Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Das Ende der Nano-Euphorie

21.11.2012
Die anfängliche Euphorie über die Hoffnungen und Versprechungen der Nanotechnologie ist vorbei – zumindest in den deutschen Printmedien.
Mittlerweile berichten die Journalisten nur noch verhalten optimistisch über die Forschung im Nanometerbereich. Das ist das Ergebnis einer gemeinsamen Langzeitstudie der Universität Mannheim und der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.

Nanotechnologie gilt als eine der wichtigsten Zukunftstechnologien, zu deren Forschung und Entwicklung der Bund jährlich wachsende Fördersummen in dreistelliger Millionenhöhe bereitstellt. Dennoch sind der individuelle Nutzen und das Risiko für den Bürger vor allem aufgrund der naturwissenschaftlichen Komplexität schwer greifbar. Die Meinungsbildung zur Nanoforschung wird deshalb primär durch die Massenmedien vermittelt.
Eine aktuelle Längsschnittuntersuchung der Universitäten Mannheim und Münster gibt Aufschluss über die Presseberichterstattung in ausgewählten deutschen Qualitäts- und Leitmedien, darunter die F.A.Z., Der Spiegel und Die Zeit. Die Wissenschaftler haben insgesamt über 2.000 Artikel mit nanotechnologischem Kontext aus den vergangenen zwölf Jahren ausgewertet. Unter anderem haben sie untersucht, welche Akteure, zum Beispiel Politiker und Forscher, darin zu Wort kommen und wie diese sich zur Nanotechnologie äußern.

Positive Berichterstattung weicht einer neutralen
Ein zentraler Befund der neuen Studie ist, dass die anfängliche Euphorie über die moderne Technologie einer neutraleren, weitgehend unpolitischen Berichterstattung gewichen ist. Die Artikel weisen in der Regel verhalten optimistische Prognosen auf – etwa in Bezug auf die Nanotechnik als Nutzen für den Umwelt- und Naturschutz. Im Schnitt gab es in einer Zeitung pro Jahr nur eine negative Bewertung. „Es gibt keinen Fall, in dem die Nanotechnologie größeren Schaden angerichtet hätte oder gar moralisch aufgeladen wäre, wie das zum Beispiel bei Atomkraft und Gentechnik der Fall ist“, erklärt der Mannheimer Medien- und Kommunikationswissenschaftler Professor Dr. Matthias Kohring das Ergebnis. „Zudem machen die Verfechter der Nanotechnologie weiterhin stark PR.“
Medieninteresse an Nanotechnologie geht zurück

Generell scheint das Interesse der deutschen Medien an Nanotechnologie nachgelassen zu haben. Laut der Studie waren die Höhepunkte in den Jahren 2004 und 2009. Heute sind es nur noch jährlich 15 Artikel pro Presseorgan, in denen über Nanotechnologie berichtet wird. In drei Viertel der Fälle handelt es sich zudem um sehr kurze Artikel. Selten überschreiten die Artikel zur Nanoforschung mehr als eine halbe Seite. „Für den Leser wird es dadurch schwer, überhaupt noch auf das Thema aufmerksam zu werden“, erklärt Professor Kohring. „Im Gegensatz zu Technologien wie den erneuerbaren Energien ist die Nanotechnik eher unauffällig.“ Das Themenspektrum innerhalb der Berichterstattung habe sich hingegen vergrößert und beziehe in den letzten beiden Jahren verstärkt auch nanotechnologische Anwendungen in die mediale Darstellung ein – zum Beispiel Oberflächenbeschichtung, Rüstungsmaterialien, Luft- und Raumfahrt, Energiewirtschaft, Bauwesen und chemische Industrie.
Der aktuelle Bericht informiert über eine Längsschnittanalyse, die seit 2000 von Kommunikationswissenschaftlern der Universitäten Mannheim und Münster durchgeführt und fortlaufend aktualisiert wird. In der Nanoforschung werden Teilchen untersucht und hergestellt, die über 1.000 Mal dünner sind als der Durchmesser eines Menschenhaares (ein Nanometer entspricht einem milliardstel Meter). In vielen Naturwissenschaften wie Physik und Chemie, aber auch im Maschinenbau und in der Lebensmitteltechnologie wird die Nanotechnologie eingesetzt.

Die Langzeitstudie ist als PDF abrufbar unter
http://www.uni-muenster.de/imperia/md/content/kowi/forschen/
projektbericht_berichterstattung_nanotechnologie_2000_bis_2011.pdf

Kontakt:
Prof. Dr. Matthias Kohring
Seminar für Medien- und Kommunikationswissenschaft
Haus Oberrhein
Rheinvorlandstraße 5
68159 Mannheim
Telefon: 0621 / 181- 1293
E-Mail: M.Kohring@uni-mannheim.de

Katja Bär | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-mannheim.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie am Dresdner Uniklinikum: Schädel-Hirn-Trauma – bleibt´s beim kurzen Schrecken?
18.06.2019 | Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden

nachricht Drei Viertel der Flüsse weltweit durch menschliche Eingriffe in ihrem Lauf beeinträchtigt
09.05.2019 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Robotic Printed Morphologies: 3D-Betondrucker verwandelt Forschungsstahlgerüst in eine temporäre Skulptur

Im Bauhaus-Jubiläumsjahr können Besucherinnen und Besucher der Jahresschau summaery2019 eine einzigartige robotische Installation live erleben: In einem neuartigen 3D-Druckprozesses verarbeitet ein Seilroboter zementöses Material zu Modulen, die die Architektur des Forschungsbaus x.Stahl, eine offene Stahlstruktur, sukzessive mit einer temporären Verkleidung überziehen.

Das Prinzip des Seilroboters ist den meisten Menschen wohl im Rahmen von Fußballübertragungen begegnet: an vier Kunstfaserseilen gelagert, kann sich der...

Im Focus: Einzelne Atome im Visier

Mit der NMR-Spektroskopie ist es in den letzten Jahrzehnten möglich geworden, die räumliche Struktur von chemischen und biochemischen Moleküle zu erfassen. ETH-Forschende haben nun einen Weg gefunden, wie man dieses Messprinzip auf einzelne Atome anwenden kann.

Die Kernspinresonanz-Spektroskopie – kurz NMR-Spektroskopie – ist eine der wichtigsten physikalisch-chemischen Untersuchungsmethoden. Damit lässt sich...

Im Focus: Partielle Mondfinsternis am 16./17. Juli 2019

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde (VdS) und des Hauses der Astronomie in Heidelberg - Wie im letzten Jahr findet auch 2019 eine in den späten Abendstunden in einer lauen Sommernacht gut zu beobachtende Mondfinsternis statt, und zwar in der Nacht vom 16. auf den 17. Juli. Die Finsternis ist zwar nur partiell - der Mond tritt also nicht vollständig in den Erdschatten ein - es ist aber für die nächsten Jahre die einzige gut sichtbare Mondfinsternis im deutschen Sprachraum.

Am Dienstagabend, den 16. Juli, wird ein kosmisches Schauspiel zu sehen sein: Der Vollmond taucht zu einem großen Teil in den Schatten der Erde ein, es findet...

Im Focus: Fraunhofer IDMT zeigt akustische Qualitätskontrolle auf der Fachmesse für Messtechnik »Sensor + Test 2019«

Das Ilmenauer Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie IDMT präsentiert vom 25. bis 27. Juni 2019 am Gemeinschaftsstand der Fraunhofer-Gesellschaft (Stand 5-248) seine neue Lösung zur berührungslosen, akustischen Qualitätskontrolle von Werkstücken und Bauteilen. Da die Prüfung zerstörungsfrei funktioniert, kann teurer Prüfschrott vermieden werden. Das Prüfverfahren wird derzeit gemeinsam mit verschiedenen Industriepartnern im praktischen Einsatz erfolgreich getestet und hat das Technology Readiness Level (TRL) 6 erreicht.

Maschinenausfälle, Fertigungsfehler und teuren Prüfschrott reduzieren

Im Focus: Fraunhofer IDMT demonstrates its method for acoustic quality inspection at »Sensor+Test 2019« in Nürnberg

From June 25th to 27th 2019, the Fraunhofer Institute for Digital Media Technology IDMT in Ilmenau (Germany) will be presenting a new solution for acoustic quality inspection allowing contact-free, non-destructive testing of manufactured parts and components. The method which has reached Technology Readiness Level 6 already, is currently being successfully tested in practical use together with a number of industrial partners.

Reducing machine downtime, manufacturing defects, and excessive scrap

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Robotic Printed Morphologies: 3D-Betondrucker verwandelt Forschungsstahlgerüst in eine temporäre Skulptur

26.06.2019 | Veranstaltungen

Innovationstag NEULAND: Erfindungen zum Anfassen

26.06.2019 | Veranstaltungen

17. Internationale Conference on Carbon Dioxide Utilization in Aachen

25.06.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Die zwei Gesichter des Jekyll Gens – Doppelter allelischer Zustand eines Fortpflanzungsgens entdeckt

26.06.2019 | Biowissenschaften Chemie

Mit der „Virtual Reality“-Brille durch den Knochen spazieren

26.06.2019 | Bildung Wissenschaft

Widersprüchlicher Effekt von Erdbeben auf Tiefseehänge

26.06.2019 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics