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Großes Einsparpotential durch Einsatz von energieeffizienten Technologien bei Aufzügen

23.08.2010
Energieeffizienz war beim Bau von Aufzügen bis vor einigen Jahren kaum ein Thema. Stattdessen lag das Hauptaugenmerk auf Sicherheit, Komfort und Platzbedarf. Mittlerweile spielen Energieeffizienz- und –einsparmaßnahmen sowie die damit verbundene Reduzierung von CO2-Emissionen auch im Gebäudebau eine wesentliche Rolle.

Das EU-Projekt „Energy efficient elevators and escalators“, kurz E4-Projekt, wurde von der Universität in Coimbra, Portugal, koordiniert. Die Untersuchungen des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISI im Rahmen des Projektes beschäftigten sich mit der Verbesserung der Energieeffizienz von Aufzügen und Fahrtreppen in Büro- und Wohngebäuden in Europa.

Ergebnis der Studie: Mit einem jährlichen Gesamtenergiebedarf von 18 TWh ist der Stromverbrauch von Aufzügen in Europa so hoch wie der jährliche Verbrauch im deutschen Schienenverkehr. Durch die Reduzierung des Stillstandverbrauchs sowie den Einsatz neuer Technologien sind Einsparungen von über der Hälfte der bislang eingesetzten Energie möglich. Zusätzlich müssen Maßnahmen getroffen werden, die das Bewusstsein für die Thematik bei Herstellern und Betreibern schärfen. Zudem sollten Informationen zur Verbesserung der Energieeffizienz und den damit verbundenen Investitionskosten breiter zugänglich gemacht werden.

In den 27 EU-Staaten sind derzeit etwa 4,8 Millionen Aufzüge in Betrieb. In Deutschland gibt es rund 650.000 Anlagen für unterschiedliche Zwecke wie etwa den bequemen und barrierefreien Transport zwischen zwei Stockwerken eines Gebäudes, zur Erschließung von Hochhäusern über mehrere hundert Meter Höhenunterschied hinweg oder zum Transport großer Lasten, etwa in der Industrie. Rund zwei Drittel aller Anlagen sind in Wohngebäuden zu finden.

Im Rahmen der Studie wurden europaweit Aufzugsanlagen in unterschiedlichen Gebäudetypen auf ihre Leistungsaufnahme hin untersucht. Dazu wurden sowohl Stillstands- als auch Fahrtverbräuche ermittelt. Die Studie ergab einen hochgerechneten jährlichen Gesamtenergiebedarf von Aufzügen in Europa von rund 18 TWh, was in etwa dem jährlichen Stromverbrauch des deutschen Schienenverkehrs entspricht. Die 650.000 Aufzugsanlagen in Deutschland tragen dazu mit zwei bis vier TWh bei. Alle Aufzugsanlagen im Wohngebäudebereich und in der Industrie verbrauchen im Ruhezustand zwischen den Fahrten rund 70 Prozent des jährlichen Gesamtenergieverbrauchs. In Bürogebäuden dagegen beträgt der Stillstandsanteil aufgrund der höheren Fahrtenzahl 40 Prozent.

„Die erste rentable und mit geringem Aufwand durchführbare Möglichkeit, den Energieverbrauch zu senken, ist sicherlich die Abschaltung des Kabinenlichts während des Stillstands“, erklärt Simon Hirzel, Projektleiter vom E4-Projekt am Fraunhofer ISI. Weitere mögliche Energieeinsparpotentiale zur Senkung des Verbrauchs liegen zudem im Einsatz moderner Technologien, wie beispielsweise die Verwendung hocheffizienter Antriebe und Bauteile oder abschaltbarer Komponenten. Komfort und Sicherheit der Aufzüge bleiben auch bei diesen Effizienzmaßnahmen dank ausgereifter Techniken gewährleistet. Im Schnitt kann dadurch über die Hälfte der bislang eingesetzten Energie eingespart werden

In der Praxis werden solche energieeffizienten Lösungen jedoch nicht durchgängig eingesetzt. Gerade auf Betreiberseite besteht noch ein Mangel an Sensibilität und Informationen zu diesem Thema. „Zur Schaffung eines breiteren Bewusstseins für das Thema Energieeffizienz könnten beispielsweise allgemeine Informationen bereitgestellt, Informationskampagnen durchgeführt oder die Kennzeichnung der Energieeffizienz von Anlagen vorangetrieben werden. Auch die Aufnahme von Aufzügen in die europäische Gebäuderichtlinie EPBD kann die Aufmerksamkeit für das Thema weiter steigern“, schlägt Simon Hirzel vor.

Eine ganzheitliche Energiebetrachtung für Aufzüge sollte sowohl den Fahrt- als auch den Stillstandverbrauch angemessen berücksichtigen sowie die jeweiligen Nutzungsmuster. Bei einem eher selten genutzten Aufzug in einem Wohnhaus wird beispielsweise eine Reduzierung des Stillstands-Verbrauchs in der Regel zu höheren und günstigeren Einsparungen führen als die Nutzung von Maßnahmen zur Energierückgewinnung bei der Fahrt. Energieeffizienzüberlegungen für Aufzüge sollten sich dabei grundsätzlich über den gesamten Lebenszyklus einer Anlage erstrecken, beginnend bei Planung und Auslegung der Anlage, über die Auswahl energieeffizienter Komponenten und deren intelligenter Steuerung hinweg bis hin zur Beachtung von Energieeffizienzaspekten bei Installation, Betrieb und Wartung der Anlage.

Die Studie steht unter http://www.e4project.eu/documenti/wp6/E4-WP6-Brochure.pdf zum Download bereit.

Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI analysiert die Rahmenbedingungen von Innovationen. Wir erforschen die kurz- und langfristigen Entwicklungen von Innovationsprozessen und die gesellschaftlichen Auswirkungen neuer Technologien und Dienstleistungen. Auf dieser Grundlage stellen wir unseren Auftraggebern aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft Handlungsempfehlungen und Perspektiven für wichtige Entscheidungen zur Verfügung. Unsere Expertise liegt in der breiten wissenschaftlichen Kompetenz sowie einem interdisziplinären und systemischen Forschungsansatz.

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Dr. Kathrin Schwabe | Fraunhofer-Institut
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