Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Enge Grenzen für staatliche Förderungen von Corporate Social Responsibility

08.04.2010
Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) übernehmen bereits jetzt zu 94,3 % freiwillig Verantwortung für soziale und ökologische Belange. Angesichts der hohen Verbreitung von Corporate Social Responsibility-Aktivitäten sind staatlichen Fördermaßnahmen enge Grenzen gesetzt, wie eine Untersuchung des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn zeigt.

Die öffentliche Förderung des CSR-Engagements der Wirtschaft wird aktuell intensiv, aber durchaus auch kontrovers diskutiert. Empirisch lässt sich zeigen, dass das Gros der Unternehmen hierzulande ohnehin bereits CSR in der einen oder anderen Weise praktiziert.

Auch der Mittelstand beteiligt sich an diesem Geschehen: Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) nutzen zu 94,3 % CSR-Strategien. Staatliche Maßnahmen können daher hauptsächlich auf die Intensivierung bereits durchgeführter CSR-Aktivitäten bzw. auf eine Erweiterung dieser Firmenpolitik zielen. Dem Anliegen, weitere Unternehmen für die Nutzung von CSR-Strategien zu gewinnen, sind aufgrund der bereits sehr hohen Akzeptanz enge Grenzen gesetzt.

Die Förderwürdigkeit von CSR ist nicht unumstritten

Die Begründung von CSR-Fördermaßnahmen mit dem Hinweis auf deren vermeintliche Vorteilhaftigkeit für die Unternehmen ist problematisch. Zum einen muss davon ausgegangen werden, dass Unternehmen alle Maßnahmen, die zu ihrem Erfolg beitragen, auch ohne Förderung ergreifen werden. Zum anderen fehlt der wissenschaftliche Nachweis, dass die Anwendung von CSR tatsächlich in substanzieller Weise Einfluss auf den wirtschaftlichen Erfolg der Unternehmen hat. Die Gefahr einer ineffizienten Verwendung öffentlicher Mittel ist daher nicht von der Hand zu weisen.

Staatliche Maßnahmen sorgfältig abwägen

Die Freiräume für CSR-Aktivitäten zu erhalten und nicht durch weitere Regulierung zu begrenzen, kann als Aufgabe der Politik angesehen werden. Ferner kann es der Politik darum gehen, Unternehmen bei der Sichtbarmachung ihres CSR-Engagements zu unterstützen, indem etwa (weitere) Qualitätssiegel entwickelt werden, wobei die Kosten hierfür möglichst von den Unternehmen getragen werden sollten, die sich einer Qualitätsprüfung unterziehen. Aus ordnungspolitischer Sicht ist in diesem Zusammenhang die Alternative der Einführung einer CSR-Berichtspflicht bedenklich, u.a. wegen der zu erwartenden hohen Kosten, die insbesondere die KMU hart treffen würden. Als hilfreich ist hingegen die Förderung der Bildung von unternehmens- und sektorübergreifenden CSR-Kooperationen einzuschätzen, sofern nachgewiesen ist, dass der dadurch generierte Nutzen für die Gesellschaft die Kosten übersteigt.

Dem Staat bietet sich außerdem die Möglichkeit einer direkten Einwirkung auf Unternehmen durch das Setzen von Anreizen (z.B. durch Gewährung von Steuervorteilen). Allerdings ist aufgrund des fehlenden Nachweises der grundsätzlichen Vorteilhaftigkeit von CSR-Maßnahmen über das bereits existierende Maß hinaus die Gefahr groß, dass es zu kostspieligen Fehlanreizen kommt. Der öffentliche Sektor kann zudem dafür sorgen, dass Unternehmen Informationen zur Handhabung von CSR und zu den Praxiserfahrungen im Umgang mit diesem Managementinstrument erhalten. Die Möglichkeit, das staatliche Beschaffungswesen nach CSR-Gesichtspunkten auszurichten, ist unterdessen skeptisch zu beurteilen, u. a. weil die Einführung vergabefremder Kriterien eine gewisse Willkür bei der Vergabeentscheidung mit sich bringen würde.

Anwendung von CSR ist unabhängig von der Region

Da CSR in den Teilräumen Deutschlands in ähnlicher Weise angewendet wird, sind Standortbesonderheiten bei der Ausgestaltung wirtschaftspolitischer Maßnahmen nicht per se zu berücksichtigen. Eine CSR-Unterstützung kann daher bundesweit angelegt sein. Für einen regionalpolitischen Ansatz spricht jedoch die Förderung von CSR-Kooperationen, die sich vorzugsweise im lokalen Umfeld der Unternehmen formieren.

Hintergründe zum IfM Bonn

Das IfM Bonn wurde im Jahr 1957 gegründet. Träger des Instituts sind das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie und das Ministerium für Wirtschaft, Mittelstand und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen. Das IfM Bonn erforscht die Lage, Entwicklung und Probleme des Mittelstands rund um die Themenfelder Mittelstand und Gesellschaft/Staat, Lebenszyklus von Unternehmen, Unternehmensführung und stellt umfangreiche Daten zur Mittelstands- und Gründungsstatistik bereit.

Ansprechpartner
Dr. Frank Maaß
Tel.: 0228 - 72 99 7 - 27
E-Mail: maass@ifm-bonn.org

Oliver Arentz | idw
Weitere Informationen:
http://www.ifm-bonn.org/index.php?id=843

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Wie sich das Gehirn merkt, wo man hinmöchte
04.07.2019 | Ruhr-Universität Bochum

nachricht Studie am Dresdner Uniklinikum: Schädel-Hirn-Trauma – bleibt´s beim kurzen Schrecken?
18.06.2019 | Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: "Qutrit": Komplexe Quantenteleportation erstmals gelungen

Wissenschaftlern der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und der Universität Wien ist es gemeinsam mit chinesischen Forschern erstmals gelungen, dreidimensionale Quantenzustände zu übertragen. Höherdimensionale Teleportation könnte eine wichtige Rolle in künftigen Quantencomputern spielen.

Was bislang nur eine theoretische Möglichkeit war, haben Forscher der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und der Universität Wien nun erstmals...

Im Focus: Laser für durchdringende Wellen: Forscherteam entwickelt neues Prinzip zur Erzeugung von Terahertz-Strahlung

Der „Landau-Niveau-Laser“ ist ein spannendes Konzept für eine ungewöhnliche Strahlungsquelle. Er hat das Zeug, höchst effizient sogenannte Terahertz-Wellen zu erzeugen, die sich zum Durchleuchten von Materialen und für die künftige Datenübertragung nutzen ließen. Bislang jedoch scheiterten nahezu alle Versuche, einen solchen Laser in die Tat umzusetzen. Auf dem Weg dorthin ist einem internationalen Forscherteam nun ein wichtiger Schritt gelungen: Im Fachmagazin Nature Photonics stellen sie ein Material vor, das Terahertz-Wellen durch das simple Anlegen eines elektrischen Stroms erzeugt. Physiker des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf (HZDR) waren maßgeblich an den Arbeiten beteiligt.

Ebenso wie Licht zählen Terahertz-Wellen zur elektromagnetischen Strahlung. Ihre Frequenzen liegen zwischen denen von Mikrowellen und Infrarotstrahlung. Sowohl...

Im Focus: A miniature stretchable pump for the next generation of soft robots

Soft robots have a distinct advantage over their rigid forebears: they can adapt to complex environments, handle fragile objects and interact safely with humans. Made from silicone, rubber or other stretchable polymers, they are ideal for use in rehabilitation exoskeletons and robotic clothing. Soft bio-inspired robots could one day be deployed to explore remote or dangerous environments.

Most soft robots are actuated by rigid, noisy pumps that push fluids into the machines' moving parts. Because they are connected to these bulky pumps by tubes,...

Im Focus: Crispr-Methode revolutioniert

Forschende der ETH Zürich entwickelten die bekannte Crispr/Cas-Methode weiter. Es ist nun erstmals möglich, Dutzende, wenn nicht Hunderte von Genen in einer Zelle gleichzeitig zu verändern.

Crispr/Cas ist in aller Munde. Mit dieser biotechnologischen Methode lassen sich in Zellen verhältnismässig einfach und schnell einzelne Gene präzise...

Im Focus: Wie schwingen Atome in Graphen-Nanostrukturen?

Innovative neue Technik verschiebt die Grenzen der Nanospektrometrie für Materialdesign

Um das Verhalten von modernen Materialien wie Graphen zu verstehen und für Bauelemente der Nano-, Opto- und Quantentechnologie zu optimieren, ist es...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Gedanken rasen zum Erfolg: CYBATHLON BCI Series 2019

16.08.2019 | Veranstaltungen

Impfen – Kleiner Piks mit großer Wirkung

15.08.2019 | Veranstaltungen

Internationale Tagung zur Katalyseforschung in Aachen

14.08.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Wie synthetische Zellen schädliche Bakterien bekämpfen

19.08.2019 | Biowissenschaften Chemie

Neuartiger Ventiltrieb spart 20% Treibstoff

19.08.2019 | Energie und Elektrotechnik

Deutschlandweit einziges Chinatron an der Uni Ulm: Wegbereiter des bionischen Baumstamms

19.08.2019 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics