Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

FAU-Forscher identifizieren Risikofaktor für Computerspielabhängigkeit

26.11.2013
Rund zehn Prozent der deutschen Teenager spielen mehr als 4,5 Stunden am Tag am Computer, fast zwei Prozent davon erfüllen die Kriterien der Abhängigkeit.

Forscher der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen in Hannover haben nun einen neuen Risikofaktor für Computerspielabhängigkeit entdeckt:

Sie konnten zeigen, dass ein hoher Testosteronspiegel vor der Geburt das Risiko für eine spätere Abhängigkeit steigert. Die Wissenschaftler arbeiten nun an Methoden zur Vorbeugung und Vorhersage der Störung.

In den USA können Ärzte seit Mai 2013 die Diagnose der Internetspielerkrankung stellen. Weil bisher nur vergleichsweise wenige Studien vorhanden sind, ist die Erkrankung noch nicht in dem europaweit verwendeten Diagnosesystem der Weltgesundheitsorganisation aufgeführt. Dennoch ist das Phänomen auch in Europa ernst zu nehmen.

Die beiden Forschergruppen um Prof. Dr. Johannes Kornhuber (Psychiatrische und Psychotherapeutische Klinik am Universitätsklinikum Erlangen) und PD Dr. Thomas Mößle (Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen in Hannover) haben deshalb einen möglichen Risikofaktor für eine Computerspielabhängigkeit untersucht – und sich dabei auf Erkenntnisse aus früheren Studien zu alkoholabhängigen Patienten gestützt.

Bei diesen konnte seinerzeit im Vergleich zu gesunden Studienteilnehmern ein kleineres Verhältnis von Zeigefingerlänge zu Ringfingerlänge – in der medizinischen Fachsprache 2D:4D – nachgewiesen werden, was ein bekanntes Indiz für erhöhte Testosteronspiegel während der Schwangerschaft ist. Männer sind aufgrund der eigenen Testosteronproduktion vor der Geburt per se höheren Testosteronspiegeln ausgesetzt und haben damit kleinere 2D:4D-Verhältnisse.

Im Rahmen des FLIP-Projekts (Finger Length in Psychiatry) haben die Wissenschaftler in einer aktuellen Studie mit Hilfe des 2D:4D-Verhältnisses nun auch die Bedeutung vorgeburtlichen Testosteroneinflusses für die Entstehung von Computerspielabhängigkeit untersucht. Dafür haben sie die 2D:4D-Verhältnisse von 27 männlichen riskant oder abhängig Computerspielenden mit 27 unproblematisch spielenden Männern verglichen. Das Ergebnis bestätigt die Hypothese der Forscher: Auch bei den Computerspielerkrankten zeigten sich kleinere 2D:4D-Verhältnisse als in der Kontrollgruppe der gesunden Probanden. Dies lässt den Schluss zu, dass ein hoher Testosteronspiegel vor der Geburt auch das Risiko für eine spätere Computerspielabhängigkeit steigert.

Männer weisen aufgrund der höheren vorgeburtlichen Testosteronbelastung entsprechend kleinere 2D:4D-Verhältnisse auf. Daneben steht das 2D:4D-Verhältnis aber auch mit Erkrankungen wie Alkoholabhängigkeit, Autismus oder Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS) sowie mit geschlechtsspezifischen Verhaltensweisen in Verbindung, die eher typisch „männliche“ Phänomene sind. Männer sind dementsprechend häufiger von Computerspielabhängigkeit betroffen als Frauen.

„Natürlich entscheiden viele weitere biologische, soziale und psychologische Faktoren darüber mit, ob jemand tatsächlich eine Abhängigkeit entwickelt oder nicht“, schränkt Prof. Dr. Johannes Kornhuber, der die Forschergruppe an der FAU leitet, ein. „Daher werden weitere Studien erst noch belegen müssen, inwieweit sich das 2D:4D-Verhältnis für eine Risikoabschätzung eignet.“

Die Ergebnisse der Wissenschaftler wurden jetzt in der renommierten Fachzeitschrift PLoS ONE veröffentlicht:

Kornhuber J, Zenses E-M, Lenz B, Stoessel C, Bouna-Pyrrou P, et al. (2013) Low 2D:4D Values Are Associated with Video Game Addiction. PLoS ONE 8(11): e79539. doi:10.1371/journal.pone.0079539

Weitere Informationen für die Presse:
Prof. Dr. Johannes Kornhuber
Psychiatrische und Psychotherapeutische Klinik, Universitätsklinikum Erlangen, FAU

Johannes.Kornhuber@uk-erlangen.de

PD Dr. Bernd Lenz
Psychiatrische und Psychotherapeutische Klinik, Universitätsklinikum Erlangen, FAU

Bernd.Lenz@uk-erlangen.de

PD Dr. Thomas Mößle
Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen e.V. (KFN), Hannover
Thomas.Moessle@kfn.de

Blandina Mangelkramer | idw
Weitere Informationen:
http://www.uk-erlangen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Grundlagen der Blockchain-Technologie in der Energiewirtschaft
27.07.2018 | Forschungsstelle für Energiewirtschaft e.V.

nachricht Studie zu Werkstoffprüfung: Schäden in nichtmagnetischem Stahl mit Magnetismus aufspüren
23.07.2018 | Technische Universität Kaiserslautern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Der Roboter als „Tankwart“: TU Graz entwickelt robotergesteuertes Schnellladesystem für E-Fahrzeuge

Eine Weltneuheit präsentieren Forschende der TU Graz gemeinsam mit Industriepartnern: Den Prototypen eines robotergesteuerten CCS-Schnellladesystems für Elektrofahrzeuge, das erstmals auch das serielle Laden von Fahrzeugen in unterschiedlichen Parkpositionen ermöglicht.

Für elektrisch angetriebene Fahrzeuge werden weltweit hohe Wachstumsraten prognostiziert: 2025, so die Prognosen, wird es jährlich bereits 25 Millionen...

Im Focus: Robots as 'pump attendants': TU Graz develops robot-controlled rapid charging system for e-vehicles

Researchers from TU Graz and their industry partners have unveiled a world first: the prototype of a robot-controlled, high-speed combined charging system (CCS) for electric vehicles that enables series charging of cars in various parking positions.

Global demand for electric vehicles is forecast to rise sharply: by 2025, the number of new vehicle registrations is expected to reach 25 million per year....

Im Focus: Der „TRiC” bei der Aktinfaltung

Damit Proteine ihre Aufgaben in Zellen wahrnehmen können, müssen sie richtig gefaltet sein. Molekulare Assistenten, sogenannte Chaperone, unterstützen Proteine dabei, sich in ihre funktionsfähige, dreidimensionale Struktur zu falten. Während die meisten Proteine sich bis zu einem bestimmten Grad ohne Hilfe falten können, haben Forscher am Max-Planck-Institut für Biochemie nun gezeigt, dass Aktin komplett von den Chaperonen abhängig ist. Aktin ist das am häufigsten vorkommende Protein in höher entwickelten Zellen. Das Chaperon TRiC wendet einen bislang noch nicht beschriebenen Mechanismus für die Proteinfaltung an. Die Studie wurde im Fachfachjournal Cell publiziert.

Bei Aktin handelt es sich um das am häufigsten vorkommende Protein in höher entwickelten Zellen, das bei Prozessen wie Zellstabilisation, Zellteilung und...

Im Focus: The “TRiC” to folding actin

Proteins must be folded correctly to fulfill their molecular functions in cells. Molecular assistants called chaperones help proteins exploit their inbuilt folding potential and reach the correct three-dimensional structure. Researchers at the Max Planck Institute of Biochemistry (MPIB) have demonstrated that actin, the most abundant protein in higher developed cells, does not have the inbuilt potential to fold and instead requires special assistance to fold into its active state. The chaperone TRiC uses a previously undescribed mechanism to perform actin folding. The study was recently published in the journal Cell.

Actin is the most abundant protein in highly developed cells and has diverse functions in processes like cell stabilization, cell division and muscle...

Im Focus: Arctic Ocean 2018 - Forscher untersuchen Wolken und Meereis in der Arktis

"Arctic Ocean 2018": So heißt die diesjährige Forschungsexpedition des schwedischen Eisbrechers ODEN in der Arktis, an der auch ein Wissenschaftler der Universität Leipzig beteiligt ist. Noch bis zum 25. September wollen die etwa 40 Forscher an Bord vor allem das mikrobiologische Leben im Ozean und im Meereis untersuchen und wie es mit der Wolkenbildung in der Arktis zusammenhängt.

Während der Fahrt durch die Arktis, die Ende Juli gestartet ist, sollen im Rahmen der Kampagne MOCCHA 2018 (Microbiology-Ocean-Cloud-Coupling in the Hight...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

EEA-ESEM Konferenz findet an der Uni Köln statt

13.08.2018 | Veranstaltungen

Digitalisierung in der chemischen Industrie

09.08.2018 | Veranstaltungen

Herausforderung China – Wissenschaftler aus der ganzen Welt diskutieren miteinander auf UW/H-Tagung

03.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Weltkleinster Transistor schaltet Strom mit einzelnem Atom in festem Elektrolyten

13.08.2018 | Energie und Elektrotechnik

Your Smartphone is Watching You: Gefährliche Sicherheitslücken in Tracker-Apps

13.08.2018 | Informationstechnologie

Was wir von Ameisen und Amöben über Koordination und Zusammenarbeit lernen können

13.08.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics