Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die schweigende Mehrheit - DFG fördert Studie am Institut für Politikwissenschaft

11.12.2007
Wer sind diejenigen, die sich (normalerweise) nicht an Meinungsumfragen beteiligen?

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat ein Forschungsprojekt am Institut für Politikwissenschaft bewilligt, das Informationen über diejenigen Bevölkerungsgruppen sammelt, die sich normalerweise nicht an Meinungsumfragen beteiligen. Das Vorhaben wird von der DFG mit 295.000 Euro gefördert.

Hintergrund der Untersuchungen ist, dass sich immer weniger Menschen an Meinungsumfragen beteiligen. "Dies kann verzerrte Erkenntnisse zur Folge haben, sodass Ergebnisse von Meinungsumfragen nicht unbedingt die Einstellungen und das Verhalten der Gesellschaft widerspiegeln", sagte Hanna Kaspar vom Institut für Politikwissenschaft, die in der Abteilung Innenpolitik unter Univ.-Prof. Dr. Jürgen W. Falter die Studie durchführt.

Das Forschungsprojekt "Nonresponse in der politikwissenschaftlichen Wahl- und Einstellungsforschung" erfolgt in Zusammenarbeit mit einem Projektteam des Mannheimer GESIS-ZUMA, dem Zentrum für Umfragen, Methoden und Analysen der GESIS-Gesellschaft Sozialwissenschaftlicher Infrastruktureinrichtungen e.V., das alle zwei Jahre Daten über die Einstellungen, Verhaltensweisen und die Sozialstruktur der Bevölkerung in Deutschland erhebt. Zu dieser Allgemeinen Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften (ALLBUS) werden die Mainzer und Mannheimer Forscher im kommenden Jahr eine Begleitstudie erstellen, für die Informationen über diejenigen Bevölkerungsgruppen gesammelt werden, die normalerweise nicht an Meinungsumfragen teilnehmen würden.

Dadurch sollen Unterschiede zwischen Teilnehmern und Nicht-Teilnehmern (Verweigerer, Nicht-Erreichte, Nicht-Befragbare) aufgedeckt werden. "Der Fokus liegt dabei weniger auf den soziodemographischen Merkmalen wie Geschlecht, Alter oder Bildungsgrad, sondern vor allem auf inhaltlichen Aspekten, das heißt wir wollen etwas über die politischen Einstellungen und das politische Verhalten der Nonrespondenten des ALLBUS erfahren", so Kaspar. Anlass der Studie ist der Rückgang der sogenannten Ausschöpfungsquoten bei Umfragen der empirischen Sozialforschung. Beim ALLBUS konnten bei den letzten Erhebungen weniger als die Hälfte der zuvor ausgewählten Personen einer Stichprobe zu einem Interview bewegt werden. "Wir müssen also mittlerweile von einer schweigenden Mehrheit sprechen."

Wenn bestimmte Bevölkerungsgruppen systematisch ausfallen und aus bestimmten Gründen nicht an Meinungsumfragen teilnehmen, kann dies zu verzerrten Erkenntnissen über die Verteilung und Zusammenhänge politischer Einstellungen und Verhaltensweisen führen. Die Verzerrung ist umso größer, je niedriger die Ausschöpfung und je größer der Unterschied zwischen Teilnehmern und Nicht-Teilnehmern. Gerade darüber weiß man jedoch zu wenig.

Die Studie hat neben dem wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn auch eine politische Relevanz: Die Daten ermöglichen präzisere Aussagen über das politische Interesse der Bevölkerung, die Verteilung (un-)demokratischer Einstellungen oder die Wähler extremer Parteien.

Kontakt und Informationen:
Hanna Kaspar, M.A.
Institut für Politikwissenschaft, Abt. Innenpolitik, Prof. Dr. Jürgen W. Falter
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Tel. 06131 39-22995
E-Mail: kaspar@politik.uni-mainz.de

Petra Giegerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.politik.uni-mainz.de/cms/index.php

Weitere Berichte zu: ALLBUS Bevölkerungsgruppe DFG Meinungsumfrage Politikwissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Drei Viertel der Flüsse weltweit durch menschliche Eingriffe in ihrem Lauf beeinträchtigt
09.05.2019 | Eberhard Karls Universität Tübingen

nachricht Selbstorganisierter Bewegungskreislauf ermöglicht Zellen, komplexe Suchmuster zu formen
07.05.2019 | Westfälische Wilhelms-Universität Münster

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Geometrie eines Elektrons erstmals bestimmt

Physiker der Universität Basel können erstmals zeigen, wie ein einzelnes Elektron in einem künstlichen Atom aussieht. Mithilfe einer neu entwickelten Methode sind sie in der Lage, die Aufenthaltswahrscheinlichkeit eines Elektrons im Raum darzustellen. Dadurch lässt sich die Kontrolle von Elektronenspins verbessern, die als kleinste Informationseinheit eines zukünftigen Quantencomputers dienen könnten. Die Experimente wurden in «Physical Review Letters» und die Theorie dazu in «Physical Review B» veröffentlicht.

Der Spin eines Elektrons ist ein vielversprechender Kandidat, um als kleinste Informationseinheit (Qubit) eines Quantencomputers genutzt zu werden. Diesen Spin...

Im Focus: The geometry of an electron determined for the first time

Physicists at the University of Basel are able to show for the first time how a single electron looks in an artificial atom. A newly developed method enables them to show the probability of an electron being present in a space. This allows improved control of electron spins, which could serve as the smallest information unit in a future quantum computer. The experiments were published in Physical Review Letters and the related theory in Physical Review B.

The spin of an electron is a promising candidate for use as the smallest information unit (qubit) of a quantum computer. Controlling and switching this spin or...

Im Focus: Optische Superlinsen aus Gold

Oldenburger Forscher entwickeln neues optisches Mikroskop mit extrem hoher Auflösung

Eine kegelförmige Spitze aus Gold bildet das Kernstück eines neuen, extrem leistungsfähigen optischen Mikroskops, das Oldenburger Wissenschaftler in der...

Im Focus: Impfen über die Haut – Gezielter Wirkstofftransport mit Hilfe von Nanopartikeln

Forschenden am Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Potsdam ist es gelungen Nanopartikel so weiterzuentwickeln, dass sie von speziellen Zellen der menschlichen Haut aufgenommen werden können. Diese sogenannten Langerhans Zellen koordinieren die Immunantwort und alarmieren den Körper, wenn Erreger oder Tumore im Organismus auftreten. Mit dieser neuen Technologieplattform könnten nun gezielt Wirkstoffe, zum Beispiel Impfstoffe oder Medikamente, in Langerhans Zellen eingebracht werden, um eine kontrollierte Immunantwort zu erreichen.

Die Haut ist ein besonders attraktiver Ort für die Applikation vieler Medikamente, die das Immunsystem beeinflussen. Die geeigneten Zielzellen liegen in der...

Im Focus: Chaperone halten das Tumorsuppressor-Protein p53 in Schach: Komplexer Regelkreis schützt vor Krebs

Über Leben und Tod einer Zelle entscheidet das Anti-Tumor-Protein p53: Erkennt es Schäden im Erbgut, treibt es die Zelle in den Selbstmord. Eine neue Forschungsarbeit an der Technischen Universität München (TUM) zeigt, dass diese körpereigene Krebsabwehr nur funktioniert, wenn bestimmte Proteine, die Chaperone, dies zulassen.

Eine Krebstherapie ohne Nebenwirkungen, die gezielt nur Tumorzellen angreift – noch können Ärzte und Patienten davon nur träumen. Dabei hat die Natur ein...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Früherkennung 2.0: Mit Präzisionsmedizin Screeningverfahren weiterentwickeln

23.05.2019 | Veranstaltungen

Kindermediziner tagen in Leipzig

22.05.2019 | Veranstaltungen

Jubiläumskongress zur Radiologie der Zukunft

22.05.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neuer Schub für ToCoTronics

23.05.2019 | Physik Astronomie

MiLiQuant: Quantentechnologie nutzbar machen

23.05.2019 | Physik Astronomie

Erfolgreiche Forschung zur Ausbreitung von Wellen

23.05.2019 | Interdisziplinäre Forschung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics