Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fischvergiftung: Lichtblick bei Gegenmittel

03.11.2008
Ciguatera betrifft jährlich 50.000 Menschen

Geschätzte 50.000 Menschen in tropischen Regionen erkranken jährlich an Fischvergiftungen, die durch Ciguatera-Toxine verursacht werden.

Erst kürzlich hat ein internationales Forscherteam vorgeschlagen, eine bereits patentierte Substanz namens Brevenal gegen die neurologischen Symptome, die monatelang anhalten können, zu verwenden. Die jüngsten Forschungsergebnisse über die Behandlung der Erkrankung, die ausschließlich zwischen dem 35 Grad nördlichen und 35 Grad südlichen Breitengrad auftritt, diskutieren Wissenschaftler bei einer Konferenz auf der französischen Pazifikinsel Neukaledonien.

Erste Berichte über eine solche Fischvergiftung kommen bereits bei der zweiten Expedition des britischen Seefahrers James Cook im Jahr 1774 vor. Die Erkrankung tritt nach dem Genuss von ansonsten ungiftigen Speisefischen auf und führt neben Erbrechen, Übelkeit, Durchfall und Bauchschmerzen zu Hautausschlägen, Taubheitsgefühl in Lippen- und Mundschleimhaut sowie zu neurologischen Symptomen wie der Umkehr des Kalt-Warm-Empfindens.

Verursacht wird die Fischvergiftung durch Dinoflagellaten, die in Meeresalgen leben und die verschiedene Toxine produzieren. In Fischen, die diese Algen fressen, reichern sich diese Gifte, die auch durch Erhitzen nicht neutralisiert werden können, an. Das erklärt auch, warum Raubfische besonders hohe Konzentrationen der Toxine in sich tragen. Dieses Ciguatera-Gift wirkt beim Menschen als Nervengift und beeinflusst die Übertragung von Reizen von Nervenzelle zu Nervenzelle. Eine besondere Rolle spielen dabei die Verbindungsstellen zwischen zwei Nervenzellen bzw. zwischen Nervenzelle und Muskel, die so genannten Synapsen.

Der Forscher Frederic Meunier vom Queensland Brain Institute & School of Biomedical Sciences hat den Versuch angestellt, Brevenal als Mittel gegen Ciguatera einzusetzen. Fast zeitgleich hat der Forscher Dan Baden von der University of North Carolina Wilmington dieselbe Idee geboren. Die beiden Wissenschaftler haben sich zusammengeschlossen und gemeinsam weitergeforscht und festgestellt, dass die Substanz eine wesentliche Eigenschaft des Toxins verhindert.

Die Ciguatoxine binden nämlich an spannungsaktivierte Natriumkanäle und verursachen deren permanente Aktivierung. "Es sieht so aus als hätten wir nun einen Weg gefunden, diese Wirkung zu blockieren", berichten die Forscher im Wissenschaftsmagazin Plos ONE. Eines der großen Probleme war bisher das Fehlen eines geeigneten Medikaments. Erst 2002 hatte eine randomisierte Studie ergeben, dass die einzige Arznei im Vergleich zum Placebo keine wesentliche Verbesserung aufwies. Bisher gab es nur die Möglichkeit einer Akuttherapie in Form einer Infusion mit dem Zuckeralkohol Mannit, der die Urinausscheidung und damit die vermehrte Ausscheidung des Gifts förderte.

Das Forscherteam will nun die Substanz in einer großangelegten Studie untersuchen und daraus ein geeignetes Medikament herzustellen. Brevenal ist eine nicht toxische Substanz, mit der sich die Algen gegen ihre eigenen Toxine schützen. Die Wissenschaftler wollen nun Brevenal synthetisch herstellen, ehe es im Tierversuch untersucht werden soll.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.plosone.org

Weitere Berichte zu: Alge Brevenal Ciguatera Fischvergiftung Gegenmittel Gift Medikament Nervenzelle Toxin

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Neue internationale Studie: Immuntherapie für Kinder mit akuter Leukämie
13.07.2018 | Universitätsklinikum Schleswig-Holstein

nachricht Sicherer Auto fahren ohne Grauen Star: Geringeres Unfallrisiko nach Linsenoperation
12.07.2018 | Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Im Focus: First evidence on the source of extragalactic particles

For the first time ever, scientists have determined the cosmic origin of highest-energy neutrinos. A research group led by IceCube scientist Elisa Resconi, spokesperson of the Collaborative Research Center SFB1258 at the Technical University of Munich (TUM), provides an important piece of evidence that the particles detected by the IceCube neutrino telescope at the South Pole originate from a galaxy four billion light-years away from Earth.

To rule out other origins with certainty, the team led by neutrino physicist Elisa Resconi from the Technical University of Munich and multi-wavelength...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Schonend, schnell und präzise: Innovative Herz-Bildgebung in Freiburg

18.07.2018 | Medizintechnik

Chemische Waffe durch laterale Gen-Übertragung schützt Wollkäfer gegen schädliche Pilze

18.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Neues aus der Schaltzentrale

18.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics