Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Frauen und Männer auf Reisen erleiden unterschiedliche Krankheiten

26.02.2010
Woran Reisende erkranken, wird vom Geschlecht mitbestimmt: Während Frauen eher an Diarrhöe und Infektionen der Atemwege leiden, werden reisende Männer öfter Opfer von Fieber und Malaria sowie von Erkrankungen des Harn- und Geschlechtssystems.

Diese Ergebnisse einer neuen Studie der Universität Zürich haben unmittelbare Bedeutung für die Praxis der Reisemedizin.

Erstmals bildet der Zusammenhang zwischen Geschlecht und Reisekrankheiten Gegenstand einer systematischen Untersuchung: Patricia Schlagenhauf vom Zentrum für Reisemedizin der Universität Zürich hat mit ihrem Team die Daten von 58'908 Patientinnen und Patienten ausgewertet, die zwischen 1997 und 2007 eine von 44 GeoSentinel-Kliniken aufgesucht haben. Bei letzteren handelt es sich um ein globales Netz aus Kliniken für Reisekrankheiten. Die Ergebnisse sind soeben in der Wissenschaftspublikation "Clinical Infectious Diseases" erschienen. Sie zeigen, dass das Geschlecht ein wichtiger, die menschliche Gesundheit beeinflussender Faktor ist: Es prägt mit, für welche Krankheiten Frauen und Männer anfällig sind.

Öfter als Männer erkranken Frauen auf Reisen an akuter und chronischer Diarrhöe, an einem Reizdarmsyndrom, an einer Infektion der oberen Atemwege, an Mund- und Zahnbeschwerden und an Medikamentenunverträglichkeiten. Männer hingegen leiden insgesamt öfter an Fiebererkrankungen, an Infektionskrankheiten, die durch Mücken übertragen werden, wie etwa Malaria, sowie an sexuell übertragbaren Infektionen. Sie sind zudem häufiger Opfer von viraler Hepatitis, von nicht-infektiösen Beschwerden wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie von akuter Höhenkrankheit und von Erfrierungen. Männer, die auf Reisen krank werden, werden zudem häufiger hospitalisiert als Frauen.

Nicht die Risikofreude von Männern, sondern ihre Duftstoffe ziehen Malariamücken an

Gründe, weshalb Männer die attraktiveren Wirte für Malariamücke sind, gibt es mehrere. Einer von ihnen liegt darin, dass Männer mehr von den bevorzugten Duftstoffen produzieren: "Die Mücken orientieren sich bei ihrer Suche nach Blut an Gerüchen. Zu den bevorzugten Duftstoffen gehören Kohlendioxid, Schweiss und flüchtige Hautpartikel, und von all diesen Stoffen produzieren Männer mehr als Frauen." erläutert Patricia Schlagenhauf und ergänzt: "Hinzu kommt, dass Insektenschutzmittel wasserlöslich sind. Wer also rasch ins Schwitzen kommt - was Männer wiederum häufiger tun, als Frauen -, muss das Insektenschutzmittel wiederholt auftragen, um zuverlässig geschützt zu sein." Für die These, dass sich Männer auf Reisen risikofreudiger verhalten und öfter der Gefahr aussetzen als Frauen und deshalb häufiger zum Opfer von Malaria werden, liefert die Studie keine Hinweise.

Folgerungen für die Praxis

"Die Präventivreisemedizin sowie auch die künftige Reisemedizinforschung sollen geschlechtsspezifische Interventionsstrategien entwickeln und die unterschiedliche Anfälligkeit der Geschlechter für die verschiedenen Krankheiten berücksichtigen", fordert Schlagenhauf für die Zukunft. Konkret sollte die geschlechtsspezifische Beratung insbesondere den Frauen Mittel zur Selbstbehandlung von Harninfekten und Diarrhöe in die Hand geben. Die Beipackzettel von Medikamenten sollten präzise, geschlechtsspezifische Informationen zur Verträglichkeit enthalten, und die Angaben zur Dosierung müssen an die unterschiedlichen Bedürfnisse der Geschlechter angepasst werden. Für beide Geschlechter relevant ist der Schutz vor Moskitos, doch sollen Männer hierzu vertiefende Informationen erhalten. Dies gilt auch für die Prävention von sexuell übertragbaren Krankheiten. Denn Männer haben häufiger als Frauen spontanen Sex auf Reisen, und eine Safer-Sex-Beratung fehlt in der heutigen Reisemedizinpraxis in der Regel.

Abzuklären gilt schliesslich, wie diese Informationen die männlichen Reisenden erreichen können: Denn die Studie zeigt, dass sich Frauen vor Antritt ihrer Reisen signifikant häufiger beraten lassen als Männer.

Originalbeitrag:

Schlagenhauf, Patricia, et al.: Sex and Gender Differences in Travel-Associated Disease.
In: Clinical Infectious Diseases, 2010; 50:826-832, DOI: 10.1086/650575
Abstract: http://www.journals.uchicago.edu/doi/abs/10.1086/650575
Kontakt:
Dr. Patricia Schlagenhauf, Zentrum für Reisemedizin, Institut für Sozial- und Präventivmedizin, Universität Zürich

pat@ifspm.uzh.ch, Telefon: 044 634 46 30

Beat Müller | idw
Weitere Informationen:
http://www.mediadesk.uzh.ch
http://www.journals.uchicago.edu/doi/abs/10.1086/650575

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht STICA-Studie belegt: Spezielle Verhaltenstherapie bei Computerspiel- und Internetsucht erfolgreich
11.09.2019 | Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

nachricht Wie wir 2030 unterwegs sind: acatech Studie skizziert Zukunftsbild der vernetzten Mobilität
11.09.2019 | acatech - Deutsche Akademie der Technikwissenschaften

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Abbau von Magnesiumlegierung auf der Nanoskala beobachtet

Erstmals konnten ETH-​Forscherinnen und Forscher die Korrosion von Magnesiumlegierungen für biomedizinische Anwendungen auf der Nanoskala beobachten. Dies ist ein wichtiger Schritt, um bessere Vorhersagen darüber zu treffen, wie schnell Implantate im Körper abgebaut werden und so massgeschneiderte Implantatwerkstoffe entwickelt werden können.

Magnesium und seine Legierungen halten vermehrt Einzug in die Medizin: einerseits als Material für Implantate in der Knochenchirurgie wie Schrauben oder...

Im Focus: Researchers watch quantum knots untie

After first reporting the existence of quantum knots, Aalto University & Amherst College researchers now report how the knots behave

A quantum gas can be tied into knots using magnetic fields. Our researchers were the first to produce these knots as part of a collaboration between Aalto...

Im Focus: Hohlraum vermittelt starke Wechselwirkung zwischen Licht und Materie

Forschern ist es gelungen, mithilfe eines mikroskopischen Hohlraumes eine effiziente quantenmechanische Licht-Materie-Schnittstelle zu schaffen. Darin wird ein einzelnes Photon bis zu zehn Mal von einem künstlichen Atom ausgesandt und wieder absorbiert. Das eröffnet neue Perspektiven für die Quantentechnologie, berichten Physiker der Universität Basel und der Ruhr-Universität Bochum in der Zeitschrift «Nature».

Die Quantenphysik beschreibt Photonen als Lichtteilchen. Will man ein einzelnes Photon mit einem einzelnen Atom interagieren lassen, stellt dies aufgrund der...

Im Focus: A cavity leads to a strong interaction between light and matter

Researchers have succeeded in creating an efficient quantum-mechanical light-matter interface using a microscopic cavity. Within this cavity, a single photon is emitted and absorbed up to 10 times by an artificial atom. This opens up new prospects for quantum technology, report physicists at the University of Basel and Ruhr-University Bochum in the journal Nature.

Quantum physics describes photons as light particles. Achieving an interaction between a single photon and a single atom is a huge challenge due to the tiny...

Im Focus: Freiburger Forschenden gelingt die erste Synthese eines kationischen Tetraederclusters in Lösung

Hauptgruppenatome kommen oft in kleinen Clustern vor, die neutral, negativ oder positiv geladen sein können. Das bekannteste neutrale sogenannte Tetraedercluster ist der weiße Phosphor (P4), aber darüber hinaus sind weitere Tetraeder als Substanz isolierbar. Es handelt sich um Moleküle aus vier Atomen, deren räumliche Anordnung einem Tetraeder aus gleichseitigen Dreiecken entspricht. Bisher waren neben mindestens sechs neutralen Versionen wie As4 oder AsP3 eine Vielzahl von negativ geladenen Tetraedern wie In2Sb22– bekannt, jedoch keine kationischen, also positiv geladenen Varianten.

Ein Team um Prof. Dr. Ingo Krossing vom Institut für Anorganische und Analytische Chemie der Universität Freiburg ist es gelungen, diese positiv geladenen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Wiegende Halme auf den Designers‘ Open

23.10.2019 | Veranstaltungen

13. Aachener Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung – »Collaborate to Innovate: Making the Net Work«

22.10.2019 | Veranstaltungen

Serienfertigung von XXL-Produkten: Expertentreffen in Hannover

22.10.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Abbau von Magnesiumlegierung auf der Nanoskala beobachtet

23.10.2019 | Materialwissenschaften

Wiegende Halme auf den Designers‘ Open

23.10.2019 | Veranstaltungsnachrichten

Kosmischer Staub auf Ballonfahrt – Experiment zur Planetenentstehung

23.10.2019 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics