Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

HIV und Aids - Basler Forscher schlagen Änderung der Behandlungsrichtlinien vor

24.02.2010
Wie rasch sich das Immunsystem eines HIV-Patienten verschlechtert, ist nicht entscheidend für die Krankheitsprognose. Das zeigt eine Studie unter der Leitung von Basler Forschern. Die Erkenntnis könnte zur Änderung bisheriger Behandlungsrichtlinien führen.

HIV schwächt das menschliche Immunsystem kontinuierlich. Das Virus zerstört unter anderem systematisch einen Typ von Abwehrzellen namens CD4-Helferzellen. Normalerweise beginnen Ärzte Patienten erst mit einem Medikamenten-Cocktail zu behandeln, wenn die Zahl dieser Zellen im Blut unter einen bestimmten Wert gefallen ist.

Die meisten internationalen Behandlungsrichtlininien empfehlen heute einen Therapiebeginn bei 350 CD4-Zellen pro Mikroliter. Viele Richtlinien ziehen zusätzlich in Betracht, wie rasch sich das Immunsystem verschlechtert. Sie raten den Ärzten, bei einem raschen Abfall der CD4-Zellzahl schon früher mit der Behandlung zu beginnen.

Sterberisiko nicht erhöht
Eine internationale Studie unter der Leitung von Forschern der Universität und des Universitätsspitals Basel zeigt nun aber, dass der Therapie-Entscheid nicht vom Tempo der Immunverschlechterung abhängig gemacht werden sollte. Sie fand keinen Unterschied im Krankheitsverlauf zwischen Patienten mit raschem und langsamem CD4-Zell-Abfall.

Das Team um Marcel Wolbers und Heiner Bucher vom Basler Unispital untersuchte die Daten von 2820 Patienten aus Europa, Amerika und Australien. Weil bei diesen Patienten der Zeitpunkt der Ansteckung mit HIV bekannt war, konnte gemessen werden, wie rasch sich ihr Immunsystem bis zum Beginn der Behandlung verschlechtert hatte.

Laut den Forschern variiert das Tempo der Immunverschlechterung zwischen den Patienten enorm und ist nicht vorhersagbar. Bei Menschen mit rascher Abnahme der Zahl der Helferzellen brach die Immunschwächekrankheit Aids nicht häufiger aus als bei Menschen mit langsamer Abnahme - und ihr Sterberisiko war auch nicht erhöht.

Regelmässige Kontrolle
Die im Fachmagazin "PLoS Medicine" publizierte Studie zeigte auch, dass sich die Abnahmerate beim einzelnen Patienten im Verlauf der Jahre stark verändern kann. Misst ein Arzt sie zu einem bestimmten Zeitpunkt, kann er also nicht auf den weiteren Verlauf schliessen - entscheidend für den Therapieentscheid ist einzig die aktuelle CD4-Zellzahl.

Dass die Abnahmerate nicht vorhergesagt werden kann, hat laut den Forschern eine weitere Konsequenz: Die Zahl der CD4-Zellen bei HIV-Positiven muss regelmässig - mindestens alle sechs Monate - gemessen werden. Nur so ist gewährleistet, dass der Schwellenwert nicht verpasst wird, bei dem die medikamentöse Therapie beginnen muss.

Weltweit sind rund 30 Millionen Menschen mit HIV infiziert. Die Krankheit kann nicht geheilt werden. Hoch wirksame Medikamente erlauben es aber heute, das HI- Virus unter Kontrolle zu halten. HIV ist so von einer tödlichen Infektionskrankheit zu einer behandelbaren chronischen Krankheit geworden. (Quelle. sda/Wissenschaft)

Originalbeitrag
Marcel Wolbers, Abdel Babiker, Caroline Sabin, Jim Young, Maria Dorrucci, Geneviève Chêne, Cristina Mussini, Kholoud Porter, Heiner C. Bucher, on behalf of the CASCADE Collaboration
Pretreatment CD4 Cell Slope and Progression to AIDS or Death in HIV-Infected Patients Initiating Antiretroviral Therapy--The CASCADE Collaboration: A Collaboration of 23 Cohort Studies

PLoS Medicine, 22th February 2010

Hans Syfrig Fongione | idw
Weitere Informationen:
http://www.unibas.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Grundlagen der Blockchain-Technologie in der Energiewirtschaft
27.07.2018 | Forschungsstelle für Energiewirtschaft e.V.

nachricht Studie zu Werkstoffprüfung: Schäden in nichtmagnetischem Stahl mit Magnetismus aufspüren
23.07.2018 | Technische Universität Kaiserslautern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Eisen und Titan in der Atmosphäre eines Exoplaneten entdeckt

Forschende der Universitäten Bern und Genf haben erstmals in der Atmosphäre eines Exoplaneten Eisen und Titan nachgewiesen. Die Existenz dieser Elemente in Gasform wurde von einem Team um den Berner Astronomen Kevin Heng theoretisch vorausgesagt und konnte nun von Genfern Astronominnen und Astronomen bestätigt werden.

Planeten in anderen Sonnensystemen, sogenannte Exoplaneten, können sehr nah um ihren Stern kreisen. Wenn dieser Stern viel heisser ist als unsere Sonne, dann...

Im Focus: Magnetische Antiteilchen eröffnen neue Horizonte für die Informationstechnologie

Computersimulationen zeigen neues Verhalten von Antiskyrmionen bei zunehmenden elektrischen Strömen

Skyrmionen sind magnetische Nanopartikel, die als vielversprechende Kandidaten für neue Technologien zur Datenspeicherung und Informationsverarbeitung gelten....

Im Focus: Unraveling the nature of 'whistlers' from space in the lab

A new study sheds light on how ultralow frequency radio waves and plasmas interact

Scientists at the University of California, Los Angeles present new research on a curious cosmic phenomenon known as "whistlers" -- very low frequency packets...

Im Focus: Neue interaktive Software: Maschinelles Lernen macht Autodesigns aerodynamischer

Neue Software verwendet erstmals maschinelles Lernen um Strömungsfelder um interaktiv designbare 3D-Objekte zu berechnen. Methode wird auf der renommierten SIGGRAPH-Konferenz vorgestellt

Wollen Ingenieure oder Designer die aerodynamischen Eigenschaften eines neu gestalteten Autos, eines Flugzeugs oder anderer Objekte testen, lassen sie den...

Im Focus: New interactive machine learning tool makes car designs more aerodynamic

Scientists develop first tool to use machine learning methods to compute flow around interactively designable 3D objects. Tool will be presented at this year’s prestigious SIGGRAPH conference.

When engineers or designers want to test the aerodynamic properties of the newly designed shape of a car, airplane, or other object, they would normally model...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Aktuelles aus der Magnetischen Resonanzspektroskopie

16.08.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2018

16.08.2018 | Veranstaltungen

Das Architekturmodell in Zeiten der Digitalen Transformation

14.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Interaktive Software erleichtert Design komplexer Gussformen

16.08.2018 | Informationstechnologie

Fraunhofer HHI entwickelt Quantenkommunikation für jedermann im EU-Projekt UNIQORN

16.08.2018 | Informationstechnologie

Spezialfarbstoff erlaubt völlig neue Einblicke ins Gehirn

16.08.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics