Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

EIX sagt wirtschaftliche Entwicklung voraus

29.08.2012
Ein virtueller Prognosemarkt kann Konjunkturdaten ebenso zuverlässig voraussagen wie eine Wirtschafts-Nachrichtenagentur. Die Nutzer der Prognosebörse arbeiten in der Regel sogar schneller.
Dabei steigern Leerverkäufe die Genauigkeit der Prognosen. Dies zeigt eine Studie des Wirtschaftsingenieurs Florian Teschner vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Der Forscher hat Gestaltung und Leistung von Prognosemärkten anhand der vom KIT mit betriebenen Handelsblatt-Prognosebörse EIX untersucht.

Prognosebörsen sind virtuelle Marktplattformen, die den Ausgang von Geschehnissen vorhersagen: Die Teilnehmer handeln mit virtuellen Aktien über zukünftige Ereignisse, beispielsweise Wahlausgänge oder Sportergebnisse. Dabei spiegeln die Preise der Aktien die Wahrscheinlichkeit des Eintretens der Ereignisse wider. Das Konzept beruht auf der Idee, dass der Durchschnitt vieler Einschätzungen häufig treffsicherer ist als Einzelprognosen. Das Institut für Informationswirtschaft und -management (IISM) des KIT unter Leitung von Professor Christof Weinhardt betreibt gemeinsam mit dem Institut der deutschen Wirtschaft Köln und der Wirtschaftszeitung Handelsblatt die Konjunktur-Prognosebörse Economic Indicator eXchange (EIX). Auf dieser handeln die Teilnehmer seit knapp drei Jahren mit ihren Einschätzungen von sechs Konjunkturindikatoren: Bruttoinlandsprodukt, Exporte, Inflation, Zahl der Arbeitslosen, Bruttoanlageinvestitionen und Ifo-Index. Sie verwenden dabei virtuelles Geld; für die besten Voraussagen gibt es Sachpreise.

In seiner Dissertation „Forecasting Economic Indices – Performance, Design and Learning in Prediction Markets” hat der Wirtschaftsingenieur Florian Teschner vom IISM die Qualität der Prognosen auf EIX erforscht und die Frage untersucht, wie Prognosebörsen zu gestalten sind, um Informationen schneller und effizienter zusammenzustellen. Die Ergebnisse zeigen, dass die EIX mit mehr als 1000 Teilnehmern und über 60.000 Einzelprognosen sehr genaue Vorhersagen treffen kann. Als Maßstab dienten die Konsensusschätzungen der Nachrichtenagentur Bloomberg, die auf der Befragung von Bankvolkswirten basieren. Der Vergleich ergab, dass die Qualität der EIX-Vorhersagen derjenigen der Bloomberg-Prognosen ebenbürtig ist.

Dabei ist EIX in der Regel sogar schneller: „Die Prognosebörse liefert zehn Tage früher eine gleichwertige Vorhersage“, erklärt Florian Teschner. Während Bloomberg eine punktuelle Prognose liefert, basierend auf Befragungen eine Woche vor der Veröffentlichung, leistet EIX eine kontinuierliche Prognose. „Dies motiviert die Teilnehmer, ihre Einschätzungen frühzeitig preiszugeben“, erläutert Teschner. Die Händler auf EIX nutzen neue Informationen sofort, um ihre Voraussagen zu verbessern.

Die von Professor Christof Weinhardt betreute Dissertation befasst sich auch mit den Auswirkungen von Leerverkäufen, mit denen Händler auf fallende Kurse spekulieren können, auf die Genauigkeit des Prognosemarkts. Dabei zeigte sich, dass sich die Einführung von Leerverkäufen positiv auswirkt: Zum Teil verringerte sich der Prognosefehler, das heißt die Differenz zwischen prognostiziertem und realem Wert, um 60 Prozent. „Leerverkäufe erweitern den Handelsspielraum der Teilnehmer. Dies ermöglicht es ihnen, falsche Preise besser auszunutzen – der Vorhersagefehler wird reduziert“, berichtet Teschner. Der KIT-Wissenschaftler untersuchte auch, wie sich andere Marktparameter mit der Einführung von Leerverkäufen ändern, und wies nach, dass die Liquidität zunimmt.

Die Studie widmete sich überdies der Frage, wie Anreiz und Feedback das Lernen und die Teilnahme der Prognosebörsen-Nutzer beeinflussen. Dabei erwies sich eine langfristige, fortlaufende Interaktion mit den Teilnehmern als wesentlich für den Erfolg der Prognosebörse. Wirkungsvollste Motivationsmaßnahme war ein wöchentlicher Konjunktur-Newsletter. Experimente zur Gestaltung der Marktbenutzeroberfläche ergaben, dass die Gebote der Teilnehmerinnen und Teilnehmer weniger profitabel sind, wenn der Handelsbildschirm eine hohe Anzahl von Informationselementen aufweist.

Nähere Informationen zur Prognosebörse: www.eix-market.de

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts nach den Gesetzen des Landes Baden-Württemberg. Es nimmt sowohl die Mission einer Universität als auch die Mission eines nationalen Forschungszentrums in der Helmholtz-Gemeinschaft wahr. Das KIT verfolgt seine Aufgaben im Wissensdreieck Forschung – Lehre – Innovation.

Weiterer Kontakt:

Margarete Lehné
Pressereferentin
Tel.: +49 721 608-48121
Fax: +49 721 608-43658
E-Mail: margarete.lehne@kit.edu

Monika Landgraf | idw
Weitere Informationen:
http://www.kit.edu
http://www.eix-market.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Drei Viertel der Flüsse weltweit durch menschliche Eingriffe in ihrem Lauf beeinträchtigt
09.05.2019 | Eberhard Karls Universität Tübingen

nachricht Selbstorganisierter Bewegungskreislauf ermöglicht Zellen, komplexe Suchmuster zu formen
07.05.2019 | Westfälische Wilhelms-Universität Münster

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quanten-Cloud-Computing mit Selbstcheck

Mit einem Quanten-Coprozessor in der Cloud stoßen Innsbrucker Physiker die Tür zur Simulation von bisher kaum lösbaren Fragestellungen in der Chemie, Materialforschung oder Hochenergiephysik weit auf. Die Forschungsgruppen um Rainer Blatt und Peter Zoller berichten in der Fachzeitschrift Nature, wie sie Phänomene der Teilchenphysik auf 20 Quantenbits simuliert haben und wie der Quantensimulator das Ergebnis erstmals selbständig überprüft hat.

Aktuell beschäftigen sich viele Wissenschaftler mit der Frage, wie die „Quantenüberlegenheit“ auf heute schon verfügbarer Hardware genutzt werden kann.

Im Focus: Self-repairing batteries

UTokyo engineers develop a way to create high-capacity long-life batteries

Engineers at the University of Tokyo continually pioneer new ways to improve battery technology. Professor Atsuo Yamada and his team recently developed a...

Im Focus: Quantum Cloud Computing with Self-Check

With a quantum coprocessor in the cloud, physicists from Innsbruck, Austria, open the door to the simulation of previously unsolvable problems in chemistry, materials research or high-energy physics. The research groups led by Rainer Blatt and Peter Zoller report in the journal Nature how they simulated particle physics phenomena on 20 quantum bits and how the quantum simulator self-verified the result for the first time.

Many scientists are currently working on investigating how quantum advantage can be exploited on hardware already available today. Three years ago, physicists...

Im Focus: Accelerating quantum technologies with materials processing at the atomic scale

'Quantum technologies' utilise the unique phenomena of quantum superposition and entanglement to encode and process information, with potentially profound benefits to a wide range of information technologies from communications to sensing and computing.

However a major challenge in developing these technologies is that the quantum phenomena are very fragile, and only a handful of physical systems have been...

Im Focus: A step towards probabilistic computing

Working group led by physicist Professor Ulrich Nowak at the University of Konstanz, in collaboration with a team of physicists from Johannes Gutenberg University Mainz, demonstrates how skyrmions can be used for the computer concepts of the future

When it comes to performing a calculation destined to arrive at an exact result, humans are hopelessly inferior to the computer. In other areas, humans are...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

MS Wissenschaft startet Deutschlandtour mit Fraunhofer-KI an Bord

17.05.2019 | Veranstaltungen

Wie sicher ist autonomes Fahren?

16.05.2019 | Veranstaltungen

Chemie – das gemeinsame Element

16.05.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Integrierte Zuckermoleküle schonen Zellkulturen

17.05.2019 | Biowissenschaften Chemie

Erstmals Einsatz von gefäßschützendem Antikörper bei kardiogenem Schock

17.05.2019 | Biowissenschaften Chemie

Additive Maschinen lernen Superlegierungen kennen

17.05.2019 | Maschinenbau

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics