Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Das Arbeitsgedächtnis ist der Schlüssel zu frühem schulischem Erfolg

08.07.2014

Zwischen dem Arbeitsgedächtnis von Kindern und ihren Lesekompetenzen sowie schulischen Leistungen besteht ein klarer Zusammenhang.

Diese Erkenntnis ist allgemein gültig und unabhängig vom sozialwirtschaftlichen Status. Kinder mit Lernschwierigkeiten könnten demnach von Unterrichtsmethoden profitieren, die eine Überbeanspruchung des Arbeitsgedächtnisses verhindern.

Das ist das Ergebnis einer Studie der Universität Luxemburg und brasilianischer Partneruniversitäten*, die kürzlich in dem wissenschaftlichen Journal „Frontiers in Psychology“ veröffentlicht wurde.

Die Studie wurde in Brasilien bei 106 Kindern im Alter von sechs bis acht Jahren aus unterschiedlichen sozialen Schichten durchgeführt. Die Hälfte von ihnen lebte unter der offiziellen Armutsgrenze. Ähnliche Studien wurden auch im englischsprachigen Raum gemacht und so war es spannend zu sehen, dass sich die Ergebnisse in der portugiesischsprachigen Gesellschaft Brasiliens mit ihren sozialen Ungleichheiten ähnelten.

Mit der Studie sollten die kognitiven Fähigkeiten, die für schulische Erfolge nötig sind, erforscht werden. Neben dem Intelligenzquotient der Kinder wurden auch sogenannte „exekutive Funktionen“ getestet, das heiβt kognitive Prozesse, mit denen wir unsere Gedanken und Handlungen zielgerecht steuern: etwa die Art und Weise, wie wir uns an Informationen erinnern, unsere Gefühle lenken, einer Sache Aufmerksamkeit schenken und zwischen Gedanken hin- und herwechseln.

Diese Ergebnisse wurden mit Lese-, Rechtschreib-, Mathematik-, Sprach- und naturwissenschaftlichen Kenntnissen verglichen. Sie zeigten, dass die Fertigkeiten eines Kindes hinsichtlich des Arbeitsgedächtnisses – also seine Fähigkeit, Informationen im Gedächtnis zu speichern und diese zu benutzen - Erfolge in allen Lernbereichen unabhängig vom IQ voraussagten. Zudem haben die meisten Kinder, die von ihren Lehrern als „schlechte Leser“ bezeichnet werden, Probleme mit ihrem Arbeitsgedächtnis.

sagt Dr. Pascale Engel de Abreu, Projektleiterin und Professorin an der Universität Luxemburg.

„Geringe Lese- und Schreibkenntnisse, schlechte Schulnoten und ein Leben in Armut verstärken diesen Teufelskreis. Eine frühzeitige Identifizierung von Kindern mit Arbeitsgedächtnisproblemen kann diesen jedoch durchbrechen, und die Kinder können so die mentalen Mittel erwerben, die für schulische Erfolge nötig sind“, so Dr. Pascale Engel de Abreu weiter.
___
* Universidade Federal da Bahia (UFBA), Universidade Federal de São Paulo (UNIFESP), Universidade de São Paulo (USP)

Weitere Informationen:

http://orbilu.uni.lu/handle/10993/16964 - Link zum wissenschaftlichen Artikel
http://www.uni.lu - Homepage der Universität Luxemburg

Britta Schlüter | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Laterale Hemmung hält ähnliche Erinnerungen auseinander
02.11.2018 | Institute of Science and Technology Austria

nachricht Wenn das Smartphone zur Schuldenfalle wird
15.10.2018 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit Gold Krankheiten aufspüren

Röntgenfluoreszenz könnte neue Diagnosemöglichkeiten in der Medizin eröffnen

Ein Präzisions-Röntgenverfahren soll Krebs früher erkennen sowie die Entwicklung und Kontrolle von Medikamenten verbessern können. Wie ein Forschungsteam unter...

Im Focus: Ein Chip mit echten Blutgefäßen

An der TU Wien wurden Bio-Chips entwickelt, in denen man Gewebe herstellen und untersuchen kann. Die Stoffzufuhr lässt sich dabei sehr präzise dosieren.

Menschliche Zellen in der Petrischale zu vermehren, ist heute keine große Herausforderung mehr. Künstliches Gewebe herzustellen, durchzogen von feinen...

Im Focus: A Chip with Blood Vessels

Biochips have been developed at TU Wien (Vienna), on which tissue can be produced and examined. This allows supplying the tissue with different substances in a very controlled way.

Cultivating human cells in the Petri dish is not a big challenge today. Producing artificial tissue, however, permeated by fine blood vessels, is a much more...

Im Focus: Optimierung von Legierungswerkstoffen: Diffusionsvorgänge in Nanoteilchen entschlüsselt

Ein Forschungsteam der TU Graz entdeckt atomar ablaufende Prozesse, die neue Ansätze zur Verbesserung von Materialeigenschaften liefern.

Aluminiumlegierungen verfügen über einzigartige Materialeigenschaften und sind unverzichtbare Werkstoffe im Flugzeugbau sowie in der Weltraumtechnik.

Im Focus: Graphen auf dem Weg zur Supraleitung

Doppelschichten aus Graphen haben eine Eigenschaft, die ihnen erlauben könnte, Strom völlig widerstandslos zu leiten. Dies zeigt nun eine Arbeit an BESSY II. Ein Team hat dafür die Bandstruktur dieser Proben mit extrem hoher Präzision ausgemessen und an einer überraschenden Stelle einen flachen Bereich entdeckt. Möglich wurde dies durch die extrem hohe Auflösung des ARPES-Instruments an BESSY II.

Aus reinem Kohlenstoff bestehen so unterschiedliche Materialien wie Diamant, Graphit oder Graphen. In Graphen bilden die Kohlenstoffatome ein zweidimensionales...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Können Roboter im Alter Spaß machen?

14.11.2018 | Veranstaltungen

Tagung informiert über künstliche Intelligenz

13.11.2018 | Veranstaltungen

Wer rechnet schneller? Algorithmen und ihre gesellschaftliche Überwachung

12.11.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Automatisierte Klebfilmablage und Stringerintegration für den Flugzeugbau

14.11.2018 | Materialwissenschaften

Wie Algen und Kohlefasern die Kohlendioxidkonzentration in der Atmosphäre nachhaltig senken könnten

14.11.2018 | Biowissenschaften Chemie

Was das Meer zur Klimaregulierung beiträgt: Neue Erkenntnisse helfen bei der Berechnung

14.11.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics