Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bei Mastdarmkrebs garantiert Schlüssellochchirurgie gleiche Sicherheit wie offene OP

24.01.2006


Studie der Chirurgischen Klinik des HELIOS Klinikums Berlin-Buch veröffentlicht



Die minimalinvasive Entfernung des Rektumkarzinoms (Mastdarmkrebs) ist offenen chirurgischen Verfahren zumindest gleichwertig. Zu diesem Ergebnis kommt eine Langzeituntersuchung der Chirurgischen Klinik des HELIOS Klinikums Berlin-Buch. Die Bucher Erfahrungen werden durch eine parallel dazu durchgeführte Literaturstudie bestätigt. Mastdarmkrebs gehört mit jährlich 17.000 Neuerkrankungen zu den häufigen Krebsarten in Deutschland.



In der Chirurgischen Klinik des HELIOS Klinikums Berlin-Buch wurden zwischen 1992 und 2003 insgesamt 1.000 Darmoperationen mit Hilfe der Schlüssellochchirurgie durchgeführt. Darunter waren 601 Patienten mit gutartigen Erkrankungen und 399 Patienten mit Darmkrebs. Von diesen Krebspatienten litten wiederum 205 an einem Kolon- und 194 an einem Rektumkarzinom.

Während die Fachwelt die "Schlüssellochchirurgie" bei gutartigen Erkrankungen akzeptiert, wird der Einsatz der minimalinvasiven Technik bei bösartigen Tumoren und speziell beim Mastdarm-krebs kontrovers diskutiert. Skeptiker befürchten, dass die minimalinvasive Chirurgie nicht in der Lage ist, die Krebszellen mit der gleichen Sicherheit zu entfernen wie durch offene Verfahren. Befürchtet wird ferner eine Tumorverschleppung über die feinen Instrumente (Trokare). Diese sogenannten "port-site"-Metastasen wurden in der Frühzeit der minimalinvasiven Chirurgie häufiger vermutet.

Nach der Bucher Untersuchung bestehen jedoch bezüglich der Tumorradikalität keine Nachteile gegenüber den offenen Operationsverfahren. Betrachtet man die allgemeine Operationssituation sogar erhebliche Vorteile. So beträgt die Fünf-Jahres-Überlebensrate nach einem kurativen Eingriff 76,9 Prozent. Schließt man die Patienten aus, die aus anderer Ursache als ihrem Tumorleiden verstarben, sogar 87,7 Prozent. Eine "port-site"-Metastase wurde lediglich bei einem Patienten (0,5 Prozent) beobachted, der unter einem metastasierten Tumorleiden litt.

Parallel dazu werteten die Bucher Chirurgen in einer Literaturstudie 25 weltweit erschienene Studien mit 2.038 Patienten mit Mastdarmkrebs, die sich einem Eingriff per Schlüssellochchirurgie unterzogen haben. Nach kurativen Eingriffen betrug die 5-Jahres-Überlebenszeit in den meisten Studien mehr als 65 Prozent. Bei drei Patienten wurden "port-site"-Metastasen entdeckt.

"Mit einer Rate von 0,13 Prozent kann aus unserer Sicht die Diskussion um eine potentielle laparoskopiebedingte Tumorzellverschleppung definitiv beendet werden", lautet der Bucher Kommentar.

Während in Buch keiner der 200 Patienten nach einem minimalinvasiven Eingriff verstarb, lag die postoperative Sterblichkeit in den 25 Kliniken, die im Rahmen der Literaturstudie ausgewertet wurden, zwischen 0 und 25 Prozent. Allerdings zeigt sich auch hier: Übung macht den Meister. In Kliniken mit Erfahrung aus mehr als 100 laparoskopischen Darmeingriffen lag die nachoperative Sterb-lichkeit unter 2,5 Prozent.

Fazit der Bucher Chirurgen: "Die sorgfältige Analyse der eigenen Ergebnisse und der Literaturdaten zeigt, dass die laparoskopische Rektumresektion in Bezug auf die Tumorradikalität und Überlebenszeit der Patienten der konventionellen Chirurgie mindestens ebenbürtig ist." Auch habe man nach minimalinvasiven Eingriffen keine erhöhte Komplikationsrate - wie Darmverschlüsse (Ileus), Narbenbrüche und Anastomoseninsuffizienzen (undichte Darmnähte)- feststellen können.

Hingegen habe die Schlüssellochchirurgie für den Patienten gegenüber den
konventionellen Verfahren eine Reihe wichtiger Vorteile: geringeres Operationstrauma, geringerer Blutverlust, weniger Schmerzen, kürzerer stationärer Aufenthalt und ein besseres kosmetisches Ergebnis mit kleinen Narben.

Pressekontakt:
HELIOS Klinikum Berlin-Buch.
Hermann Müller
Telefon: +49 30 94 01 - 20 84
E-Mail: hemueller@berlin.helios-kliniken.de

Torsten Böhmer | idw
Weitere Informationen:
http://www.helios-kliniken.de/berlin

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Auch psychologische Placebos haben eine Wirkung
05.02.2019 | Universität Basel

nachricht ILIGHTS: Studie bestätigt Einfluss von künstlichem Licht auf Wechselschichtarbeiter
04.02.2019 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Grüne Spintronik: Mit Spannung Superferromagnetismus erzeugen

Ein HZB-Team hat zusammen mit internationalen Partnern an der Lichtquelle BESSY II ein neues Phänomen in Eisen-Nanokörnern auf einem ferroelektrischen Substrat beobachtet: Die magnetischen Momente der Eisenkörner richten sich superferromagnetisch aus, sobald eine elektrische Spannung anliegt. Der Effekt funktioniert bei Raumtemperatur und könnte zu neuen Materialien für IT-Bauelemente und Datenspeicher führen, die weniger Energie verbrauchen.

In heutigen Datenspeichern müssen magnetische Domänen mit Hilfe eines externen Magnetfeld umgeschaltet werden, welches durch elektrischen Strom erzeugt wird....

Im Focus: Regensburger Physiker beobachten, wie es sich Elektronen gemütlich machen

Und können dadurch mit ihrer neu entwickelten Mikroskopiemethode Orbitale einzelner Moleküle in verschiedenen Ladungszuständen abbilden. Die internationale Forschergruppe der Universität Regensburg berichtet über ihre Ergebnisse unter dem Titel “Mapping orbital changes upon electron transfer with tunnelling microscopy on insulators” in der weltweit angesehenen Fachzeitschrift ,,Nature‘‘.

Sie sind die Grundbausteine der uns umgebenden Materie - Atome und Moleküle. Die Eigenschaften der Materie sind oftmals jedoch nicht durch diese Bausteine...

Im Focus: Regensburg physicists watch electron transfer in a single molecule

For the first time, an international team of scientists based in Regensburg, Germany, has recorded the orbitals of single molecules in different charge states in a novel type of microscopy. The research findings are published under the title “Mapping orbital changes upon electron transfer with tunneling microscopy on insulators” in the prestigious journal “Nature”.

The building blocks of matter surrounding us are atoms and molecules. The properties of that matter, however, are often not set by these building blocks...

Im Focus: Universität Konstanz gewinnt neue Erkenntnisse über die Entwicklung des Immunsystems

Wissenschaftler der Universität Konstanz identifizieren Wettstreit zwischen menschlichem Immunsystem und bakteriellen Krankheitserregern

Zellbiologen der Universität Konstanz publizieren in der Fachzeitschrift „Current Biology“ neue Erkenntnisse über die rasante evolutionäre Anpassung des...

Im Focus: University of Konstanz gains new insights into the recent development of the human immune system

Scientists at the University of Konstanz identify fierce competition between the human immune system and bacterial pathogens

Cell biologists from the University of Konstanz shed light on a recent evolutionary process in the human immune system and publish their findings in the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Thema Desinformation in Online-Medien

15.02.2019 | Veranstaltungen

FfE-Energietage 2019 - Die Energiewelt heute und morgen vom 1. bis 4. April 2019 in München

15.02.2019 | Veranstaltungen

Deutscher Fachkongress für kommunales Energiemanagement: Fokus Energie – Architektur – BauKultur

13.02.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Katalysatoren - Fluktuationen machen den Weg frei

15.02.2019 | Biowissenschaften Chemie

Berührungsgeschützt, kompakt, einfach: Rittal erweitert Board-Technologie

15.02.2019 | Energie und Elektrotechnik

Wie kann digitales Lernen gelingen? Lern-Prototypen werden auf der didacta vorgestellt

15.02.2019 | Bildung Wissenschaft

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics