Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Qualitätsreport Krankenhaus 2004 als Open-Source-Studie erschienen

12.12.2007
Die Rheinische Fachhochschule Köln legte heute die erste vollständige Analyse aller 2000 Krankenhaus-Qualitätsberichte 2004 vor.

Erfüllen Krankenhaus-Qualitätsberichte die gesetzlichen Ziele und Anforderungen? Lassen sich Kliniken und deren Leistungen vergleichen? Wird die geforderte Transparenz erfüllt? Sind Qualitätsberichte auch für die Patienten verständlich? Auf diese und andere Fragen gibt die aktuelle Studie der Rheinischen Fachhochschule Köln (RFH) aus dem Fachbereich Medizin-Ökonomie Antworten und regt Verbesserungen für die Qualitätsberichte 2008 an.

Zur Qualitätssicherung verpflichtet der Gesetzgeber bestimmte Krankenhäuser, alle zwei Jahre einen Qualitätsbericht zu veröffentlichen. Die Darstellung soll die Art und Anzahl der medizinischen Leistungen ausweisen. Ein 20köpfiges Team der RFH unter Leitung von Prof. Dr. med. Dipl.-Kfm. (FH) Rainer Riedel analysierte die rund 2.000 Qualitätsberichte 2004. Dabei handelt es sich um die erste vollständige, bundesweite Auswertung aller vorliegenden Qualitätsberichte für das Jahr 2004. Die Autoren kommen zu dem Ergebnis, dass auch gebildete und interneterfahrene Patienten kaum in der Lage sind, anhand der online publizierten Qualitätsberichte die verschiedenen Kliniken und ihre Leistungen zu vergleichen, obwohl sich nahezu alle Krankenhäuser an die formalen Vorlagen halten.

Anhand einer Rangliste der wichtigsten Krankenhausleistungen fällt den Autoren auf, dass bei kleineren, aber auch den größeren Krankenhäusern mit differenziertem Leistungsspektrum bis 1.000 Betten, diagnostisch-therapeutische Maßnahmen der Speiseröhren-, Magen oder Zwölffinger- und Dickdarmspiegelung auf den ersten Rängen der häufigsten Eingriffe steht. "Insgesamt wurden in allen QM-berichtpflichtigen Krankhäusern im Jahr 2004 die stolze Zahl von rund 1,9 Millionen derartige Spiegelungen durchgeführt", merkt Professor Riedel an.

Die Bereitschaft, an den systematischen Disease-Management-Programmen (DMP) zur Behandlung chronisch Kranker teilzunehmen ist von der Krankenhausgröße abhängig, stellt die Studie fest. Je größer das Krankenhaus, desto öfter wird eine Behandlung für Patienten nach den Erkenntnissen der evidenzbasierten Medizin angeboten. Für die drei im Jahr 2004 geltenden DMPs (Diabetes, Brustkrebs und Herzerkrankungen) beobachten die Autoren insgesamt eine relativ geringe Teilnahmebereitschaft. In Anbetracht der Zunahme der Herz- und Kreislauferkrankungen müssten gerade diese Programme im Ranking einen höheren Platz einnehmen und größere Anerkennung finden, meinen die Verfasser.

Je größer das Krankenhaus, desto weniger Patienten behandeln die einzelnen Ärzte. Werden pro Arzt 215 Patienten in einem kleinen Krankenhaus bis 250 Betten behandelt, so sind es nur 120 Patienten pro Arzt in Kliniken mit mehr als 1.000 Betten. Ob die Unterschiede in der Schwere der Erkrankungen oder personalbedingt sind, konnten die Autoren anhand der abgebildeten Daten nicht feststellen. In diesem Zusammenhang kritisieren die Verfasser, dass die Ärzte-Personaleckdaten 2004 nicht mit der geforderten Differenzierungsmöglichkeit in der Formatvorlage angegeben wurden. Unterscheidungen nach Fachabteilungen, Dienstarten (z.B. Internist, Belegarzt) oder Personalzahlen für das Krankenhaus insgesamt, Vollzeit- und Teilzeitkräften sind nicht erkennbar. Sozialpolitische, ökonomische und medizinische Fehlinterpretationen sind möglich. Im Qualitätsbericht 2006 werden personalbezogene Angaben nur noch in der Summe genannt, so dass für Leser gar kein Bezug zu den Fachabteilungen erkennbar ist. Für den neuen Qualitätsbericht 2008 empfehlen die Autoren, die Personalstärke wieder auf der Basis von Vollzeitkräften in Bezug auf die einzelnen Fachabteilungen einzuführen. Die bloße Gesamtzahl des Personals schafft weder Transparenz noch Vergleichbarkeit. Der RFH-Qualitätsreport Krankenhaus 2006 ist für das IV. Quartal 2008 geplant.

Die Ausarbeitung können alle Interessierte als kostenlose Open-Source-Quelle als Download auf der RFH-Homepage http://www.rfh-koeln.de lesen.

Kontakt: Prof. Dr. med. Dipl.-Kfm. Rainer Riedel, Rheinische Fachhochschule Köln, Studiengang Medizin-Ökonomie, Hohenstaufenring 16-18, 50674 Köln, Mail: riedel@rfh-koeln.de.

Qualitätsreport Krankenhaus 2004
Riedel R., Worringer M., Werthebach St., Schüller C.
Unter Mitarbeit von: Exner M. et al.
Peer-Review: D.V. Mohr
ISBN: 978 - 3 - 9811139 - 1 - 4
Redaktion: Beatrix Polgar-Stüwe

Beatrix Polgar-Stüwe | idw
Weitere Informationen:
http://www.rfh-koeln.de
http://www.rfh-koeln.de/de/Hochschule/Forschung/Qualit_tsreport_Krankenhaus__download__V_2.0_12.12.07.pdf

Weitere Berichte zu: Betten Fachabteilung Qualitätsbericht Verfasser

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht STICA-Studie belegt: Spezielle Verhaltenstherapie bei Computerspiel- und Internetsucht erfolgreich
11.09.2019 | Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

nachricht Wie wir 2030 unterwegs sind: acatech Studie skizziert Zukunftsbild der vernetzten Mobilität
11.09.2019 | acatech - Deutsche Akademie der Technikwissenschaften

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die schnellste Ameise der Welt - Wüstenflitzer haben kurze Beine, aber eine perfekte Koordination

Silberameisen gelten als schnellste Ameisen der Welt - obwohl ihre Beine verhältnismäßig kurz sind. Daher haben Forschende der Universität Ulm den besonderen Laufstil dieses "Wüstenflitzers" auf einer Ameisen-Rennstrecke ergründet. Veröffentlicht wurde diese Entdeckung jüngst im „Journal of Experimental Biology“.

Sie geht auf Nahrungssuche, wenn andere Siesta halten: Die saharische Silberameise macht vor allem in der Mittagshitze der Sahara und in den Wüsten der...

Im Focus: Fraunhofer FHR zeigt kontaktlose, zerstörungsfreie Qualitätskontrolle von Kunststoffprodukten auf der K 2019

Auf der K 2019, der Weltleitmesse für die Kunststoff- und Kautschukindustrie vom 16.-23. Oktober in Düsseldorf, demonstriert das Fraunhofer-Institut für Hochfrequenzphysik und Radartechnik FHR das breite Anwendungsspektrum des von ihm entwickelten Millimeterwellen-Scanners SAMMI® im Kunststoffbereich. Im Rahmen des Messeauftritts führen die Wissenschaftler die vielseitigen Möglichkeiten der Millimeterwellentechnologie zur kontaktlosen, zerstörungsfreien Prüfung von Kunststoffprodukten vor.

Millimeterwellen sind in der Lage, nicht leitende, sogenannte dielektrische Materialien zu durchdringen. Damit eigen sie sich in besonderem Maße zum Einsatz in...

Im Focus: Solving the mystery of quantum light in thin layers

A very special kind of light is emitted by tungsten diselenide layers. The reason for this has been unclear. Now an explanation has been found at TU Wien (Vienna)

It is an exotic phenomenon that nobody was able to explain for years: when energy is supplied to a thin layer of the material tungsten diselenide, it begins to...

Im Focus: Rätsel gelöst: Das Quantenleuchten dünner Schichten

Eine ganz spezielle Art von Licht wird von Wolfram-Diselenid-Schichten ausgesandt. Warum das so ist, war bisher unklar. An der TU Wien wurde nun eine Erklärung gefunden.

Es ist ein merkwürdiges Phänomen, das jahrelang niemand erklären konnte: Wenn man einer dünnen Schicht des Materials Wolfram-Diselenid Energie zuführt, dann...

Im Focus: Wie sich Reibung bei topologischen Isolatoren kontrollieren lässt

Topologische Isolatoren sind neuartige Materialien, die elektrischen Strom an der Oberfläche leiten, sich im Innern aber wie Isolatoren verhalten. Wie sie auf Reibung reagieren, haben Physiker der Universität Basel und der Technischen Universität Istanbul nun erstmals untersucht. Ihr Experiment zeigt, dass die durch Reibung erzeugt Wärme deutlich geringer ausfällt als in herkömmlichen Materialien. Dafür verantwortlich ist ein neuartiger Quantenmechanismus, berichten die Forscher in der Fachzeitschrift «Nature Materials».

Dank ihren einzigartigen elektrischen Eigenschaften versprechen topologische Isolatoren zahlreiche Neuerungen in der Elektronik- und Computerindustrie, aber...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

VR-/AR-Technologien aus der Nische holen

18.10.2019 | Veranstaltungen

Ein Marktplatz zur digitalen Transformation

18.10.2019 | Veranstaltungen

Wenn der Mensch auf Künstliche Intelligenz trifft

17.10.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Insekten teilen den gleichen Signalweg zur dreidimensionalen Entwicklung ihres Körpers

18.10.2019 | Biowissenschaften Chemie

Volle Wertschöpfungskette in der Mikrosystemtechnik – vom Chip bis zum Prototyp

18.10.2019 | Physik Astronomie

Innovative Datenanalyse von Fraunhofer Austria

18.10.2019 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics