Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fachkräftemangel am Niederrhein: Studie über die Abwanderung hochqualifizierter Fachkräfte

26.04.2012
Der mittlere Niederrhein leidet unter einer Abwanderung hochqualifizierter Fachkräfte. Das ist das Ergebnis einer Studie des NIERS-Instituts der Hochschule Niederrhein.
Demnach verlassen mehr hochqualifizierte Absolventen der Hochschule Niederrhein die Region als junge Menschen ein Studium an der Hochschule aufnehmen. Diesen Verlust an Humankapital bezeichnen die Wissenschaftler als Brain Drain. Unter dieser Entwicklung leiden die Unternehmen der Region, die auf Fachkräfte angewiesen sind.

Für die regionale Wirtschaft sind die Ergebnisse der Befragung von erheblicher Relevanz. Zeigen sie doch, dass die von Textilien- und Maschinenbauindustrie geprägte altindustrielle Region (Krefeld, Mönchengladbach, Kreis Viersen, Rhein-Kreis Neuss), die ohnehin unter den Folgen der Globalisierung leidet, ein weiteres Problem hat: die Unter-Akademisierung. „Vor allem im Bereich der unternehmensnahen Dienstleistungen arbeiten am Niederrhein zu wenige Akademiker“, sagt Prof. Dr. Rüdiger Hamm, Leiter des NIERS-Instituts und Mitautor der Studie.

Dies ist besonders bemerkenswert, weil die Hochschule Niederrhein über ihre Fachbereiche Wirtschaftswissenschaften und Wirtschaftsingenieurwesen Fachkräfte für diese unternehmensnahen Dienstleistungen ausbildet. In den Unternehmensberatungen, Marketingagenturen, Ingenieurbüros oder Logistikunternehmen werden Betriebswirte, Informatiker und Ingenieure gesucht. „Den Arbeitgebern gelingt es anscheinend nicht, die Absolventen in ausreichendem Maß über ihr Angebot zu informieren“, schlussfolgert Hamm. „Hier besteht noch Potenzial, um die Absolventen enger an die Region zu binden.“

Die Wissenschaftler fragten nach den Gründen, warum sich Absolventen entschieden, die Region zu verlassen. 46 Prozent gaben an, keine passende Stelle gefunden zu haben. Von den 782 Absolventen, die migriert sind, gaben 501 an, bei einem attraktiveren Jobangebot in der Region geblieben zu sein. Allerdings kannten 359 der Befragten die für sie relevanten Unternehmen am Niederrhein gar nicht oder eher schlecht. „Hier sind die Unternehmen gefragt“, resümierte Hamm. „Sie müssen unter den Studierenden der Hochschule Niederrhein noch stärker auf ihre Angebote aufmerksam machen.“

Die Wissenschaftler des NIERS-Instituts führten zwei Befragungen durch. Sie befragten einmal Alumni der Hochschule Niederrhein, deren Hochschulabschluss bis zu zehn Jahre zurückliegt. Bei ihnen ist der Brain Drain erheblich: Bei einer Quote von 42 Prozent einheimischen Studienanfängern – also Studienanfängern, die ihre Hochschulzugangsberechtigung am Niederrhein erworben haben – verblieben nach dem Abschluss ihres Studiums nur knapp 19 Prozent in der Region. Der Brain Drain liegt in dieser Gruppe bei 24 Prozent. Bei der Befragung der Absolventen der Jahre 2009 bis 2011 war die Quote zwar günstiger, auch hier machten die Wissenschaftler allerdings einen Brain Drain aus.

Dabei variieren die Ergebnisse stark nach Fachbereichen. Verbleibt bei den Wirtschaftswissenschaftlern nur jeder Vierte nach Studienabschluss in der Region (bei einer Quote von 42 Prozent einheimischer Studienanfänger), weisen andere Fachbereiche sogar eine positive Bilanz beim Humankapital auf: Im Fachbereich Sozialwesen beispielsweise kommt jeder dritte Studienanfänger aus der Region; aber 42 Prozent der Absolventen verbleiben nach ihrem Abschluss am Niederrhein und arbeiten hier. Eine positive Bilanz schaffen auch die Maschinenbauer, die Oecotrophologen und die Gesundheitswissenschaftler. „Hier funktioniert die Kommunikation zwischen Unternehmen und Hochschulabsolventen offenbar gut“, schlussfolgert Hamm.

Unter dem Titel „Niederrhein sucht Fachkräfte!?“ sprechen Arbeitsmarktexperten aus Wirtschaft und Wissenschaft am 8. Mai im Rahmen des 10. Regionalökonomischen Forums unter anderem über die Ergebnisse der Studie. Dabei diskutieren der Vizedirektor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung Dr. Ulrich Walwei, der Arbeitspsychologe Prof. Dr. Alexander Cisik, der Leiter des Referats Arbeitsmarkt- und Arbeitszeitforschung bei der Hans-Böckler-Stiftung Dr. Alexander Herzog-Stein, der Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Krefeld Christopher Meier und der Präsident der Hochschule Niederrhein Prof. Dr. Hans-Hennig von Grünberg über den Brain Drain in der Region und die Folgen für den Fachkräftemangel am Niederrhein.

Termin: 10. Regionalökonomisches Forum „Niederrhein sucht Fachkräfte!?“, Dienstag, 8. Mai, 13:30 bis 18 Uhr; Tagungsort: Webschulstr. 39, 41065 Mönchengladbach, Raum S 301

Anmeldung und weitere Infos bei Christiane Goebel, Tel.: 02161 186 6401, Email: niers@hs-niederrhein.de

Pressekontakt: Dr. Christian Sonntag, Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Tel.: 02151 822-3610; email: christian.sonntag@hs-niederrhein.de

Dr. Christian Sonntag | idw
Weitere Informationen:
http://www.hs-niederrhein.de/forschung/niers/aktuelles/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Mobilfunkstrahlung kann die Gedächtnisleistung bei Jugendlichen beeinträchtigen
19.07.2018 | Swiss Tropical and Public Health Institute

nachricht Neue internationale Studie: Immuntherapie für Kinder mit akuter Leukämie
13.07.2018 | Universitätsklinikum Schleswig-Holstein

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Anwendungen für Mikrolaser in der Quanten-Nanophotonik

20.07.2018 | Physik Astronomie

Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen

20.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Die Gene sind nicht schuld

20.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics