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Telemedizin erhöht Sicherheit für Patienten und senkt Krankheitskosten

04.12.2006
Universitätsklinikum Heidelberg vereinbart telemedizinische Betreuung von Patienten mit chronischer Herzschwäche mit der AOK Baden-Württemberg

Patienten mit chronischer Herzschwäche, die zu Hause telemedizinisch betreut werden, rufen seltener den Notarzt und müssen weniger häufig ins Krankenhaus aufgenommen werden. Dadurch werden die Behandlungskosten für einen Patienten um ca. 3.000 Euro pro Jahr gesenkt; die Patienten fühlen sich sicherer und nehmen zuverlässiger ihre Medikamente ein.

Dies hat eine Studie der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg gezeigt. Auf der Grundlage dieser Ergebnisse haben das Universitätsklinikum Heidelberg und die AOK Baden-Württemberg im Rahmen der Integrierten Versorgung einen für ganz Deutschland modellhaften Vertrag zum Projekt HeiTel, der telemedizinischen Betreuung von herzkranken Patienten, geschlossen. Gemeinsam mit niedergelassen Ärzten wird eine kontinuierliche Überwachung in den ersten sechs Monaten der Behandlung zu Hause gewährleistet. Der Vertrag und seine Leistungen wurden bei einer Pressekonferenz am 4. Dezember 2006 in Heidelberg vorgestellt.

In Deutschland leiden rund 1,8 Millionen Menschen an einer chronischen Herzinsuffizienz. Bei fortgeschrittener Erkrankung sterben rund 40 Prozent der Patienten innerhalb eines Jahres. Damit sind die Überlebenschancen schlechter als bei den meisten Tumorerkrankungen. Die Behandlung herzinsuffizienter Patienten in Deutschland kostet schätzungsweise 5 - 10 Milliarden Euro pro Jahr.

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Wirksame Medikamente werden nicht zuverlässig eingenommen

"Bei vielen Patienten wird die in der Klinik begonnene komplexe Behandlung mit Medikamenten zu Hause nicht optimal weitergeführt", erklärte Professor Dr. Hugo A. Katus, Ärztlicher Direktor der Abteilung Kardiologie, Pulmologie und Angiologie der Medizinischen Universitätsklinik. Obwohl die Wirksamkeit von Betablockern und ACE-Hemmern inzwischen erwiesen ist, werden sie nur einem Teil der herzinsuffizienten Patienten verschrieben oder tatsächlich auch von ihnen eingenommen. Lässt die Pumpkraft des Herzens nach, kommt es zu gefährlichen Wasseransammlungen im Körper oder es treten gefährliche Herzrhythmusstörungen auf. Dann müssen die Patienten oft notfallmäßig in die Klinik gebracht und dort mit hohem Aufwand versorgt werden.

Die telemedizinische Betreuung ist ein Zusatzangebot, das die Sicherheit des Patienten erhöht und ihn in seine eigene Behandlung stärker einbindet: Die Patienten erhalten von der Düsseldorfer Firma Personal HealthCare Telemedicine Services (PHTS) Messgeräte, die täglich ihren Blutdruck, Puls, Körpergewicht und regelmäßig ein EKG an ein Telemedizinisches Zentrum von PHTS weiterleiten. Zur kostenlosen telefonischen Datenübertragung, die ca. drei Minuten dauert, legt der Patient einen Gürtel mit dem tragbaren Messgerät an. Die Daten werden im Telemedizinischen Zentrum, das rund um die Uhr mit einem Arzt besetzt ist, überprüft und anhand einer elektronischen Patientenakte mit individuell festgesetzten Grenzwerten verglichen.

Deuten die Befunde auf eine drohende Befundverschlechterung (kardiale Dekompensation) hin, so nimmt der Arzt mit dem Patienten telefonisch Kontakt auf, um durch eine frühzeitige Intervention eine erneute stationäre Aufnahme zu verhindern. Bei Bedarf werden auch der Hausarzt und die Medizinische Universitätsklinik Heidelberg eingebunden, die für die Patienten über ein "telemedizinisches Sorgentelefon" stets zu erreichen ist.

Telemedizin-Patienten rufen seltener den Notarzt

"Unsere Untersuchung mit rund 480 Patienten, die zum Teil telemedizinisch betreut wurden, hat gezeigt, dass die Patienten sich persönlich sicherer fühlen und zuverlässiger ihre Medikamente einnehmen", erklärte Dr. Christian Zugck, der als Oberarzt in der Heidelberger Klinik die telemedizinische Betreuung leitet. Nur bei zwei Prozent der kritischen Meldungen musste der Arzt wegen Über- oder Unterschreitens von Grenzwerten bei Körpergewicht, Blutdruck und Sauerstoffsättigung eine umgehende Behandlung veranlassen; in zwei von 93 notfallmäßigen Situationen musste tatsächlich der Notarzt gerufen werden. Sehr viele Patienten gaben auf Befragung an, dass sie ohne die telemedizinische Unterstützung wesentlich häufiger beim Notarzt, Hausarzt oder in der Klinik Hilfe gesucht hätten.

"Die telemedizinische Unterstützung ist nur für die ersten sechs Monate nach Entlassung aus der Klinik vorgesehen", erklärt Dr. Zugck. Wenn die Behandlung stabilisiert ist, kann die Überwachung in der Regel reduziert werden. Bei Bedarf kommen jedoch sämtliche Geräte wieder zum Einsatz.

Literatur:

C. Zugck, M. Nelles, L. Frankenstein, C. Schultz, T. Helms, H. Korb, H.A. Katus, A. Remppis: Telemedizinisches Monitoring bei herzinsuffizienten Patienten. Herzschr Elektrophys 16:176-182(2005).

(Der Originalartikel kann bei der Pressestelle des Universitätsklinikums Heidelberg unter contact@med.uni-heidelberg.de angefordert werden)

Ansprechpartner:

Professor Hugo A. Katus
Telefon: 06221 / 56 8670 (Sekretariat)
E-Mail: sekretariat.katus@med.uni-heidelberg.de
Dr. Christian Zugck
E-Mail: christian.zugck@med.uni-heidelberg.de
Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: Annette_Tuffs@med.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/presse

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