Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bei Hodenentzündung droht Unfruchtbarkeit – Testosteron kann helfen

28.03.2011
Wissenschaftler der Justus-Liebig-Universität Gießen unter der Leitung von Dr. Monika Fijak und Prof. Dr. Andreas Meinhardt veröffentlichen Studienergebnisse im amerikanischen Fachblatt „Journal of Immunology“

Testosteron gehört zu den wichtigsten Geschlechtshormonen und wird sowohl bei Männern als auch bei Frauen produziert. Beim Mann wird das Hormon im Hoden hergestellt und steuert nicht nur die Entwicklung der inneren und äußeren männlichen Geschlechtsorgane und der Spermien, sondern auch den Knochen- und Muskelaufbau und die Libido. Darüber hinaus wird Testosteron zunehmend eine wichtige entzündungshemmende Funktion zugeschrieben.

Dies wird augenscheinlich durch die deutlich erniedrigte Anfälligkeit von Männern für Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose, Lupus erythematodes oder rheumatoide Arthritis. Entzündungen und Infekte führen oft zu erniedrigten Testosteronspiegeln, so dass dessen entzündungshemmende Wirkung weniger wirksam ist. Dies wird auch bei Entzündungen und Infekten des männlichen Reproduktionstraktes beobachtet, die eine häufige Ursache für unerfüllten Kinderwunsch darstellen.

Vor diesem Hintergrund hat das Gießener Wissenschaftlerteam unter Führung von Dr. Monika Fijak und Prof. Dr. Andreas Meinhardt (Institut für Anatomie und Zellbiologie der Justus-Liebig-Universität Gießen) in Experimenten herausgefunden, dass eine Anhebung des bei Hodenentzündungen erniedrigten Testosteronwertes die Erkrankung deutlich hemmen kann. Durch die zusätzliche Gabe von Testosteron ist es den Wissenschaftlern gelungen, die Entzündung im Ratten-Hoden zu bremsen und die nachfolgende Störung der Keimzellbildung zu unterdrücken. Dabei wirkt das männliche Sexualhormon sehr vielfältig. So beeinflusst Testosteron direkt die Entstehung von sogenannten regulatorischen T-Zellen, die eine wichtige Rolle in der Erhaltung des Immungleichgewichtes spielen. Weiterhin hat die Testosteron-Ergänzungstherapie auch einen hemmenden Effekt auf die Ansammlung von Entzündungszellen wie Makrophagen oder T-Zellen im Hoden sowie auf die Produktion einer Reihe von entzündungsbegünstigenden Botenstoffen (Zytokinen), die Entzündungszellen zum erkrankten Organ locken. Die Ergebnisse werden in der Mai-Ausgabe der angesehenen amerikanischen Fachzeitschrift „Journal of Immunology“ publiziert, das eine Abbildung aus der Gießener Arbeit als Titelbild für diese Ausgabe gewählt hat.

Weitere Untersuchungen zum immunregulatorischen Mechanismus von Testosteron werden im Rahmen des neuen von der hessischen Landesregierung aufgelegten Schwerpunkts „Männliche Infertilität bei Infektion & Entzündung" (MIBIE, Sprecher Prof. Wolfgang Weidner) von Dr. Fijak, Leiterin der Nachwuchsgruppe am Institut für Anatomie und Zellbiologie, im Rahmen der hessischen Landesoffensive für die Entwicklung wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz (LOEWE) durchgeführt. Die Wissenschaftler wollen so mehr Erkenntnisse über die Wirkungsmechanismen von Testosteron auf Immunzellen und die Hodenentzündung gewinnen, um neue Therapiewege zu eröffnen.

Titel der Publikation:
Monika Fijak, Eva Schneider, Jörg Klug, Sudhanshu Bhushan, Holger Hackstein, Gerhard Schuler, Malgorzata Wygrecka, Jörg Gromoll und Andreas Meinhardt (2011): Testosterone Replacement Effectively Inhibits the Development of Experimental Autoimmune Orchitis in Rats: Evidence for a Direct Role of Testosterone on Regulatory T Cell Expansion.
The Journal of Immunology, Current Issue, April 1, 2011,
Published online before print March 25, 2011, doi: 10.4049/ jimmunol.1001958
Kontakt:
Prof. Andreas Meinhardt / Dr. Monika Fijak
Institut für Anatomie und Zellbiologie
Aulweg 123, 35385 Gießen
Telefon: 0641 99-47024 / Telefon: 0641 99-47032

Charlotte Brückner-Ihl | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-giessen.de/
http://www.jimmunol.org/content/early/2011/03/25/jimmunol.1001958
http://www.jimmunol.org/content/early/2011/03/25/jimmunol.1001958

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Mobilfunkstrahlung kann die Gedächtnisleistung bei Jugendlichen beeinträchtigen
19.07.2018 | Swiss Tropical and Public Health Institute

nachricht Neue internationale Studie: Immuntherapie für Kinder mit akuter Leukämie
13.07.2018 | Universitätsklinikum Schleswig-Holstein

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Anwendungen für Mikrolaser in der Quanten-Nanophotonik

20.07.2018 | Physik Astronomie

Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen

20.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Die Gene sind nicht schuld

20.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics