen spezifischen Steifigkeiten und Festigkeiten kommen daher zunehmend leichte Faser-Kunststoff-Verbunde zum Einsatz. Bei Rümpfen oder Tragflächen sind permanent Innovationen in diese Richtung zu beobachten. Um dieses Innovationsfeld auch für Flugzeugräder zu erschließen, hat das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF jetzt ein neues EU-Forschungsvorhaben gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines ersten CFK-Bugrads für einen Airbus A320. Dabei wollen die Forscher ein Leichtbaupotential von bis zu 40 Prozent aufzeigen.

Faser-Kunststoff-Verbunde sind in der Luftfahrt bei zahlreichen Bauteilen bereits das Material der Wahl. So liegt beim Airbus A380 der Anteil an...

Im Focus: IT-Sicherheit beim autonomen Fahren

FH St. Pölten entwickelt neue Methode für sicheren Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen mittels Funkdaten

Neue technische Errungenschaften wie das Internet der Dinge oder die direkte drahtlose Kommunikation zwischen Objekten erhöhen den Bedarf an effizienter...

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?

21.06.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

22.06.2018 | Materialwissenschaften

Lernen und gleichzeitig Gutes tun? Baufritz macht‘s möglich!

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

GFOS und skip Institut entwickeln gemeinsam Prototyp für Augmented Reality App für die Produktion

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics