Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Deutsche bei Zuwanderung zwiegespalten: Umfrage zeigt innere Zerrissenheit der Nation

17.12.2012
Bürger stellen Willkommenskultur schlechtes Zeugnis aus / Bertelsmann Stiftung: Deutschland muss attraktiver werden / Jüngere sehen Zuwanderung positiver

Die Deutschen haben eine widersprüchliche Haltung zur Zuwanderung. Zwar halten sie Deutschland für eines der weltweit attraktivsten Einwanderungsländer, sie selbst allerdings stehen Zuwanderung kritisch gegenüber.

Das zeigt eine repräsentative Umfrage von TNS Emnid im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. „Deutschland unterschätzt die Bedeutung einer Willkommenskultur und überschätzt seine Attraktivität als Einwanderungsland“, sagte Ulrich Kober, Integrationsexperte der Bertelsmann Stiftung, zu den Ergebnissen.

Hoffnung auf eine ausgeprägtere Willkommenskultur gibt die deutlich positivere Haltung der jungen Generation gegenüber Zuwanderung. Für die Befragten unter 29 Jahren überwiegen die Vorteile von Zuwanderung. Sie schätzen die Leistungen der bereits länger in Deutschland lebenden Zuwanderer höher ein und sind mehrheitlich für erleichterte Einbürgerungen und Gesetze gegen Benachteiligung von Zuwanderern.
Auch in der Bewertung, ob Zuwanderung Probleme in der Schule verursache, unterschiedet sich die Altersgruppe 14 bis 29 erheblich von den über 60-Jährigen: Während die Älteren schulische Integration als den negativsten Aspekt von Zuwanderung überhaupt sehen (74 Prozent), ist es für die Jüngeren ein untergeordnetes Problemfeld (46 Prozent).

Anders als die junge Generation ist die Gesamtbevölkerung in der Frage, ob Zuwanderung Deutschland nutzt oder schadet, hin- und hergerissen und damit deutlich skeptischer. Auf der einen Seite befördert Zuwanderung für sieben von zehn Befragten die Ansiedlung internationaler Firmen und macht das Leben in Deutschland interessanter. 62 Prozent der Bürger sehen Vorteile darin, dass Zuwanderung die Überalterung der Gesellschaft mindere. Jeder Zweite erachtet Zuwanderung als wirksames Mittel gegen Fachkräftemangel. Demgegenüber sind jedoch knapp zwei Drittel der Bürger der Auffassung, Zuwanderung führe zu zusätzlichen Belastungen in den sozialen Sicherungssystemen, zu Konflikten mit Einheimischen und zu Problemen in den Schulen.

Nur jeder zweite Deutsche glaubt zudem, dass Zuwanderer vor Ort eine freundliche Aufnahme erfahren. Der Willkommenskultur stellen die Befragten damit ein eher schlechtes Zeugnis aus. Das steht in erheblichem Widerspruch zu der Einschätzung, Deutschland sei ein besonders attraktives Zielland für qualifizierte Zuwanderer. Auf die Frage nach den drei attraktivsten Einwanderungsländern nennen die Befragten außer Deutschland (56 Prozent) nur die USA (44) annähernd ähnlich häufig, mit großem Abstand folgen Frankreich (15), Schweiz, Schweden und Kanada (alle 14). „Die sehr geringe Resonanz auf Green Card und Blue Card spricht eine andere Sprache: De facto wird Deutschland von Hochqualifizierten aus Nicht-EU-Ländern gemieden“, sagte Kober, der sich für eine größere Offenheit der Bevölkerung aussprach: „Ohne Offenheit sind wir nicht attraktiv für qualifizierte Zuwanderer, die wir allein aufgrund der demographischen Entwicklung dringend brauchen.“

Maßnahmen zu formaler Gleichstellung von Zuwanderern stehen die Bürger überwiegend ablehnend gegenüber. Weniger als jeder Zweite spricht sich in der Umfrage dafür aus, die Einbürgerung zu erleichtern, doppelte Staatsbürgerschaft zu ermöglichen und Anti-Diskriminierungsgesetze zu verschärfen. Kober: „Obwohl Deutschland bei der formalen Gleichstellung Nachholbedarf gegenüber allen klassischen Einwanderungsländern hat, sehen die Deutschen Handlungsbedarf eher bei weichen Themen.“

So vertreten 70 Prozent die Auffassung, dass mehr für Toleranz und Achtung gegenüber Einwanderern getan werden müssen. Nur jeder Fünfte hält Toleranz und Umgang mit Vielfalt für ausreichend in den Schulen verankert. Um die Lebensbedingungen für Zuwanderer attraktiver zu gestalten, sollte es nach Ansicht der Mehrheit der Befragten mehr Angebote von Sprachkursen und Sprachförderung von Kindern, eine bessere Anerkennung von Berufsabschlüssen, mehr Unterstützung vor Ort und erleichterten Zuzug von Familien geben. Als zu gering bewertet wird die Zahl von Zuwanderern mit Jobs in öffentlichen Einrichtungen: Nur rund ein Viertel der Befragten sieht Menschen mit Migrationshintergrund in Polizei, Kita, Schule und Behörden angemessen vertreten.

Die Ergebnisse beruhen auf einer bundesweiten Befragung durch TNS Emnid
Politik- und Sozialforschung, Bielefeld, im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. Befragt wurden 1.002 Personen der bundesdeutschen Wohnbevölkerung ab 14 Jahren in einer Telefonbefragung (CATI ad hoc). Befragungszeitraum war der 12.10. bis 20.10.2012.

Rückfragen an:

Ulrich Kober,
Telefon: 0 52 41 / 81 81598, Mobil: 0 173 / 28 70 947
E-Mail: ulrich.kober@bertelsmann-stiftung.de

Anke Knopp

Telefon: 0 52 41 / 81 81305
E-Mail: anke.knopp@bertelsmann-stiftung.de

Ute Friedrich | idw
Weitere Informationen:
http://www.bertelsmann-stiftung.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Mobilfunkstrahlung kann die Gedächtnisleistung bei Jugendlichen beeinträchtigen
19.07.2018 | Swiss Tropical and Public Health Institute

nachricht Neue internationale Studie: Immuntherapie für Kinder mit akuter Leukämie
13.07.2018 | Universitätsklinikum Schleswig-Holstein

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Anwendungen für Mikrolaser in der Quanten-Nanophotonik

20.07.2018 | Physik Astronomie

Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen

20.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Die Gene sind nicht schuld

20.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics