Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ein Jahr Emissionshandel: Deutsche Unternehmen kritisieren Klimaschutzinstrument

21.02.2006


Insbesondere geringe Effizienz und hohe Kosten bemängelt. Aktuelle Studie liefert erstmals umfassende Erfahrungen aus Firmensicht.

Der Handel mit den vor einem Jahr eingeführten Emissionszertifikaten ist in Deutschland bislang wenig erfolgreich. Die Kosten, die das internationale Klimaschutzinstrument verursacht sind zu hoch, die positiven Effekte für den Umweltschutz zu gering. Auch der erhoffte Handel zwischen den Unternehmen findet nur in geringem Umfang statt. Das sind zentrale Ergebnisse der aktuellen Studie von EuPD Research „Emissionshandel – Eine Bilanz. Erste Erfahrungen deutscher Unternehmen mit dem europäischen Emissionshandelssystems (EU ETS) 2005/06“, in der Betroffene Auskunft über ihre Erfahrungen mit dem System sowie ihre Vorgehensweise beim Handeln geben. „Die Wirkung des Instruments ist unter Experten umstritten. Während sich Stimmen aus der Politik teilweise kritisch äußern, fällt das Urteil von Emissionshändlern eher positiv aus“, sagt Daniela Schreiber, Projektleiterin bei EuPD Research.

Durch den Emissionshandel soll im Rahmen der Umsetzung des Kyoto-Protokolls der Kohlendioxidausstoß gesenkt werden. Die Europäische Union setzt das Verfahren im Rahmen des EU ETS um. Unternehmen, die dem EU ETS unterliegen, erhalten für ihre CO2 produzierenden Anlagen ein kostenloses Emissionsbudget, das ein Minderungsziel für den CO2-Ausstoß beinhaltet. Sie haben sowohl die Möglichkeit, ihre Zertifikate weiterzuverkaufen als auch neue von anderen Firmen dazuzukaufen.

Die Meinung der befragten Unternehmen: In seiner jetzigen Form ist das Klimaschutzverfahren wenig effizient. Neben den administrativen Hürden und hohen Umsetzungskosten bemängeln die betroffenen Firmen vor allem die unzureichende Umsetzung durch die Teilnehmer. So handeln erst rund ein Viertel der befragten Unternehmen aktiv mit den CO2-Zertifikaten, darunter fast die Hälfte der Energieversorger. „Gründe dafür sind neben der Komplexität des Systems auch fehlende Erfahrungen mit dem Instrument. Zudem können viele Unternehmen ihren Bedarf an Zertifikaten noch schlecht einschätzen“, sagt Schreiber.

Weitere Angebote zur Verbesserung ihres Emissionsbudgets, so die Studie, nehmen die Firmen bisher ebenfalls nur selten wahr. Als Hauptgründe für die Zurückhaltung bei der Teilnahme an internationalen und zwischenstaatlichen Klimaschutzprojekten nennen die Befragten die hohen Kosten sowie die Unsicherheit darüber, ob damit neue Emissionszertifikaten gewonnen werden können. Zudem ist der Bedarf an zusätzlichen Zertifikaten in der ersten Handelsperiode noch gering, Klimaschutzmaßnahmen werden von den Betroffenen erst langfristig umgesetzt. Zudem greifen die Firmen zur Senkung des CO2-Ausstoßes nicht nur auf den Zertifikatehandel zurück.

68 Prozent der Unternehmen denken über die Durchführung genereller Modernisierungsmaßnahmen an ihren Anlagen nach, jeder Dritte könnte sich vorstellen, bei der Produktion verstärkt erneuerbare Energieträger einzusetzen.

Neben den Aussagen zur Umsetzung des Systems in den Betrieben sowie zu deren Handlungsweise gibt die Studie einen Überblick über die Bewertung des Systems in den unterschiedlichen Unternehmenssektoren. Dabei deckt sie nicht nur Defizite und Probleme des Emissionshandels auf, sondern stellt auch die Vorteile und Chancen dar, die ein solches System bietet.

Insgesamt wurden alle 1070 in Deutschland tätigen Firmen aus dem Bereich der Energiewirtschaft sowie der energieintensiven Industrie angesprochen, deren 1849 Anlagen dem EU ETS unterliegen. In der Analyse sind 151 Unternehmen, die 357 Anlagen repräsentieren, berücksichtigt. Bewertet und ergänzt wurden die Ergebnisse in Tiefeninterviews mit Marktexperten von betroffenen Branchen, Verbänden und Universitäten sowie mit Emissionshändlern und Unternehmensberatern.

Weitere Informationen über die aktuelle EuPD Research-Studie „Emissionshandel - Eine Bilanz. Erste Erfahrungen deutscher Unternehmen mit dem EU ETS 2005/06“ unter:

Europressedienst Bonn Caroline Rosin Fon +49 (0)228 - 42 966 - 42 Email c.rosin@europressedienst.com

Caroline Rosin, M.A. | Europressedienst Bonn
Weitere Informationen:
http://www.europressedienst.com

Weitere Berichte zu: ETS Emissionshandel EuPD Klimaschutzinstrument Zertifikat

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Auch psychologische Placebos haben eine Wirkung
05.02.2019 | Universität Basel

nachricht ILIGHTS: Studie bestätigt Einfluss von künstlichem Licht auf Wechselschichtarbeiter
04.02.2019 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Laserverfahren für funktionsintegrierte Composites

Composites vereinen gewinnbringend die Vorteile artungleicher Materialien – und schöpfen damit zum Beispiel Potentiale im Leichtbau aus. Auf der JEC World 2019 im März in Paris präsentieren die Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein breites Spektrum an laserbasierten Technologien für die effiziente Herstellung und Bearbeitung von Verbundmaterialien. Einblicke zu Füge- und Trennverfahren sowie zur Oberflächenstrukturierung erhalten Besucher auf dem Gemeinschaftsstand des Aachener Zentrums für integrativen Leichtbau AZL, Halle 5A/D17.

Experten des Fraunhofer ILT erforschen und entwickeln Laserprozesse für das wirtschaftliche Fügen, Schneiden, Abtragen oder Bohren von Verbundmaterialien –...

Im Focus: Grüne Spintronik: Mit Spannung Superferromagnetismus erzeugen

Ein HZB-Team hat zusammen mit internationalen Partnern an der Lichtquelle BESSY II ein neues Phänomen in Eisen-Nanokörnern auf einem ferroelektrischen Substrat beobachtet: Die magnetischen Momente der Eisenkörner richten sich superferromagnetisch aus, sobald eine elektrische Spannung anliegt. Der Effekt funktioniert bei Raumtemperatur und könnte zu neuen Materialien für IT-Bauelemente und Datenspeicher führen, die weniger Energie verbrauchen.

In heutigen Datenspeichern müssen magnetische Domänen mit Hilfe eines externen Magnetfeld umgeschaltet werden, welches durch elektrischen Strom erzeugt wird....

Im Focus: Regensburger Physiker beobachten, wie es sich Elektronen gemütlich machen

Und können dadurch mit ihrer neu entwickelten Mikroskopiemethode Orbitale einzelner Moleküle in verschiedenen Ladungszuständen abbilden. Die internationale Forschergruppe der Universität Regensburg berichtet über ihre Ergebnisse unter dem Titel “Mapping orbital changes upon electron transfer with tunnelling microscopy on insulators” in der weltweit angesehenen Fachzeitschrift ,,Nature‘‘.

Sie sind die Grundbausteine der uns umgebenden Materie - Atome und Moleküle. Die Eigenschaften der Materie sind oftmals jedoch nicht durch diese Bausteine...

Im Focus: Regensburg physicists watch electron transfer in a single molecule

For the first time, an international team of scientists based in Regensburg, Germany, has recorded the orbitals of single molecules in different charge states in a novel type of microscopy. The research findings are published under the title “Mapping orbital changes upon electron transfer with tunneling microscopy on insulators” in the prestigious journal “Nature”.

The building blocks of matter surrounding us are atoms and molecules. The properties of that matter, however, are often not set by these building blocks...

Im Focus: Universität Konstanz gewinnt neue Erkenntnisse über die Entwicklung des Immunsystems

Wissenschaftler der Universität Konstanz identifizieren Wettstreit zwischen menschlichem Immunsystem und bakteriellen Krankheitserregern

Zellbiologen der Universität Konstanz publizieren in der Fachzeitschrift „Current Biology“ neue Erkenntnisse über die rasante evolutionäre Anpassung des...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Bildung digital und multikulturell: Große Fachtagung GEBF findet an der Uni Köln statt

18.02.2019 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Thema Desinformation in Online-Medien

15.02.2019 | Veranstaltungen

FfE-Energietage 2019 - Die Energiewelt heute und morgen vom 1. bis 4. April 2019 in München

15.02.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Autonomes Fahren mit Blockchain: Bayreuther Studierende siegen im internationalen MOBI-Wettbewerb

18.02.2019 | Förderungen Preise

Bildung digital und multikulturell: Große Fachtagung GEBF findet an der Uni Köln statt

18.02.2019 | Veranstaltungsnachrichten

Beschreibung der Berry-Curvature und Chern-Zahlen durch Berechnung von Bloch-Zuständen

18.02.2019 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics