Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Studie zum Umbau der Bundesagentur für Arbeit: Effizienz steigt, aber Konflikte bei Vermittlungsstrategie

21.03.2006


Die Organisationsreform bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) hat wichtige Abläufe in der täglichen Arbeit der Arbeitsagenturen effizienter gemacht. Davon profitieren Arbeitsuchende ebenso wie die Vermittlungskräfte. Gleichzeitig haben sich bei der Vermittlungsstrategie der BA aber traditionelle Zielkonflikte durch die Reform verschärft. Weil die Agenturen insgesamt stärker auf Effizienz setzen müssen, tritt ein "Dilemma zwischen Wirtschaftlichkeit und sozialem Auftrag zu Tage". Besonders deutlich wird das Spannungsverhältnis bei der Frage, auf welche Gruppen von Arbeitsuchenden die BA ihre Angebote konzentrieren soll. Zu diesem Schluss kommt Dr. Volker Hielscher vom Institut für Sozialforschung und Sozialwirtschaft (iso) in einem Beitrag in der aktuellen Ausgabe der WSI-Mitteilungen.* Das iso untersucht im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales den Umbau der BA. Das Projekt ist Teil der umfassenden Evaluierung der Hartz-Gesetze.



Auf Grundlage von rund 200 Interviews mit Beschäftigten und Führungskräften in Arbeitsagenturen, Regionaldirektionen und der Nürnberger Zentrale zieht der Forscher ein differenziertes Zwischenfazit des Umbaus: Positiv wirken Veränderungen wie das neu geschaffene "Kundenzentrum", das störungsfreie Beratungsgespräche möglich macht. Die Vermittlungsfachkräfte können nur noch mit Termin besucht und nicht mehr direkt angerufen werden, Standardanfragen übernimmt ein telefonisches Service-Center oder der Empfang in der Arbeitsagentur. Dagegen ist der Zuwachs an Eigenverantwortung und Flexibilität bei der Vermittlungsarbeit, den viele Mitarbeiter der BA erhofft hatten, ausgeblieben. Standardisierte "Handlungsprogramme" setzen enge Rahmen.



Zwiespältig bewertet der Forscher auch die von betriebswirtschaftlichen Effizienzvorgaben beeinflusste Strategie, sich bei den Vermittlungsanstrengungen besonders auf jene Arbeitsuchende und Unternehmen zu konzentrieren, bei denen ein rascher Erfolg möglich erscheint. So würden auf Unternehmensseite vor allem größere Firmen mit hohem Personalumsatz angesprochen. Bei den Arbeitsuchenden konzentrierten sich die Angebote auf "das mittlere Kundensegment". So genannte "Betreuungskunden", die einen besonders hohen Beratungs- und Qualifizierungsbedarf haben, könnten die Vermittlungsfachkräfte dagegen weniger stark berücksichtigen, resümiert Hielscher: "Faktisch werden Betreuungskunden, für die noch im Bericht der `Hartz-Kommission´ die intensivste Unterstützung vorgesehen war, in Nicht-Betreuungskunden verwandelt."

*Volker Hielscher: Reorganisation der Bundesagentur für Arbeit: "Moderner Dienstleister" für wen? In: WSI-Mitteilungen 3/2006

Rainer Jung | idw
Weitere Informationen:
http://www.boeckler.de/pdf/impuls_2006_06_6.pdf

Weitere Berichte zu: Arbeitsagentur Bundesagentur Effizienz Vermittlungsstrategie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie am Dresdner Uniklinikum: Schädel-Hirn-Trauma – bleibt´s beim kurzen Schrecken?
18.06.2019 | Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden

nachricht Drei Viertel der Flüsse weltweit durch menschliche Eingriffe in ihrem Lauf beeinträchtigt
09.05.2019 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Experimental physicists redefine ultrafast, coherent magnetism

For the first time ever, experimental physicists have been able to influence the magnetic moment of materials in sync with their electronic properties. The coupled optical and magnetic excitation within one femtosecond corresponds to an acceleration by a factor of 200 and is the fastest magnetic phenomenon that has ever been observed.

Electronic properties of materials can be directly influenced via light absorption in under a femtosecond (10-15 seconds), which is regarded as the limit of...

Im Focus: Robotic Printed Morphologies: 3D-Betondrucker verwandelt Forschungsstahlgerüst in eine temporäre Skulptur

Im Bauhaus-Jubiläumsjahr können Besucherinnen und Besucher der Jahresschau summaery2019 eine einzigartige robotische Installation live erleben: In einem neuartigen 3D-Druckprozesses verarbeitet ein Seilroboter zementöses Material zu Modulen, die die Architektur des Forschungsbaus x.Stahl, eine offene Stahlstruktur, sukzessive mit einer temporären Verkleidung überziehen.

Das Prinzip des Seilroboters ist den meisten Menschen wohl im Rahmen von Fußballübertragungen begegnet: an vier Kunstfaserseilen gelagert, kann sich der...

Im Focus: Einzelne Atome im Visier

Mit der NMR-Spektroskopie ist es in den letzten Jahrzehnten möglich geworden, die räumliche Struktur von chemischen und biochemischen Moleküle zu erfassen. ETH-Forschende haben nun einen Weg gefunden, wie man dieses Messprinzip auf einzelne Atome anwenden kann.

Die Kernspinresonanz-Spektroskopie – kurz NMR-Spektroskopie – ist eine der wichtigsten physikalisch-chemischen Untersuchungsmethoden. Damit lässt sich...

Im Focus: Partielle Mondfinsternis am 16./17. Juli 2019

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde (VdS) und des Hauses der Astronomie in Heidelberg - Wie im letzten Jahr findet auch 2019 eine in den späten Abendstunden in einer lauen Sommernacht gut zu beobachtende Mondfinsternis statt, und zwar in der Nacht vom 16. auf den 17. Juli. Die Finsternis ist zwar nur partiell - der Mond tritt also nicht vollständig in den Erdschatten ein - es ist aber für die nächsten Jahre die einzige gut sichtbare Mondfinsternis im deutschen Sprachraum.

Am Dienstagabend, den 16. Juli, wird ein kosmisches Schauspiel zu sehen sein: Der Vollmond taucht zu einem großen Teil in den Schatten der Erde ein, es findet...

Im Focus: Fraunhofer IDMT zeigt akustische Qualitätskontrolle auf der Fachmesse für Messtechnik »Sensor + Test 2019«

Das Ilmenauer Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie IDMT präsentiert vom 25. bis 27. Juni 2019 am Gemeinschaftsstand der Fraunhofer-Gesellschaft (Stand 5-248) seine neue Lösung zur berührungslosen, akustischen Qualitätskontrolle von Werkstücken und Bauteilen. Da die Prüfung zerstörungsfrei funktioniert, kann teurer Prüfschrott vermieden werden. Das Prüfverfahren wird derzeit gemeinsam mit verschiedenen Industriepartnern im praktischen Einsatz erfolgreich getestet und hat das Technology Readiness Level (TRL) 6 erreicht.

Maschinenausfälle, Fertigungsfehler und teuren Prüfschrott reduzieren

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Robotic Printed Morphologies: 3D-Betondrucker verwandelt Forschungsstahlgerüst in eine temporäre Skulptur

26.06.2019 | Veranstaltungen

Innovationstag NEULAND: Erfindungen zum Anfassen

26.06.2019 | Veranstaltungen

17. Internationale Conference on Carbon Dioxide Utilization in Aachen

25.06.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Eine Brücke zur Quantenwelt

27.06.2019 | Informationstechnologie

Netzwerke der Genaktivität steuern die Organentwicklung

27.06.2019 | Biowissenschaften Chemie

Wie Zytomegalieviren in Schach gehalten werden

27.06.2019 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics