Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forschungsschwerpunkt Medienkonvergenz untersucht Rolle des Internets für Entwicklung Jugendlicher

31.08.2015

Längsschnittstudie mit über 3.000 Schülerinnen und Schülern aus Rheinland-Pfalz zu den Chancen und Risiken der Internetnutzung

Wohl kein Medium prägt Kinder und Jugendliche in der heutigen Zeit stärker als das Internet. Videoblogger und YouTuber sind die neuen Stars in den Kinderzimmern und verdrängen das Fernsehen in seiner Rolle als unangefochtenes Unterhaltungsmedium Nummer eins.

Facebook, Twitter und WhatsApp stellen zunehmend die soziale Kommandozentrale des Alltagslebens dar und haben sich für viele Jugendliche zu einer festen Konstante in der Kommunikation mit der Peergruppe entwickelt.

Diese neuen Möglichkeiten der interaktiven Online-Kommunikation haben das Leben und die Erfahrungswelt von Kindern und Jugendlichen auf vielfältige Weise verändert und bereichert: Nie war es für Heranwachsende einfacher, ihren Wissenshunger zu stillen oder sich auch die entlegensten Teile der Welt über das Internet zu erschließen.

Das Netz eröffnet bisher ungekannte Möglichkeiten der Pflege von Freundschaften und des Austauschs mit Gleichaltrigen. Die Selbstdarstellung im Internet leistet einen wichtigen Beitrag zur Identitätsarbeit und Aushandlung der eigenen Einstellungen und Weltsicht. Die Nutzung des Internets und sozialer Medien ist somit eine wichtige Quelle der Befriedigung zentraler psychologischer Bedürfnisse junger Nutzerinnen und Nutzer.

Diesem positiven Potenzial des Internets stehen allerdings zahlreiche Gefahren und Risiken entgegen, etwa die Konfrontation mit Pornografie und Gewalt oder Cybermobbing und Aggression im Netz. Statt freier Identitätsentfaltung drohen durch verzerrte Vorbilder im Internet möglicherweise negative Auswirkungen auf die Entwicklung von Jugendlichen, etwa in Form von übersteigerten Körperidealen oder unkritischem Umgang mit Drogen und Alkohol. Verlieren Jugendliche die Kontrolle über die eigene Internetnutzung, drohen Abhängigkeit, Isolation und der Einbruch schulischer Leistung.

Wie Kinder und Jugendliche diese Gratwanderung aus Chancen und Risiken der
„Always-On“-Gesellschaft bewältigen und welche Wirkungen das Internet auf ihre Persönlichkeitsentwicklung, ihre psychologische Gesundheit und ihr Wohlbefinden hat, ist in vielen Punkten noch völlig unklar. Diesen Fragen widmet sich ein aktuelles Forschungsprojekt des Forschungsschwerpunkts Medienkonvergenz an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU).

In einer repräsentativen Studie mit mehr als 3.000 Schülerinnen und Schülern der 5. und 10. Klassen an rund 30 Schulen in Rheinland-Pfalz werden die Effekte der Internetnutzung im Längsschnitt untersucht und die Teilnehmer über einen Zeitraum von 24 Monaten insgesamt dreimal befragt. Beteiligt an der Durchführung der Studie sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Instituts für Publizistik, der Arbeitsgemeinschaft Medienpädagogik und der Ambulanz für Spielsucht der Klinik für Psychosomatische Medizin an der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU). Damit bündelt das Projekt die umfassende – in Mainz einzigartig vertretene – Expertise zu diesem hochaktuellen Thema.

„Die Studie bietet uns die faszinierende Chance, eine Kohorte von Jugendlichen über zwei Jahre zu begleiten und den Stellenwert des Internets in der spannenden Phase der Adoleszenz zu erforschen“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Birgit Stark, Sprecherin des Forschungsschwerpunkts Medienkonvergenz. „Wir erhoffen uns durch die Daten einen bisher einmaligen Einblick in das Zusammenspiel der Internetnutzung und der psychologischen und persönlichen Entwicklung von Jugendlichen.“

Schon die Ergebnisse einer früheren Repräsentativbefragung des Forschungsschwerpunkts aus dem Frühjahr 2014 verdeutlichen die zentrale Rolle des Internets im Leben der Deutschen. Damals wurden 2.572 Personen im Alter zwischen 14 und 95 Jahren zu ihren Erfahrungen mit dem Internet befragt.

„Die Ergebnisse unserer repräsentativen Vorstudie zeigen deutlich, dass viele Nutzerinnen und Nutzer das Internet insgesamt als Bereicherung des Lebens wahrnehmen, gleichzeitig aber Themen wie digitaler Stress und der wachsende Zwang zur ständigen Verfügbarkeit für einen zunehmenden Teil der Bevölkerung eine Belastung darstellen. Unsere nun laufende Längsschnittstudie wird interessante Antworten auf die Frage liefern, wie junge Nutzer, die ganz selbstverständlich mit dem Internet aufwachsen, mit diesen Herausforderungen umgehen“, so Prof. Stark. Die erste Welle der Datenerhebung läuft derzeit, mit detaillierten Ergebnissen ist im Herbst 2015 zu rechnen.

Die Längsschnittstudie wird vom Forschungsschwerpunkt Medienkonvergenz der Johannes Gutenberg-Universität Mainz gefördert. Ziel des interdisziplinären Forschungsschwerpunkts ist es, die rechtlichen und wirtschaftlichen Folgen der aktuellen Medienevolution, ihre kulturellen Potenziale und kreativen Möglichkeiten kritisch zu erfassen und wissenschaftlich aufzuarbeiten.

Die durch die Medienkonvergenz induzierten Veränderungsprozesse können nur im interdisziplinären Verbund adäquat erforscht werden. Entsprechend kooperieren im Forschungsschwerpunkt die geistes- und die sozialwissenschaftlich orientierten Medienfächer der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (Buchwissenschaft, Journalistik, Publizistik, Film- und Theaterwissenschaft, Neurolinguistik) mit Medienrecht, Medienpädagogik, Medienkunst sowie Medienökonomie und Suchtmedizin.

Weitere Informationen zur Studie im Internet:
https://www.medienkonvergenz.uni-mainz.de/forschung/schuelerbefragung-always-on/

Kontakt:
Juniorprof. Dr. Leonard Reinecke
Institut für Publizistik
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
55099 Mainz
Tel. 06131 39-28319
Fax 06131 39-24239
E-Mail: leonard.reinecke@uni-mainz.de
http://www.ifp.uni-mainz.de/

Dipl.-Psych. Kai W. Müller
Sabine M. Grüsser-Sinopoli-Ambulanz für Spielsucht
Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
55131 Mainz
Tel. 06131 17-4039
E-Mail: kai.mueller@unimedizin-mainz.de
http://www.unimedizin-mainz.de/psychosomatik/patienten/behandlungsangebote/ambul...

Weitere Informationen:

https://www.medienkonvergenz.uni-mainz.de/forschung/schuelerbefragung-always-on/ - Schülerbefragung "always on" – Längsschnittstudie zur Mediennutzung

Petra Giegerich | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Klein und vielseitig: Schlüsselorganismen im marinen Stickstoffkreislauf nutzen Cyanat und Harnstoff
10.12.2018 | Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie

nachricht Diabetes Typ 1 - Studien zeigen: Insulinpumpen wirken sich positiv auf Blutzuckerwerte
10.12.2018 | Deutsche Diabetes Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: New Foldable Drone Flies through Narrow Holes in Rescue Missions

A research team from the University of Zurich has developed a new drone that can retract its propeller arms in flight and make itself small to fit through narrow gaps and holes. This is particularly useful when searching for victims of natural disasters.

Inspecting a damaged building after an earthquake or during a fire is exactly the kind of job that human rescuers would like drones to do for them. A flying...

Im Focus: Neuartige Lasertechnik für chemische Sensoren in Mikrochip-Größe

Von „Frequenzkämmen“ spricht man bei speziellem Laserlicht, das sich optimal für chemische Sensoren eignet. Eine revolutionäre Technik der TU Wien erzeugt dieses Licht nun viel einfacher und robuster als bisher.

Ein gewöhnlicher Laser hat genau eine Farbe. Alle Photonen, die er abstrahlt, haben genau dieselbe Wellenlänge. Es gibt allerdings auch Laser, deren Licht...

Im Focus: Topological material switched off and on for the first time

Key advance for future topological transistors

Over the last decade, there has been much excitement about the discovery, recognised by the Nobel Prize in Physics only two years ago, that there are two types...

Im Focus: Neue Methode verpasst Mikroskop einen Auflösungsschub

Verspiegelte Objektträger ermöglichen jetzt deutlich schärfere Bilder / 20fach bessere Auflösung als ein gewöhnliches Lichtmikroskop - Zwei Forschungsteams der Universität Würzburg haben dem Hochleistungs-Lichtmikroskop einen Auflösungsschub verpasst. Dazu bedampften sie den Glasträger, auf dem das beobachtete Objekt liegt, mit maßgeschneiderten biokompatiblen Nanoschichten, die einen „Spiegeleffekt“ bewirken. Mit dieser einfachen Methode konnten sie die Bildauflösung signifikant erhöhen und einzelne Molekülkomplexe auflösen, die sich mit einem normalen Lichtmikroskop nicht abbilden lassen. Die Studie wurde in der NATURE Zeitschrift „Light: Science and Applications“ veröffentlicht.

Die Schärfe von Lichtmikroskopen ist aus physikalischen Gründen begrenzt: Strukturen, die näher beieinander liegen als 0,2 tausendstel Millimeter, verschwimmen...

Im Focus: Supercomputer ohne Abwärme

Konstanzer Physiker eröffnen die Möglichkeit, Supraleiter zur Informationsübertragung einzusetzen

Konventionell betrachtet sind Magnetismus und der widerstandsfreie Fluss elektrischen Stroms („Supraleitung“) konkurrierende Phänomene, die nicht zusammen in...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Januar und Februar 2019

11.12.2018 | Veranstaltungen

Eine Norm für die Reinheitsbestimmung aller Medizinprodukte

10.12.2018 | Veranstaltungen

Fachforum über intelligente Datenanalyse

10.12.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bose-Einstein-Kondensate können Gravitationswellen derzeit wohl kaum nachweisen

12.12.2018 | Physik Astronomie

Neue Testmethode verbessert Tuberkulose-Diagnose bei Nashörnern

12.12.2018 | Biowissenschaften Chemie

Alles unter Kontrolle: Fraunhofer LBF sorgt für mehr Zuverlässigkeit bei Medizingeräten

12.12.2018 | Medizintechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics