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Expertenentscheidungen: Gekonnt einfach!

31.07.2013
Eine Studie des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung und der Universität Basel hat an zwei Schweizer Flughäfen untersucht, nach welchen Mustern Zollbeamte Passagiere für eine Durchsuchung nach geschmuggelten Drogen aussuchen. Die Erkenntnis: Zollbeamte verlassen sich oft auf einfache Daumenregeln.

Wie treffen Experten Entscheidungen? Und wie unterscheiden sie sich dabei von Laien? Das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung untersuchte in Zusammenarbeit mit der Universität Basel diese Fragestellungen am Beispiel des Entscheidungsverhaltens von Schweizer Zollbeamten an den internationalen Flughäfen Zürich und Basel.

Dazu hatten die Forscher 31 Zollbeamte mit einer durchschnittlichen Berufserfahrung von 16 Jahren befragt und die Ergebnisse mit den Entscheidungen einer vierzigköpfigen Laiengruppe verglichen. Die Befragten sollten aus jeweils zwei Beispiel-Steckbriefen von Passagieren denjenigen auswählen, den sie eher des Schmuggels illegaler Substanzen verdächtigen würden. Weiter sollten die Probanden angeben, welche der acht Kriterien – Herkunftsflughafen, Geschlecht, Nationalität, Alter, Anzahl des Gepäcks, Augenkontakt mit Zollbeamten, Kleidung sowie Schrittgeschwindigkeit – für ihre Entscheidung am ausschlaggebendsten war und diese in eine Rangfolge bringen.

Zwei Drittel der befragten Zollbeamten trafen ihre Entscheidungen auf Basis einer sehr einfachen Daumenregel: „Die Beamten haben eine Art Checkliste im Kopf. Sobald eines dieser Kriterien erfüllt wird, fällt die Entscheidung und der Passagier wird zur Gepäckkontrolle gebeten“, sagt Studienleiter Thorsten Pachur vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. So war für die Zollbeamten zunächst die Information entscheidend, aus welchem Land der Fluggast anreist. Erst im nächsten Schritt wurden weitere Informationen, wie beispielsweise die Anzahl der mitgeführten Gepäckstücke berücksichtigt. Laien hingegen machten sich die Entscheidung nicht ganz so einfach. Sie wendeten eine komplexere Strategie an und integrierten mehrere Kriterien. Abweichend von den Zollbeamten maßen sie Kriterien, wie dem Blickkontakt und der Schrittgeschwindigkeit der Passagiere, eine höhere Bedeutung zu.

„Die Zollbeamten waren sich in ihren Antworten wesentlich einiger als die Laien. Ihre Strategie ist also wahrscheinlich nicht nur effizienter, sondern auch erfolgsversprechender“, so Thorsten Pachur. Der hohe Zeit- und Erfolgsdruck machten es für die Zollbeamten notwendig, sich schnell zu entscheiden. „Interessanterweise hat sich in weiterführenden Gesprächen gezeigt, dass die Zollbeamten keine offiziellen Vorgaben dazu haben, nach welchen Gesichtspunkten die Passagiere ausgewählt werden müssen“, sagt der Wissenschaftler. Diese Strategien scheinen somit auf Erfahrungen zu beruhen, welche in Gesprächen unter den Zollbeamten weitergegeben werden.

Nach Ansicht des Wissenschaftlers machen die Studienergebnisse die Bedeutung von einfachen Entscheidungsstrategien für Experten deutlich. Frühere Untersuchungen in anderen sicherheitsrelevanten Berufsgruppen, wie beispielsweise zur polizeilichen Beurteilung von Einbruchswahrscheinlichkeiten, stützen dies. Entscheidungskompetenz scheint also häufig auch zu bedeuten, Informationen zu ignorieren, um Entscheidungen effizient zu treffen.

Nicole Siller | Max-Planck-Institut
Weitere Informationen:
http://www.mpib-berlin.mpg.de/de/presse/2013/07/expertenentscheidungen-gekonnt-einfach

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