Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gefäßstützen: Gleiche Qualität bei geringeren Kosten

08.07.2010
Neue Studie weist auf Einspareffekte im Gesundheitssystem hin

Die Kosten sind enorm: Weit mehr als 100 Millionen Euro zahlt das deutsche Gesundheitssystem jährlich für die so genannten beschichteten Stents. Rund 200.000 Mal pro Jahr setzen Deutschlands Mediziner diese zylinderförmigen Metallgitter in die Herzkranzgefäße ihrer Patienten ein, um die Arterien an den verengten Stellen zu weiten.

„Der aktuelle Marktführer funktioniert hervorragend“, erklärt Prof. Dr. Volker Klauß, Leiter der Kardiologie des Klinikums der Universität München, Campus Innenstadt. Aber er ist mit einem Stückpreis von 650 bis 700 Euro teuer – weshalb deutsche Kliniken häufig auf ältere und preiswertere, qualitativ etwas schlechtere Produkte zurückgreifen. Mehr Wettbewerb unter den Gefäßstützen neuester Generation würde die Preise drücken und das gebeutelte Gesundheitssystem entlasten. Das könnte nun tatsächlich passieren. Denn Prof. Klauß und seine Kollegen aus 15 internationalen Kliniken haben in einer großen, im renommierten „New England Journal of Medicine“ eben erschienenen Studie nachgewiesen: Ein neues Produkt steht dem Marktführer hinsichtlich Effektivität und Komplikationen in nichts nach.

Moderne Stents sind mit einem Wirkstoff beschichtet, der über eine spezielle Trägersubstanz mehrere Monate lang kontinuierlich in die Gefäßwand abgegeben wird, was eine erneute Verengung der Arterie zusätzlich unterbinden soll. Der internationale Marktführer ist mit dem Wirkstoff „Everolimus“ ausgestattet, das neue Produkt mit einer ähnlichen Substanz namens „Zotarolimus“. Fast 2.300 Patienten nahmen an der neuen Studie teil – und zwar das ganze Spektrum der Herzpatienten, das Kardiologen tagtäglich in ihren Praxen sehen, inklusive Hochrisikopatienten. „In dieser Studie haben wir wirklich die Realität abgebildet“, betont Prof. Klauß - was in Zulassungsstudien für ein Produkt nicht unbedingt üblich ist.

Die Patienten wurden zwei Gruppen zugewiesen, die mit je einem der beiden Produkte behandelt wurden. Nach zwölf Monaten ermittelten die Studien-Ärzte, welche Patienten entweder einen Herzinfarkt erlitten hatten oder eine anderweitige Erkrankung im Zusammenhang mit der behandelten Engstelle erlitten. Ergebnis: In beiden Gruppen waren dies lediglich gut acht Prozent der Patienten. Auch die Zahl der Komplikationen – vor allem Thrombosen – lag in beiden Gruppen auf ähnlich niedrigem Niveau.

„Beide Produkte“, sagt Prof. Klauß, „können künftig guten Gewissens für die Behandlung genutzt werden.“ Mittel- bis langfristig erhofft sich der Kardiologe des Klinikums der Universität München Einsparungseffekte – und beklagt zudem, dass in Deutschland international gesehen die meisten Stents eingesetzt würden. In mindestens 30 Prozent der Fälle leider unnötigerweise: „Auf diesen Weltmeister-Titel können wir nicht stolz sein.“

Kontakt:
Prof. Dr. Volker Klauss
Leiter der Kardiologie
Medizinische Poliklinik – Campus Innenstadt
Klinikum der Universität München
Tel: +49 (0)89/5160-2305 oder -2111 (Pforte)
E-mail: klauss@med.uni-muenchen.de
Klinikum der Universität München
Im Klinikum der Universität München (LMU) sind im Jahr 2009 an den Standorten Großhadern und Innenstadt etwa 500.000 Patienten ambulant, teilstationär und stationär behandelt worden. Die 45 Fachkliniken, Institute und Abteilungen verfügen über mehr als 2.300 Betten. Von insgesamt fast 10.000 Beschäftigten sind rund 1.700 Mediziner. Forschung und Lehre ermöglichen eine Patientenversorgung auf höchstem medizinischem Niveau. Das Klinikum der Universität München hat im Jahr 2009 rund 62 Millionen Euro an Drittmitteln eingeworben und ist seit Juni 2006 Anstalt des öffentlichen Rechts.

Philipp Kressirer | Klinikum der Universität München
Weitere Informationen:
http://www.uniklinikum-muenchen.de
http://kardiologie.klinikum.uni-muenchen.de/de/index.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Wasserelektrolyse hat Potenzial zur Gigawatt-Industrie
18.09.2018 | Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE

nachricht Was ist Asthma – und wenn ja wie viele?
12.09.2018 | Deutsches Zentrum für Lungenforschung e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie Magnetismus entsteht: Elektronen stärker verbunden als gedacht

Wieso sind manche Metalle magnetisch? Diese einfache Frage ist wissenschaftlich gar nicht so leicht fundiert zu beantworten. Das zeigt eine aktuelle Arbeit von Wissenschaftlern des Forschungszentrums Jülich und der Universität Halle. Den Forschern ist es zum ersten Mal gelungen, in einem magnetischen Material, in diesem Fall Kobalt, die Wechselwirkung zwischen einzelnen Elektronen sichtbar zu machen, die letztlich zur Ausbildung der magnetischen Eigenschaften führt. Damit sind erstmals genaue Einblicke in den elektronischen Ursprung des Magnetismus möglich, die vorher nur auf theoretischem Weg zugänglich waren.

Für ihre Untersuchung nutzten die Forscher ein spezielles Elektronenmikroskop, das das Forschungszentrum Jülich am Elettra-Speicherring im italienischen Triest...

Im Focus: Erstmals gemessen: Wie lange dauert ein Quantensprung?

Mit Hilfe ausgeklügelter Experimente und Berechnungen der TU Wien ist es erstmals gelungen, die Dauer des berühmten photoelektrischen Effekts zu messen.

Es war eines der entscheidenden Experimente für die Quantenphysik: Wenn Licht auf bestimmte Materialien fällt, werden Elektronen aus der Oberfläche...

Im Focus: Scientists present new observations to understand the phase transition in quantum chromodynamics

The building blocks of matter in our universe were formed in the first 10 microseconds of its existence, according to the currently accepted scientific picture. After the Big Bang about 13.7 billion years ago, matter consisted mainly of quarks and gluons, two types of elementary particles whose interactions are governed by quantum chromodynamics (QCD), the theory of strong interaction. In the early universe, these particles moved (nearly) freely in a quark-gluon plasma.

This is a joint press release of University Muenster and Heidelberg as well as the GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt.

Then, in a phase transition, they combined and formed hadrons, among them the building blocks of atomic nuclei, protons and neutrons. In the current issue of...

Im Focus: Der Truck der Zukunft

Lastkraftwagen (Lkw) sind für den Gütertransport auch in den kommenden Jahrzehnten unverzichtbar. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Technischen Universität München (TUM) und ihre Partner haben ein Konzept für den Truck der Zukunft erarbeitet. Dazu zählen die europaweite Zulassung für Lang-Lkw, der Diesel-Hybrid-Antrieb und eine multifunktionale Fahrerkabine.

Laut der Prognose des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur wird der Lkw-Güterverkehr bis 2030 im Vergleich zu 2010 um 39 Prozent steigen....

Im Focus: Extrem klein und schnell: Laser zündet heißes Plasma

Feuert man Lichtpulse aus einer extrem starken Laseranlage auf Materialproben, reißt das elektrische Feld des Lichts die Elektronen von den Atomkernen ab. Für Sekundenbruchteile entsteht ein Plasma. Dabei koppeln die Elektronen mit dem Laserlicht und erreichen beinahe Lichtgeschwindigkeit. Beim Herausfliegen aus der Materialprobe ziehen sie die Atomrümpfe (Ionen) hinter sich her. Um diesen komplexen Beschleunigungsprozess experimentell untersuchen zu können, haben Forscher aus dem Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) eine neuartige Diagnostik für innovative laserbasierte Teilchenbeschleuniger entwickelt. Ihre Ergebnisse erscheinen jetzt in der Fachzeitschrift „Physical Review X“.

„Unser Ziel ist ein ultrakompakter Beschleuniger für die Ionentherapie, also die Krebsbestrahlung mit geladenen Teilchen“, so der Physiker Dr. Thomas Kluge vom...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

4. BF21-Jahrestagung „Car Data – Telematik – Mobilität – Fahrerassistenzsysteme – Autonomes Fahren – eCall – Connected Car“

21.09.2018 | Veranstaltungen

Forum Additive Fertigung: So gelingt der Einstieg in den 3D-Druck

21.09.2018 | Veranstaltungen

12. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

20.09.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue CBMC-Geräteschutzschaltervarianten

22.09.2018 | Energie und Elektrotechnik

ISO-27001-Zertifikat für die GFOS mbH und die GFOS Technologieberatung GmbH

21.09.2018 | Unternehmensmeldung

Kundenindividuelle Steckverbinder online konfigurieren und bestellen

21.09.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics