Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bürger sprechen sich für Energieeffizienz und Offshore-Windanlagen aus

03.07.2012
Stiftung Mercator und Universität Stuttgart legen Studie zur gesellschaftlichen Akzeptanz von Energietechnologien und klimaverträglichen Energiemixen vor

Wie das Energiesystem in Zukunft in Deutschland gestaltet werden soll, ist noch offen und wird derzeit intensiv diskutiert. Wie sich die Bürger Deutschlands entscheiden würden, wenn sie zwischen den möglichen technologischen Optionen eine Auswahl treffen müssten, zeigt jetzt eine aktuelle Studie:

Die befragten Bürger sprechen sich in erster Linie für energieeffiziente Lösungen aus, dicht gefolgt von den Erneuerbaren Energien. Die beliebtesten erneuerbaren Technologien sind Offshore-Windanlagen. Auffallend ist die relativ schlechte Platzierung von Biomassekraftwerken. Das gaben die Stiftung Mercator und die Universität Stuttgart heute in Berlin bekannt.

Auf der Skala der Akzeptanz folgen nach den Erneuerbaren Energien die Gaskraftwerke. Sie führen die Liste der fossilen Kraftwerkstechnologien deutlich an. Die geringste Akzeptanz weisen Kernkraft und die traditionellen Kohlekraftwerke auf.

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Energiemixen. Energiemixe mit dem höchsten Anteil an Erneuerbaren werden eindeutig präferiert. Bürger sind dabei aber offenbar zu Kompromissen bereit. Dirk Scheer, Projektleiter an der Universität Stuttgart, fasst dies folgendermaßen zusammen: „Bei einem klar erkennbaren und ambitionierten Umbau des Strommixes in Richtung Erneuerbare Energien waren viele Befragte bereit, als Übergang auch ungeliebte Technologien wie die Kernenergie oder die CCS-Technologie in geringen Anteilen im Energiemix zu akzeptieren.“

„Die Stiftung Mercator setzt sich für die Reduktion des CO2-Ausstoßes in Deutschland ein. Voraussetzung für diese Reduktion ist eine drastische Veränderung von Energienachfrage und Energieerzeugung. Ohne dass die Bevölkerung die notwendigen Maßnahmen zum Klimaschutz mitträgt, wird das nicht klappen“, so Bernhard Lorentz, Geschäftsführer der Stiftung Mercator. „Umso wichtiger ist es deshalb, vorab zu erforschen, welche Maßnahmen in welcher Kombination bei den Menschen auf Zustimmung und welche auf Ablehnung stoßen und aus welchen Gründen dies erfolgt. Deshalb haben wir dieses Forschungsprojekt gefördert.“ Die Stiftung Mercator hat für die Studie 360.000 Euro zur Verfügung gestellt.

Die Studie zeigt über die Frage der Akzeptanz hinaus, wie komplex und vielfältig die Gründe für die jeweilige Einstellung sind. Die Bewertungsdimensionen zu einzelnen Technologien umfassen eine Bandbreite von Argumenten, angefangen bei Vertrauen in Institutionen über volkswirtschaftliche und individuell ökonomische Aspekte sowie Fragen zu Umwelt, Gesundheit und Soziales bis hin zur technischen Machbarkeit, Akzeptanz im unmittelbaren Umfeld und der Einschätzung eines möglichen Schadens. Für Ortwin Renn, Professor an der Universität Stuttgart, „erstrecken sich die Einstellungsmuster dabei auf eine heterogene Mischung von leistungs-, konsum-, natur- und lebensqualitätsbezogenen Werten. Technologieentwickler und Entscheidungsträger müssen diese Bewertungsdimensionen im Blick behalten und Argumente liefern – eine alleinige Fokussierung auf Aspekte der technischen Machbarkeit greift zu kurz.“

Zu Studie und Methodik
Die Studie des Interdisziplinären Forschungsschwerpunktes Risiko und nachhaltige Technikentwicklung an der Universität Stuttgart (ZIRN) unter der Leitung von Ortwin Renn und Dirk Scheer erforschte die gesellschaftliche Akzeptanz klimaverträglicher Energiemixe. Im Rahmen des Forschungsprojekts wurde untersucht, wie verschiedene Energietechnologien und deren Kombinationen im direkten Vergleich ihrer ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Dimensionen in verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen wahrgenommen und bewertet werden. Die Teilnehmer der Studie wurden zunächst umfassend über die einzelnen Stromtechnologien informiert und tauschten sich dann in kleinen Diskussionsrunden über ihre Präferenzen und Einstellungen aus. Die Methode erlaubt zwar keine repräsentativen Ergebnisse, hat aber den Vorteil, dass Bewertungs- und Begründungszusammenhänge in einer großen Breite und Tiefe erfasst werden können. Die Ergebnisse sind von großer Bedeutung für energiepolitische Entscheidungsprozesse im Hinblick auf die Kommunikation, technische Ausgestaltung und Einführungsdynamik CO2-reduzierender Maßnahmen im Stromsektor.

Im Rahmen von fünfzehn deutschlandweit durchgeführten Fokusgruppen, an denen 130 Bürger teilnahmen, wurden Präferenzen, Einstellungen sowie Bedenken und Befürchtungen zu einzelnen Technologieoptionen im Stromsektor im Kontext vergleichbarer Alternativen erhoben und ausgewertet. Zum einen wurden zwölf Stromerzeugungstechnologien bewertet, darunter Kohle- und Gaskraftwerke inklusive der CO2-armen Technologieoption Carbon Capture & Storage (CCS), die Atomenergie sowie das Portfolio der Erneuerbaren Energien. Zum anderen wurden von den Bürgern sieben zukünftige klimaverträgliche Energiemixe bewertet, die unterschiedliche klimaschutzstrategische Schwerpunkte (fossil, nuklear, erneuerbar) aufwiesen.

Weiterführende Links:
http://www.stiftung-mercator.de/akzeptanz
http://www.zirn-info.de

Bei Fragen sprechen Sie uns gerne an:

Marisa Klasen
Kommunikationsmanagerin
Stiftung Mercator
Tel.: + 49 (0) 201 245 22 53
Fax: + 49 (0) 201 245 22 153
E-Mail: klasen@stiftung-mercator.de
Prof. Dr. Ortwin Renn (principal investigator), Dirk Scheer (Projektleiter)
ZIRN-Universität Stuttgart
Tel: +49 (0)711 6858 4295 (Sekretariat Renn) oder +49 (0)6221 432391 (Scheer)
Fax:+49 (0)711 - 6858 2487
E-Mail: ortwin.renn@sowi.uni-stuttgart.de, E-Mail: dirk.scheer@sowi.uni-stuttgart.de

Marisa Klasen | idw
Weitere Informationen:
http://www.zirn-info.de/
http://www.stiftung-mercator.de/akzeptanz

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Drei Viertel der Flüsse weltweit durch menschliche Eingriffe in ihrem Lauf beeinträchtigt
09.05.2019 | Eberhard Karls Universität Tübingen

nachricht Selbstorganisierter Bewegungskreislauf ermöglicht Zellen, komplexe Suchmuster zu formen
07.05.2019 | Westfälische Wilhelms-Universität Münster

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Impfen über die Haut – Gezielter Wirkstofftransport mit Hilfe von Nanopartikeln

Forschenden am Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Potsdam ist es gelungen Nanopartikel so weiterzuentwickeln, dass sie von speziellen Zellen der menschlichen Haut aufgenommen werden können. Diese sogenannten Langerhans Zellen koordinieren die Immunantwort und alarmieren den Körper, wenn Erreger oder Tumore im Organismus auftreten. Mit dieser neuen Technologieplattform könnten nun gezielt Wirkstoffe, zum Beispiel Impfstoffe oder Medikamente, in Langerhans Zellen eingebracht werden, um eine kontrollierte Immunantwort zu erreichen.

Die Haut ist ein besonders attraktiver Ort für die Applikation vieler Medikamente, die das Immunsystem beeinflussen. Die geeigneten Zielzellen liegen in der...

Im Focus: Chaperone halten das Tumorsuppressor-Protein p53 in Schach: Komplexer Regelkreis schützt vor Krebs

Über Leben und Tod einer Zelle entscheidet das Anti-Tumor-Protein p53: Erkennt es Schäden im Erbgut, treibt es die Zelle in den Selbstmord. Eine neue Forschungsarbeit an der Technischen Universität München (TUM) zeigt, dass diese körpereigene Krebsabwehr nur funktioniert, wenn bestimmte Proteine, die Chaperone, dies zulassen.

Eine Krebstherapie ohne Nebenwirkungen, die gezielt nur Tumorzellen angreift – noch können Ärzte und Patienten davon nur träumen. Dabei hat die Natur ein...

Im Focus: Wasserstoff – Energieträger der Zukunft?

Fraunhofer-Allianz Energie auf Berliner Energietagen

Im Pariser Klimaabkommen beschloss die Weltgemeinschaft, dass die weltweite Wirtschaft zwischen 2050 und 2100 treibhausgasneutral werden soll. Um die...

Im Focus: Quanten-Cloud-Computing mit Selbstcheck

Mit einem Quanten-Coprozessor in der Cloud stoßen Innsbrucker Physiker die Tür zur Simulation von bisher kaum lösbaren Fragestellungen in der Chemie, Materialforschung oder Hochenergiephysik weit auf. Die Forschungsgruppen um Rainer Blatt und Peter Zoller berichten in der Fachzeitschrift Nature, wie sie Phänomene der Teilchenphysik auf 20 Quantenbits simuliert haben und wie der Quantensimulator das Ergebnis erstmals selbständig überprüft hat.

Aktuell beschäftigen sich viele Wissenschaftler mit der Frage, wie die „Quantenüberlegenheit“ auf heute schon verfügbarer Hardware genutzt werden kann.

Im Focus: Self-repairing batteries

UTokyo engineers develop a way to create high-capacity long-life batteries

Engineers at the University of Tokyo continually pioneer new ways to improve battery technology. Professor Atsuo Yamada and his team recently developed a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Diabetes Kongress 2019: „Diabetes – Nicht nur eine Typ-Frage“

21.05.2019 | Veranstaltungen

Nachwuchskräfte aufgepasst! „Traumjobs live“ bei der Friedhelm Loh Group

20.05.2019 | Veranstaltungen

MS Wissenschaft startet Deutschlandtour mit Fraunhofer-KI an Bord

17.05.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Energieversorgung in der Antarktis: Ist solarer Wasserstoff eine Alternative zu Erdöl?

22.05.2019 | Energie und Elektrotechnik

Impfen über die Haut – Gezielter Wirkstofftransport mit Hilfe von Nanopartikeln

22.05.2019 | Biowissenschaften Chemie

Neues Messinstrument: Kohlenstoffdioxid als Geothermometer

21.05.2019 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics