Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Analyse im neuen IMK Report - Kombilöhne: Flächendeckende Einführung massive Belastung für öffentliche Finanzen

22.03.2006


Kombilöhne schaffen kaum zusätzliche Beschäftigung für gering Qualifizierte. Stattdessen würde eine flächendeckende und unbefristete Einführung die öffentlichen Haushalte massiv belasten - bis hin zu Zusatzausgaben in zweistelliger Milliardenhöhe. Damit wirken sich breit angelegte Kombilohnmodelle eher kontraproduktiv auf Gesamtnachfrage, Wirtschaftswachstum und Arbeitsmarkt aus. Das zeigt eine gemeinsame Analyse des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) und des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung.



Für ihre Untersuchung, die am heutigen Mittwoch im neuen IMK Report erscheint, analysierten Expertinnen und Experten der beiden Institute die bekanntesten Kombilohnmodelle, die in Deutschland, Frankreich und den USA praktisch erprobt wurden oder in letzter Zeit von Wissenschaftlern vorgeschlagen worden sind. Dazu zählen unter anderem das "Mainzer Modell" und das "Hamburger Modell", das Kombilohn-Konzept des Münchner Ifo-Instituts oder die von Magdeburger Ökonomen propagierte "Magdeburger Alternative".



"Insgesamt fallen die Netto-Beschäftigungseffekte eher bescheiden aus. Mitnahme- und Verdrängungseffekte schmälern die Beschäftigungswirksamkeit", resümieren die Forscher. So weisen die in Deutschland bereits praktizierten Modelle eine relativ geringe Reichweite (maximal etwas über 15000 Geförderte) und oft hohe Abbruchquoten auf. Durch den Ifo-Vorschlag, der drastische Kürzungen bei Lohnersatzleistungen zur Voraussetzungen für ein Kombilohnmodell machen will, "würde die ohnehin schon schwache Binnennachfrage noch weiter gedrückt", warnen die Experten von IMK und WSI. Angesichts eines permanent wachsenden Niedriglohnsektors sei ohnehin kein Mangel an niedrig bezahlten Stellen für gering Qualifizierte zu erkennen.

Die "Magdeburger Alternative" weist nach der IMK/WSI-Analyse wiederum so schwerwiegende methodische Probleme auf, dass die positiven Prognosen über 1,8 Millionen zusätzliche Arbeitsplätze und einen fiskalischen Nettogewinn nicht nachvollziehbar sind. Allein schon bei der Berücksichtigung von Mitnahmeeffekten ergeben sich ganz andere Ergebnisse: Die öffentliche Hand müsste Zusatzkosten von 10,5 Milliarden Euro tragen. Dabei entstünden maximal 550 000 zusätzliche Stellen, wobei die negativen Effekte der Gegenfinanzierung noch nicht eingerechnet sind. "Das beschäftigungspolitische und fiskalische Wunder löst sich in Luft auf", konstatieren die Forscher.

Für überlegenswert halten die Wissenschaftler das von den Grünen vorgeschlagene Progressivmodell, das Arbeitnehmer mit niedrigem Einkommen - ähnlich wie ein Konzept des Deutschen Gewerkschaftsbundes - teilweise von Sozialbeiträgen entlastet. Neben einem begrenzten positiven Beschäftigungseffekt könnten derartige Regelungen Geringverdiener vor Armut schützen.

Generell sollten Kombilohnmodelle aber stets gezielt auf bestimmte Problemgruppen am Arbeitsmarkt beschränkt sowie mit Qualifizierungsmaßnahmen kombiniert werden, empfehlen die Wissenschaftler. Zudem zeige der Blick ins Ausland, dass die Frage nach Kombilöhnen nicht von der Frage nach Mindestlöhnen getrennt werden sollte: "Nur wenn Lohnuntergrenzen bestehen, kann vermieden werden, dass Kombilöhne die Abwärtsspirale bei den Löhnen verstärken."

Rainer Jung | idw
Weitere Informationen:
http://www.boeckler.de/cps/rde/xchg/hbs/hs.xsl/320_73794.html

Weitere Berichte zu: IMK Kombilohn Kombilohnmodell Qualifiziert WSI

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Blinddarmentzündungen bei Kindern: Ultraschall als erstes Mittel zur exakten Diagnose
28.11.2019 | Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM)

nachricht Biologen der TU Dresden untersuchen Spermienqualität anhand ihres Stoffwechsels
28.11.2019 | Technische Universität Dresden

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Geminiden - Die Wünsch-dir-was-Sternschnuppen vor Weihnachten

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde (VdS) und des Hauses der Astronomie in Heidelberg - Die Geminiden, die Mitte Dezember zu sehen sind, sind der "zuverlässigste" der großen Sternschnuppen-Ströme mit bis zu 120 Sternschnuppen pro Stunde. Leider stört in diesem Jahr der Mond zur besten Beobachtungszeit.

Sie wurden nach dem Sternbild Zwillinge benannt: Die „Geminiden“ sorgen Mitte Dezember immer für ein schönes Sternschnuppenschauspiel. In diesem Jahr sind die...

Im Focus: Electronic map reveals 'rules of the road' in superconductor

Band structure map exposes iron selenide's enigmatic electronic signature

Using a clever technique that causes unruly crystals of iron selenide to snap into alignment, Rice University physicists have drawn a detailed map that reveals...

Im Focus: Das 136 Millionen Atom-Modell: Wissenschaftler simulieren Photosynthese

Die Umwandlung von Sonnenlicht in chemische Energie ist für das Leben unerlässlich. In einer der größten Simulationen eines Biosystems weltweit haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler diesen komplexen Prozess an einem Bestandteil eines Bakteriums nachgeahmt – am Computer, Atom um Atom. Die Arbeit, die jetzt in der renommierten Fachzeitschrift „Cell“ veröffentlicht wurde, ist ein wichtiger Schritt zum besseren Verständnis der Photosynthese in einigen biologischen Strukturen. An der internationalen Forschungskooperation unter Leitung der University of Illinois war auch ein Team der Jacobs University Bremen beteiligt.

Das Projekt geht zurück auf eine Initiative des inzwischen verstorbenen, deutsch-US-amerikanischen Physikprofessors Klaus Schulten von der University of...

Im Focus: Developing a digital twin

University of Texas and MIT researchers create virtual UAVs that can predict vehicle health, enable autonomous decision-making

In the not too distant future, we can expect to see our skies filled with unmanned aerial vehicles (UAVs) delivering packages, maybe even people, from location...

Im Focus: Freiformflächen bis zu 80 Prozent schneller schlichten: Neue Werkzeuge und Algorithmen für die Fräsbearbeitung

Beim Schlichtfräsen komplexer Freiformflächen können Kreissegment- oder Tonnenfräswerkzeuge jetzt ihre Vorteile gegenüber herkömmlichen Werkzeugen mit Kugelkopf besser ausspielen: Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen entwickelte im Forschungsprojekt »FlexiMILL« gemeinsam mit vier Industriepartnern passende flexible Bearbeitungsstrategien und implementierte diese in eine CAM-Software. Auf diese Weise lassen sich große frei geformte Oberflächen nun bis zu 80 Prozent schneller bearbeiten.

Ziel im Projekt »FlexiMILL« war es, für die Bearbeitung mit Tonnenfräswerkzeugen nicht nur neue, verbesserte Werkzeuggeometrien zu entwickeln, sondern auch...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

QURATOR 2020 – weltweit erste Konferenz für Kuratierungstechnologien

04.12.2019 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Arbeit

03.12.2019 | Veranstaltungen

Intelligente Transportbehälter als Basis für neue Services der Intralogistik

03.12.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vulkan „F“ ist der Ursprung der schwimmenden Steine

09.12.2019 | Geowissenschaften

Magnetschwebetrennung in der Drogenfahndung - Analyse illegaler Substanzen in Pulver durch magnetische Levitation

09.12.2019 | Biowissenschaften Chemie

Luftverschmutzung: IASS legt erstes Emissionsinventar für Nepal vor

09.12.2019 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics