Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Jeder Dritte kennt keinen einzigen Risikofaktor für Schlaganfall

06.03.2006


Größte deutsche Studie zum Risikowissen über Schlaganfall in der Bevölkerung



32 Prozent der rund 28.000 Befragten im Alter von über 50 Jahren konnten keinen einzigen Risikofaktor für Schlaganfall benennen, nur 13 Prozent kannten vier Faktoren. "Potentiell gefährdete Personen waren dabei zum Teil nicht besser informiert als jene mit geringerem Risiko", so Professor Dr Stefan Willich, Leiter der Forschergruppe an der Berliner Charité. Hauptinformationsquelle sind für die überwiegende Mehrheit die Massenmedien. Die Ergebnisse der größten deutschen Kompetenznetz-Studie zum Risikowissen in der Bevölkerung wurden vorab online im Fachjournal Stroke (doi:10.1161/01.STR.0000209332.96513.82) veröffentlicht.



Die Berliner Studie wurde im Rahmen des Kompetenznetzes Schlaganfall unter der Leitung von Professor Dr Stefan Willich vom "Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie" und Professor Dr. Arno Villringer von der "Klinik für Neurologie" der Charité Campus Mitte durchgeführt.

Der Schlaganfall ist die dritthäufigste Todesursache und die häufigste Ursache für erworbene Behinderungen im Erwachsenenalter in Deutschland. Jedes Jahr erleiden hierzulande mehr als 150.000 Menschen erstmals einen Schlaganfall, davon versterben rund 40 Prozent binnen eines Jahres. Fast zwei Drittel der Patienten, die einen Schlaganfall überleben, sind behindert und auf fremde Hilfe angewiesen.

Weniger Schlaganfälle durch Verminderung von Risikofaktoren

Effektive und zielgerichtete Aufklärung über Risiken und Symptome des Schlaganfalls könnte viele Schlaganfälle verhindern bzw. seine gesundheitlichen Folgen und Kosten mindern. Studien belegen für den Schlaganfall, dass durch konsequente Verminderung der wichtigsten beeinflussbaren Risikofaktoren, wie Bluthochdruck, Diabetes, Rauchen, Bewegungsmangel und Fettstoffwechselstörungen, ein großer Teil der Erkrankungen verhindert werden könnte. Neben den beeinflussbaren gibt es auch nicht beeinflussbare Faktoren wie Lebensalter, Herzfehler und Vererbung.

An der schriftlich durchgeführten Befragung beteiligten sich 28.090 von 75.720 zufällig ausgewählten Berliner Bürgern im Alter von über 50 Jahren. Die Altersgruppe der über 50-jährigen wurde ausgewählt, da das Schlaganfallrisiko mit zunehmendem Lebensalter deutlich ansteigt. Neben dem Wissen über Risikofaktoren und dem soziodemografischen Hintergrund (Alter, Geschlecht, Bildungsniveau und Nationalität) wurden auch die Informationsquellen erfragt. Die Befragten konnten bis zu vier Risikofaktoren angeben.

Das Ergebnis: 32 Prozent kannten keinen einzigen Risikofaktor, 10 Prozent nannten einen, 20 Prozent zwei, 25 Prozent drei und 13 Prozent vier richtige Risikofaktoren. Dabei waren Bluthochdruck, Rauchen und Übergewicht die am häufigsten erwähnten Risikofaktoren, während Diabetes und Herzerkrankungen weniger bekannt waren. Die wichtige Beziehung zwischen Herz und Hirn, die Kenntnis, dass ein Schlaganfall - also ein Hirninfarkt - sehr ähnliche Ursachen haben kann wie ein Herzinfarkt, war nicht weit verbreitet. Zudem waren potentiell gefährdete Gruppen wie z. B. ältere Personen und Patienten, die bereits einen Schlaganfall erlitten hatten - und damit ein hohes Risiko für einen weiteren Hirninfarkt aufwiesen -, nicht zwangsläufig besser informiert als jene mit geringerem Risiko.

Aufklärungsbedarf in der Bevölkerung

Besseres Wissen war signifikant nicht nur mit einem geringeren Alter, sondern auch mit einem höheren Bildungsstand, der deutschen Staatsangehörigkeit und wenn die Befragten in einem Mehrpersonenhaushalt lebten, verknüpft. Außerdem waren Teilnehmer besser über Risikofaktoren informiert, wenn sie die Information innerhalb des letzten Jahres erhalten hatten. Die überwiegende Mehrheit bezog ihre Informationen aus den Massenmedien (82 Prozent), gefolgt von Familien und Freunden (45 Prozent) und Hausärzten (20 Prozent). Dabei erhielten potentiell gefährdete Personen, wie ältere Menschen, Männer und jene Patienten mit einer Schlaganfallvorgeschichte, eher Informationen durch ihren Hausarzt.
"Die Studie macht deutlich, dass es noch einen deutlichen Aufklärungsbedarf in der Bevölkerung, insbesondere in den Risikogruppen, gibt", betont Willich. Außerdem nutzen spezifische Risikogruppen unterschiedliche Informationsquellen. Dies sollte in künftigen Aufklärungsstrategien mehr Beachtung finden, so die Autoren der Studie.

Kompetenznetz Schlaganfall

Die Studie wurde im Rahmen des Kompetenznetzes Schlaganfall durchgeführt, einem seit 1999 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten bundesweiten Netzwerk, in dem Akteure der Versorgung, klinische Wissenschaftler und Grundlagenforscher eng zusammen arbeiten. Ziel ist es, die Kompetenz der beteiligten führenden Forschergruppen zu bündeln, die Kommunikation zwischen Wissenschaftlern, Ärzten und Betroffenen zu verbessern - und damit die Schlaganfallforschung noch effizienter voranzutreiben.

Jacqueline Müller-Nordhorn, Christian H. Nolte, Karin Rossnagel, Gerhard J. Jungehülsing, Andreas Reich, Stephanie Roll, Arno Villringer, and Stefan N. Willich. Knowledge About Risk Factors for Stroke. A Population-Based Survey With 28 090 Participants.Stroke, März 2006; doi:10.1161/01.STR.0000209332.96513.82

Weitere Informationen erhalten Sie von:
Prof. Dr. Stefan N. Willich
Inst. f. Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie
Charité Campus Mitte
Tel.: 030 450 529 002, Mobil: 0173/ 340 1990
Stefan.willich@charite.de

Pressestelle:
Liane Clevert
Tel.: 030 - 450 560 145 / 142
Fax: 030 - 450 560 952
liane.clevert@charite.de

Liane Clevert | idw
Weitere Informationen:
http://www.kompetenznetz-schlaganfall.de
http://www.kompetenznetze-medizin.de

Weitere Berichte zu: Rauchen Risikofaktor Sozialmedizin

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Auch psychologische Placebos haben eine Wirkung
05.02.2019 | Universität Basel

nachricht ILIGHTS: Studie bestätigt Einfluss von künstlichem Licht auf Wechselschichtarbeiter
04.02.2019 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Grüne Spintronik: Mit Spannung Superferromagnetismus erzeugen

Ein HZB-Team hat zusammen mit internationalen Partnern an der Lichtquelle BESSY II ein neues Phänomen in Eisen-Nanokörnern auf einem ferroelektrischen Substrat beobachtet: Die magnetischen Momente der Eisenkörner richten sich superferromagnetisch aus, sobald eine elektrische Spannung anliegt. Der Effekt funktioniert bei Raumtemperatur und könnte zu neuen Materialien für IT-Bauelemente und Datenspeicher führen, die weniger Energie verbrauchen.

In heutigen Datenspeichern müssen magnetische Domänen mit Hilfe eines externen Magnetfeld umgeschaltet werden, welches durch elektrischen Strom erzeugt wird....

Im Focus: Regensburger Physiker beobachten, wie es sich Elektronen gemütlich machen

Und können dadurch mit ihrer neu entwickelten Mikroskopiemethode Orbitale einzelner Moleküle in verschiedenen Ladungszuständen abbilden. Die internationale Forschergruppe der Universität Regensburg berichtet über ihre Ergebnisse unter dem Titel “Mapping orbital changes upon electron transfer with tunnelling microscopy on insulators” in der weltweit angesehenen Fachzeitschrift ,,Nature‘‘.

Sie sind die Grundbausteine der uns umgebenden Materie - Atome und Moleküle. Die Eigenschaften der Materie sind oftmals jedoch nicht durch diese Bausteine...

Im Focus: Regensburg physicists watch electron transfer in a single molecule

For the first time, an international team of scientists based in Regensburg, Germany, has recorded the orbitals of single molecules in different charge states in a novel type of microscopy. The research findings are published under the title “Mapping orbital changes upon electron transfer with tunneling microscopy on insulators” in the prestigious journal “Nature”.

The building blocks of matter surrounding us are atoms and molecules. The properties of that matter, however, are often not set by these building blocks...

Im Focus: Universität Konstanz gewinnt neue Erkenntnisse über die Entwicklung des Immunsystems

Wissenschaftler der Universität Konstanz identifizieren Wettstreit zwischen menschlichem Immunsystem und bakteriellen Krankheitserregern

Zellbiologen der Universität Konstanz publizieren in der Fachzeitschrift „Current Biology“ neue Erkenntnisse über die rasante evolutionäre Anpassung des...

Im Focus: University of Konstanz gains new insights into the recent development of the human immune system

Scientists at the University of Konstanz identify fierce competition between the human immune system and bacterial pathogens

Cell biologists from the University of Konstanz shed light on a recent evolutionary process in the human immune system and publish their findings in the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Thema Desinformation in Online-Medien

15.02.2019 | Veranstaltungen

FfE-Energietage 2019 - Die Energiewelt heute und morgen vom 1. bis 4. April 2019 in München

15.02.2019 | Veranstaltungen

Deutscher Fachkongress für kommunales Energiemanagement: Fokus Energie – Architektur – BauKultur

13.02.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Katalysatoren - Fluktuationen machen den Weg frei

15.02.2019 | Biowissenschaften Chemie

Berührungsgeschützt, kompakt, einfach: Rittal erweitert Board-Technologie

15.02.2019 | Energie und Elektrotechnik

Wie kann digitales Lernen gelingen? Lern-Prototypen werden auf der didacta vorgestellt

15.02.2019 | Bildung Wissenschaft

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics