Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ostdeutsche sind Wassersparmeister

04.06.2007
Ostdeutsche Haushalte verbrauchen 30 Prozent weniger Trinkwasser als Haushalte in Westdeutschland. Hauptursachen sind laut Fraunhofer ISI höhere Wasser- und Abwasserpreise sowie niedrigere Haushaltseinkommen im Osten.

Jeder Westdeutsche verbraucht pro Tag 132 Liter Trinkwasser, Ostdeutsche dagegen nur 93 Liter. Diesem verblüffenden Unterschied ist das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung nun auf den Grund gegangen. Dazu hat das Karlsruher Institut 600 Versorgungsgebiete und damit etwa die Hälfte der deutschen Haushalte auf ihren Wasserkonsum untersucht und mit Angaben wie Einkommen, Wasser- und Abwasserpreis, Haushaltsgröße, aber auch Wetterdaten verknüpft. Damit ist die ISI-Studie die umfassendste Analyse, die zu diesem Thema bislang in Deutschland gemacht wurde.

Erfreulich: Deutschland liegt beim Trinkwasserverbrauch in Europa am unteren Ende. Dennoch gibt es regionale Unterschiede, insbesondere zwischen Ost- und Westdeutschland. Das war nicht immer so: Zur Zeit der Wende war der Wasserverbrauch in Ost und West nahezu gleich. Doch danach sind die Preise in den neuen Bundesländern rapide gestiegen und der Verbrauch in der Folge stark gesunken, während er in den alten Ländern nur langsam zurückging.

Die ISI-Wissenschaftler fanden heraus, dass der Trinkwasserverbrauch pro Kopf und Tag um etwa 2,3 Prozent beziehungsweise 3 Liter zunimmt, wenn die Preise um zehn Prozent steigen. Ein enger Zusammenhang besteht außerdem zwischen Einkommen und Wasserverbrauch: in Regionen mit niedrigerem Einkommen liegt auch der Verbrauch niedriger und zwar im Osten wesentlich deutlicher als im Westen. Zur Reduktion des Wasserverbrauchs tragen neben wassersparendem Verhalten auch wassereffiziente Sanitär- und Haushaltsgeräte bei. Diese wurden gerade in den Neuen Bundesländern im Rahmen der Gebäudesanierungen nach der Wiedervereinigung installiert. Der zurückgehende Wasserverbrauch in Haushalten, verstärkt durch den effizienteren Umgang mit Wasser in Industrie und Gewerbe sowie - insbesondere im Osten - abnehmende Bevölkerungszahlen, verursachen bereits heute Probleme beim Betrieb der großen zentralen Wasser- und Abwassernetze. Diese sind auf den hohen Wasserverbrauch früherer Jahre ausgelegt.

Auch andere Thesen konnte die ISI-Studie für das Bundesministerium für Bildung und Forschung bestätigen. So nimmt der Trinkwasserverbrauch pro Kopf zu, wenn die Personenzahl im Haushalt sinkt - Singlehaushalte verbrauchen also pro Kopf mehr Wasser als Haushalte mit Kindern. Überraschend dagegen, dass der Wasserverbrauch in Regionen mit höherem Durchschnittsalter zunimmt. Der demographische Wandel wird also auch die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung beeinflussen. "Die Unsicherheit dürfte größer werden, und die künftige Entwicklung wird in den einzelnen Versorgungsgebieten sehr unterschiedlich verlaufen", sagt Projektleiter Thomas Hillenbrand, "deshalb brauchen wir künftig flexiblere Wasserinfrastruktursysteme, zum Beispiel dezentrale Konzepte."

Zum Einfluss von Wetter und Klima auf den Verbrauch liefert die Studie erste Ergebnisse. Danach liegt der Verbrauch in trockeneren Regionen höher - pro Kopf um 1,5 Liter pro Tag bei zehn Prozent geringeren Niederschlägen. Für eine fundiertere Analyse der Auswirkungen klimabedingter Einflüsse, die bei längeren Trockenperioden auch hauseigene Wasserquellen wie Regenwasserzisternen oder Hausbrunnen versiegen lassen, sind allerdings noch weitere Untersuchungen notwendig.

Die Ergebnisse der Studie des Fraunhofer ISI können unter folgender Internet-http://www.isi.fhg.de/publ/downloads/isi07a05/residential-water-demand-in-germany.pdf

Kontakt:
Thomas Hillenbrand
Telefon: 0721 / 6809 - 119
E-Mail: thomas.hillenbrand@isi.fraunhofer.de
Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI untersucht Marktpotenziale technischer Entwicklungen und deren Auswirkungen auf Wirtschaft, Staat und Gesellschaft. Die interdisziplinären Forschungsgruppen konzentrieren sich auf neue Technologien, Industrie- und Serviceinnovationen, Energiepolitik und nachhaltiges Wirtschaften sowie auf die Dynamik regionaler Märkte und die Innovationspolitik.

Bernd Müller | idw
Weitere Informationen:
http://www.isi.fraunhofer.de/pr/presse.htm
http://www.isi.fhg.de/publ/downloads/isi07a05/residential-water-demand-in-germany.pdf

Weitere Berichte zu: Trinkwasserverbrauch Wasserverbrauch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Neue internationale Studie: Immuntherapie für Kinder mit akuter Leukämie
13.07.2018 | Universitätsklinikum Schleswig-Holstein

nachricht Sicherer Auto fahren ohne Grauen Star: Geringeres Unfallrisiko nach Linsenoperation
12.07.2018 | Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Im Focus: First evidence on the source of extragalactic particles

For the first time ever, scientists have determined the cosmic origin of highest-energy neutrinos. A research group led by IceCube scientist Elisa Resconi, spokesperson of the Collaborative Research Center SFB1258 at the Technical University of Munich (TUM), provides an important piece of evidence that the particles detected by the IceCube neutrino telescope at the South Pole originate from a galaxy four billion light-years away from Earth.

To rule out other origins with certainty, the team led by neutrino physicist Elisa Resconi from the Technical University of Munich and multi-wavelength...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

Conference on Laser Polishing – LaP: Feintuning für Oberflächen

12.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Optische Kontrolle von Herzfrequenz oder Insulinsekretion durch lichtschaltbaren Wirkstoff

17.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Umweltressourcen nachhaltig nutzen

17.07.2018 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Textilien 4.0: Smarte Kleidung und Wearables als Innovation

17.07.2018 | Innovative Produkte

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics