Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Grünland ausreichend geschützt? Studie des von Thünen-Instituts liefert Einblicke

26.02.2010
In den letzten Jahren hat sich die Nutzung landwirtschaftlicher Flächen dynamisch entwickelt. Veränderungen der Flächennutzung, zum Beispiel die Umwandlung von Grünland in Ackerland, können jedoch unerwünschte Auswirkungen auf den Natur-, Boden- und Klimaschutz haben.

In einem vom Bundesamt für Naturschutz aus Mitteln des Bundesumweltministeriums geförderten Projekt untersuchte eine Arbeitsgruppe des Johann Heinrich von Thünen-Instituts (vTI), wie sich die landwirtschaftliche Flächennutzung seit dem Jahr 2005 verändert hat.

Dabei standen flächenbezogene Ziele des Umwelt- und Naturschutzes im Mittelpunkt. Die Untersuchungen wurden am Beispiel der Länder Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz durchgeführt. Methoden und Ergebnisse wurden nun in einem Arbeitsbericht des vTI-Instituts für Ländliche Räume veröffentlicht.

Einen Schwerpunkt der Analysen bildete die Bilanzierung der Grünlandflächen. In den vier Bundesländern sind die Grünlandflächen nach Förderstatistik zwischen 2005 und 2007 um ca. 80.000 Hektar zurückgegangen. Rund die Hälfte dieser Fläche (40.000 ha) ist nachweislich zu Ackerland umgewandelt worden, das Schicksal der übrigen Fläche lässt sich aus den Daten nicht erkennen. Es ist kann durchaus sein, dass es sich vielerorts weiterhin um Grünland handelt, für das nur keine Förderung mehr beantragt wurde. Wichtigste Ackerkultur auf umgebrochenem Grünland ist Mais. Der Grünlandrückgang ist auch agrarpolitisch relevant, weil die Länder gemäß geltender Regeln der sogenannten "Cross-Compliance" sicherstellen müssen, dass das Grünland erhalten bleibt. Verpflichtungen für Einzelbetriebe sind in Deutschland aber erst dann zwingend zu ergreifen, wenn der Grünlandanteil auf Landesebene gegenüber 2003 um mehr als 5 % zurückgegangen ist. Die 5 %-Marke wurde bisher in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein (2008) sowie Niedersachsen (2009) überschritten. Wird in diesen Ländern Grünland umgebrochen, muss nun die Neueinsaat von Grünland auf einer Ersatzfläche nachgewiesen werden.

Die bestehende Cross-Compliance-Regelung kann bis zum Erreichen der 5 %-Marke naturschutzfachlich wertvolles Grünland nicht ausreichend schützen. Für den Landwirt besteht sogar ein Anreiz, Grünland umzuwandeln, da er erwarten kann, dass dies künftig genehmigungspflichtig wird. Zwar bestehen weitere politische Maßnahmen zum Schutz bestimmter Grünlandflächen im Rahmen des Umweltrechts. Jedoch zeigte sich, dass eine Umwandlung von Dauergrünland auch auf ökologisch sensiblen Standorten durchaus stattfand, zum Beispiel in Natura 2000-Gebieten, auf Moorstandorten sowie in Wasserschutzgebieten. Hingegen blieb das Grünland in Naturschutzgebieten und Nationalparks, in denen ein höherer Schutzstatus gilt, nahezu vollständig erhalten.

Diese Ergebnisse legen nahe, dass es in einigen Fällen Regelungslücken gibt, Vollzugsdefizite bestehen oder bestehende Regelungen unter den gegenwärtigen Rahmenbedingungen nicht mehr greifen. Sowohl die Umwelt- als auch die Agrarpolitik sind hier angesprochen. So empfehlen die Autoren, die deklarierten Schutzziele des Natur- und Wasserschutzes zu konkretisieren und ihre Wirksamkeit zu überprüfen. Die Gemeinsame Agrarpolitik beeinflusst durch ihre Förderpolitik einen Großteil der Grünlandflächen. Mit dem Integrierten Verwaltungs- und Kontrollsystem (InVeKoS) hat die Agrarpolitik ein sehr genaues und zeitnahes Monitoringinstrument an der Hand; mit den Cross-Compliance-Regelungen lassen sich Grundanforderungen durchsetzen und die Agrarumweltmaßnahmen bieten positive Anreizinstrumente, mit deren Hilfe eine gezieltere Flächennutzungspolitik schon heute umsetzbar wäre.

Für die Analysen nutzten die vTI-Wissenschaftler die Flächennachweise des Integrierten Verwaltungs- und Kontrollsystems (InVeKoS). Diese Flächennachweise müssen Landwirte erbringen, um Fördermittel zu erhalten. Weiterhin wurden Fachkarten zu Schutzgebieten und Zielkulissen des Natur- und Wasserschutzes sowie Informationen zu Bodentyp und Hangneigung herangezogen und in einem geographischen Informationssystem (GIS) zusammengeführt. "Im Rahmen der Agrarförderung werden jedes Jahr mit erheblichem Aufwand aktuelle und hoch aufgelöste Daten über die landwirtschaftliche Flächennutzung in Deutschland zusammengetragen", hebt Bernhard Osterburg vom vTI-Institut für Ländliche Räume hervor. "Diese Daten sind notwendig für die Direktzahlungen, lassen sich aber auch weit darüber hinaus verwenden."

Die beteiligten Bundesländer haben die Untersuchung durch die Bereitstellung von Daten maßgeblich unterstützt. Der Arbeitsbericht (85 Seiten) kann von der Homepage des Instituts für Ländliche Räume des vTI in der Rubrik "Publikationen" unter "Downloads" herunter geladen werden.

Osterburg B, Nitsch H, Laggner B, Roggendorf W (2009): Auswertung von Daten des Integrierten Verwaltungs- und Kontrollsystems zur Abschätzung von Wirkungen der EU-Agrarreform auf Umwelt und Landschaft. Arbeitsberichte aus der vTI-Agrarökonomie 07/2009

Kontakt:
Dipl.-Ing. agr. Bernhard Osterburg
Johann Heinrich von Thünen-Institut (vTI), Institut für Ländliche Räume
Bundesallee 50, 38116 Braunschweig
Tel.: 0531 596-5211, E-mail: bernhard.osterburg@vti.bund.de

Dr. Michael Welling | idw
Weitere Informationen:
http://www.vti.bund.de
http://www.vti.bund.de/de/institute/lr/publikationen/bereich/ab_07_2009_de.pdf

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Wie wir 2030 unterwegs sind: acatech Studie skizziert Zukunftsbild der vernetzten Mobilität
11.09.2019 | acatech - Deutsche Akademie der Technikwissenschaften

nachricht STICA-Studie belegt: Spezielle Verhaltenstherapie bei Computerspiel- und Internetsucht erfolgreich
11.09.2019 | Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fraunhofer Cluster of Excellence auf der K 2019: Frischer Wind für die Kreislaufwirtschaft von Kunststoffen

Der weltweite Eintrag von Kunststoffen in die Umwelt muss gestoppt werden. Wie ein Kunststoff beschaffen sein muss, damit er kreislauffähig, schnell und rückstandlos abbaubar wird oder im besten Fall nicht in die Umwelt gelangt, ist Thema des Fraunhofer Cluster of Excellence »Circular Plastics Economy«. Auf der K 2019 präsentieren die beteiligten fünf Fraunhofer-Institute am Beispiel Kunststoff den Forschungsansatz, der Energie- und Materialströme einer Wertstoffkette in eine zirkuläre Wirtschaftsform überführen soll. Halle 7, Stand SC1.

350 Millionen Tonnen Kunststoff wurden 2017 weltweit produziert, rund 65 Millionen Tonnen davon in Europa. Kunststoff ist unverzichtbar für...

Im Focus: 'Nanochains' could increase battery capacity, cut charging time

How long the battery of your phone or computer lasts depends on how many lithium ions can be stored in the battery's negative electrode material. If the battery runs out of these ions, it can't generate an electrical current to run a device and ultimately fails.

Materials with a higher lithium ion storage capacity are either too heavy or the wrong shape to replace graphite, the electrode material currently used in...

Im Focus: Nervenzellen feuern Hirntumorzellen zum Wachstum an

Heidelberger Wissenschaftler und Ärzte beschreiben aktuell im Fachjournal „Nature“, wie Nervenzellen des Gehirns mit aggressiven Glioblastomen in Verbindung treten und so das Tumorwachstum fördern / Mechanismus der Tumor-Aktivierung liefert Ansatzpunkte für klinische Studien

Nervenzellen geben ihre Signale über Synapsen – feine Zellausläufer mit Kontaktknöpfchen, die der nächsten Nervenzelle aufliegen – untereinander weiter....

Im Focus: Stevens team closes in on 'holy grail' of room temperature quantum computing chips

Photons interact on chip-based system with unprecedented efficiency

To process information, photons must interact. However, these tiny packets of light want nothing to do with each other, each passing by without altering the...

Im Focus: Happy hour für die zeitaufgelöste Kristallographie

Ein Forschungsteam vom Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD), der Universität Hamburg und dem European Molecular Biology Laboratory (EMBL) hat eine neue Methode entwickelt, um Biomoleküle bei der Arbeit zu beobachten. Sie macht es bedeutend einfacher, enzymatische Reaktionen auszulösen, da hierzu ein Cocktail aus kleinen Flüssigkeitsmengen und Proteinkristallen angewandt wird. Ab dem Zeitpunkt des Mischens werden die Proteinstrukturen in definierten Abständen bestimmt. Mit der dadurch entstehenden Zeitraffersequenz können nun die Bewegungen der biologischen Moleküle abgebildet werden.

Die Funktionen von Biomolekülen werden nicht nur durch ihre molekularen Strukturen, sondern auch durch deren Veränderungen bestimmt. Mittels der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Größte internationale Konferenz zur Erforschung von Gebärdensprachen an der Universität Hamburg

23.09.2019 | Veranstaltungen

92. Neurologie-Kongress: Mehr als 6500 Neurologen in Stuttgart erwartet

20.09.2019 | Veranstaltungen

Frische Ideen zur Mobilität von morgen

20.09.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neues Analyse-Tool für Datenbankmanagementsysteme: Mowgli weist den Weg im Datenbanken-Dschungel

23.09.2019 | Informationstechnologie

Fraunhofer Cluster of Excellence auf der K 2019: Frischer Wind für die Kreislaufwirtschaft von Kunststoffen

23.09.2019 | Messenachrichten

Qualitätskontrolle in der Immunkommunikation: Chaperone erkennen unfertige Signalmoleküle im Immunsystem

23.09.2019 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics