Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Deutschlands und Chinas Wirtschaft sind stark voneinander abhängig

19.03.2013
Eine Studie des Forschungsinstituts Prognos im Auftrag der Bertelsmann Stiftung zeigt: Die Zukunft des deutsch-chinesischen Handels liegt in technologisch immer anspruchsvolleren Produkten

Das schnelle Wachstum des Handels zwischen Deutschland und China in den vergangenen 20 Jahren hat zu einer hohen gegenseitigen Abhängigkeit der deutschen und der chinesischen Wirtschaft geführt. Deutschland ist vor allem bei Computern, Laptops und Textilien abhängig von chinesischen Einfuhren.

Umgekehrt ist die chinesische Industrie besonders stark auf den Import deutscher Maschinen angewiesen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse der deutsch-chinesischen Handelsbeziehungen durch die Prognos AG im Auftrag der Bertelsmann Stiftung.

"Der deutsche Maschinenbau spielt für Chinas Industrie eine Schlüsselrolle", sagte Helmut Hauschild, Direktor des Programms Deutschland und Asien der Bertelsmann Stiftung. China wiederum sei für Deutschland der wichtigste Lieferant von Konsumgütern. "Diese hohe gegenseitige Abhängigkeit ist ein Appell an die Bundesregierung und die neue Regierung in Peking, stärker als bisher auf offene Märkte und gleiche Wettbewerbsbedingungen für deutsche und chinesische Unternehmen in beiden Ländern hinzuarbeiten", betonte Hauschild.

Die Studie von Prognos und Bertelsmann Stiftung zeigt, dass China strategisch stark von deutschen Exportgütern abhängt. Sollte Deutschland zum Beispiel als Lieferant für Maschinen ausfallen, stünde die chinesische Wirtschaft vor großen Schwierigkeiten. Denn viele der deutschen Maschinen werden in Branchen eingesetzt, in denen China einen hohen Anteil seiner Produktion exportiert. Käme es zu Lieferengpässen im deutschen Maschinenbau, dann wäre vor allem Chinas Exportsektor betroffen und damit eine tragende Säule des chinesischen Wirtschaftswachstums. Verstärkt wird laut der Studie die Abhängigkeit Chinas dadurch, dass hochspezialisierte und technologieintensive Güter wie Maschinen sich nur begrenzt durch Importe aus anderen Ländern ersetzen lassen.

Für Deutschland wiederum ist China wichtig als Lieferant von Textilien und Bekleidung. Betrug der chinesische Anteil der deutschen Textilimporte aus China 1992 nur knapp sieben Prozent, so liegt er inzwischen bei über 31 Prozent. Noch stärker stieg Deutschlands Abhängigkeit von chinesischen Büromaschinen, Computern und Laptops. Hier wuchs der Anteil chinesischer Lieferungen seit 1992 von unter einem Prozent auf nahezu 44 Prozent.

Da es sich bei einem Großteil der Importe aus China allerdings um Konsumgüter handelt und China kein Monopol in der Herstellung aufweist, ist die strategische Abhängigkeit Deutschlands von China geringer als die Abhängigkeit Chinas von Deutschland, analysiert die Studie. Selbst bei einem starken Rückgang der Lieferungen aus China stünden Deutschland durch den insgesamt intensivierten Welthandel zumeist gleich mehrere Lieferländer als Alternative zur Auswahl.

Bisher ist der deutsch-chinesische Handel von dem Muster hochspezialisierte Investitionsgüter aus Deutschland gegen kostengünstige Konsumgüter aus China geprägt. Daher standen die gegenseitigen Ein- und Ausfuhren in der Vergangenheit meist auch nicht in direkter Konkurrenz zur heimischen Industrie, sondern stellen eine Ergänzung zu den im Inland produzierten Gütern dar.

Für die Zukunft prognostizieren die Verfasser der Studie allerdings einen Wandel in den deutsch-chinesischen Handelsbeziehungen. Es sei sehr wahrscheinlich, dass sich chinesische Unternehmen weiter in Richtung technologischer Weltspitze bewegen werden, heißt es in der Studie. Damit wird in Zukunft der sogenannte intraindustrielle Handel dominieren, wie er zwischen Industrieländern auf vergleichbarem Entwicklungsstand (z. B. Deutschland und Frankreich) Normalität ist. Der Trend zeigt bereits deutlich in diese Richtung. 1992 betrug der Anteil des intraindustriellen Handels am gesamten deutsch-chinesischen Handelsvolumen nur etwa fünf Prozent, 2010 waren es bereits 20 Prozent.

Die Fortschreibung dieser Entwicklung bedeutet, dass künftig immer mehr deutsche Unternehmen in direkter Konkurrenz mit Wettbewerbern aus China stehen werden. Für den deutschen Außenhandel mit China hat das weit reichende Konsequenzen, analysiert die Studie. "Deutsche Firmen werden nur dann ihre aktuellen Erfolge auf dem Mega-Markt China bewahren können, wenn sie ihren technologischen Vorsprung bewahren und damit – zum Beispiel im Investitionsgüterbereich – auch künftig für ihre chinesischen Kunden unverzichtbar sind", sagte Stiftungsprogrammdirektor Helmut Hauschild. "Die Studie zeigt, dass die deutsche Wirtschaft mehr in Forschung und Entwicklung investieren muss, um langfristig gegenüber der Konkurrenz aus China zu bestehen."

Rückfragen an:

Cora Jungbluth, Bertelsmann Stiftung,
Projekt Manager Programm Deutschland und Asien
Telefon: +49 5241 81-81482
E-Mail: cora.jungbluth@bertelsmann-stiftung.de

Ute Friedrich | idw
Weitere Informationen:
http://www.bertelsmann-stiftung.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Neue internationale Studie: Immuntherapie für Kinder mit akuter Leukämie
13.07.2018 | Universitätsklinikum Schleswig-Holstein

nachricht Sicherer Auto fahren ohne Grauen Star: Geringeres Unfallrisiko nach Linsenoperation
12.07.2018 | Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Im Focus: First evidence on the source of extragalactic particles

For the first time ever, scientists have determined the cosmic origin of highest-energy neutrinos. A research group led by IceCube scientist Elisa Resconi, spokesperson of the Collaborative Research Center SFB1258 at the Technical University of Munich (TUM), provides an important piece of evidence that the particles detected by the IceCube neutrino telescope at the South Pole originate from a galaxy four billion light-years away from Earth.

To rule out other origins with certainty, the team led by neutrino physicist Elisa Resconi from the Technical University of Munich and multi-wavelength...

Im Focus: Magnetische Wirbel: Erstmals zwei magnetische Skyrmionenphasen in einem Material entdeckt

Erstmals entdeckte ein Forscherteam in einem Material zwei unabhängige Phasen mit magnetischen Wirbeln, sogenannten Skyrmionen. Die Physiker der Technischen Universitäten München und Dresden sowie von der Universität zu Köln können damit die Eigenschaften dieser für Grundlagenforschung und Anwendungen gleichermaßen interessanten Magnetstrukturen noch eingehender erforschen.

Strudel kennt jeder aus der Badewanne: Wenn das Wasser abgelassen wird, bilden sie sich kreisförmig um den Abfluss. Solche Wirbel sind im Allgemeinen sehr...

Im Focus: Neue Steuerung der Zellteilung entdeckt

Wenn eine Zelle sich teilt, werden sämtliche ihrer Bestandteile gleichmässig auf die Tochterzellen verteilt. UZH-Forschende haben nun ein Enzym identifiziert, das sicherstellt, dass auch Zellbestandteile ohne Membran korrekt aufgeteilt werden. Ihre Entdeckung eröffnet neue Möglichkeiten für die Behandlung von Krebs, neurodegenerative Krankheiten, Alterungsprozessen und Virusinfektionen.

Man kennt es aus der Küche: Werden Aceto balsamico und Olivenöl miteinander vermischt, trennen sich die beiden Flüssigkeiten. Runde Essigtropfen formen sich,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

Conference on Laser Polishing – LaP: Feintuning für Oberflächen

12.07.2018 | Veranstaltungen

Materialien für eine Nachhaltige Wasserwirtschaft – MachWas-Konferenz in Frankfurt am Main

11.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Feinstaub macht Bäume anfälliger gegen Trockenheit

16.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Krebszellen Winterschlaf halten

16.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Mister Raney bekommt Konkurrenz - Ein neuer Katalysator auf Nickel-Basis nutzt Nano-Strukturen

16.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics