Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Klimaerwärmung verdrängt Pflanzenwelt. Neue Studie der Universität Wien zur Alpen-Vegetation

08.12.2006
Eine neue Studie belegt, dass die Vegetation in Hochgebirgen auf Grund steigender Temperaturen nach oben wandern wird. In der Folge wird eine besonders artenreiche Pflanzenwelt oberhalb der Waldgrenze verdrängt.

Ein Team des Departments für Naturschutzbiologie, Vegetations- und Landschaftsökologie der Universität Wien, das im Rahmen des Hochgebirgs-Forschungsnetzwerks GLORIA wissenschaftliche Arbeiten durchführt, beweist erstmals diesen Prozess. Die Ergebnisse dazu sind in der aktuellen Ausgabe der international renommierten Fachzeitschrift Global Change Biology erschienen; fast auf den Tag genau zum International Mountain Day 2006.

Der anhand von Klimaprognosen angezeigte Temperaturanstieg von bis zu 5 °C im Alpenraum innerhalb dieses Jahrhunderts könnte zu einem massiven Gefährdungsfaktor für alpine Ökosysteme werden. Hochgebirgs-Ökosysteme sind durch tiefe Temperaturen definiert und gelten deshalb als besonders empfindlich in ihrer Reaktion auf die Klimaerwärmung.

Infolge beobachteter Veränderungen der Anzahl von Pflanzenarten auf hohen Gipfeln in den Europäischen Alpen wurden im Jahr 1994 zahlreiche 1 m² große Dauerbeobachtungsflächen am Schrankogel (3.496 m) in den Stubaier Alpen eingerichtet. Diese markierten Beobachtungsflächen befanden sich am alpin-nivalen Ökoton, darunter versteht man die Übergangszone zwischen der alpinen Höhenstufe mit überwiegend geschlossener Rasenvegetation und der fels- und schuttdominierten nivalen Höhenstufe (zwischen 2.900 und 3.450 m). In der nivalen Zone würde der Schnee auf ebener Fläche ganzjährig liegen bleiben. Im Jahr 2004 wurden die Untersuchungen an einer repräsentativen Auswahl von 362 Flächen wiederholt.

Verdrängung von unten

Das Ergebnis der von einem Team unter der Leitung von Georg Grabherr, Professor am Department für Naturschutzbiologie, Vegetations- und Landschaftsökologie der Universität Wien, gemachten Studie signalisiert einen Rückgang von extrem spezialisierten Hochgebirgspflanzen in den Alpen, an den Kältegrenzen pflanzlichen Lebens. Extremer Kälte angepasste Arten verlieren zunehmend an Areal. Zum einen, weil ihr Verbreitungsgebiet nach oben hin begrenzt ist und die Temperaturen ständig steigen. Zum anderen aber kommt es zu einem Verdrängungsmechanismus durch Pflanzen von der unteren, alpinen Zone, die sich im alpin-nivalen Ökoton ansiedeln.

Alle subnival-nivalen Arten zeigten signifikante Rückgänge, während bei alpinen Pionierarten eine Zunahme beobachtet wurde. Die aktuelle Klimaerwärmung in den Alpen, die doppelt so hoch war wie im weltweiten Durchschnitt, wird als grundlegende Ursache dieser Veränderungen erachtet. Die Ergebnisse deuten auf eine laufende Einengung der Verbreitung subnival-nivaler Arten an ihrer Untergrenze und eine gleichzeitige Expansion alpiner Pionierarten an ihrer Obergrenze hin. "Diese Veränderungen wurden auf Grund von Modellrechnungen erwartet, mit der neu publizierten Studie konnte der Artenrückgang in den Hochlagen der Alpen jedoch erstmals nachgewiesen werden", erläutert Teamleiter Georg Grabherr die Ergebnisse und weiter: " Die in Hochrechnungen angezeigte Beschleunigung der Klimaerwärmung gibt Anlass zur Besorgnis. Die Biodiversität in Hochgebirgen ist ernsthaft bedroht."

Publikationshinweis: Pauli, H., Gottfried, M., Reiter, K., Klettner, C. & Grabherr, G. (2006): Signals of range expansions and contractions of vascular plants in the high Alps: Observations (1994-2004) at the GLORIA master site Schrankogel, Tyrol, Austria. Global Change Biology doi: 10.1111/j.1365-2486.2006.01282.x.

Kontakt
Dr. Harald Pauli: +43-664-140 37 75, harald.pauli@univie.ac.at
Dr. Michael Gottfried: +43-676-307 76 69, michael.gottfried@univie.ac.at
Univ.-Prof. Dr. Georg Grabherr: +43-664-602 77-543 70; georg.grabherr@univie.ac.at
Department für Naturschutzbiologie, Vegetations- und Landschaftsökologie
Universität Wien
1090 Wien, Althanstraße 14
T +43-1-4277-543 70
Rückfragehinweis
Mag. Veronika Schallhart
Öffentlichkeitsarbeit und Veranstaltungsmanagement
Universität Wien
1010 Wien, Dr.-Karl-Lueger-Ring 1
T +43-1-4277-175 30
M +43-664-602 77-175 30
veronika.schallhart@univie.ac.at

Veronika Schallhart | idw
Weitere Informationen:
http://www.gloria.ac.at/?a=42&b=56
http://www.gloria.ac.at
http://www.fao.org/mnts/intl_mountain_day_en.asp

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Mobilfunkstrahlung kann die Gedächtnisleistung bei Jugendlichen beeinträchtigen
19.07.2018 | Swiss Tropical and Public Health Institute

nachricht Neue internationale Studie: Immuntherapie für Kinder mit akuter Leukämie
13.07.2018 | Universitätsklinikum Schleswig-Holstein

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Anwendungen für Mikrolaser in der Quanten-Nanophotonik

20.07.2018 | Physik Astronomie

Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen

20.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Die Gene sind nicht schuld

20.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics