Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

UNIK-Studie zum Wohnen im Alter: Wohngemeinschaften beliebter als Pflegeheime

17.01.2006


Wie will ich im Alter wohnen? Sind meine jetzigen vier Wände geeignet, sollte ich Hilfe bedürftig werden? Auf wen kann ich dann bauen? Diese und weitere Fragen haben sich 500 über 40-jährige Bürger aus Schauenburg (Landkreis Kassel) anlässlich der Studie "Älterwerden in Schauenburg" gestellt. Durchgeführt wird die Untersuchung von Prof. Fred Karl und Dr. Kirsten Aner vom Fachbereich Sozialwesen der Universität Kassel. Nach der öffentlichen Zwischenbilanz der Studie im November ist sie jetzt größtenteils ausgewertet.

Die Ergebnisse bestätigen, was ein altes Sprichwort über alte Bäume und ihre Verpflanzung sagt: Am liebsten würden die meisten Befragten in der bisherigen Wohnung wohnen bleiben. Doch befürchten etwa insbesondere Frauen, dass sie Pflege bedürftig werden könnten. Dann, meint ein Drittel der Studienteilnehmer, müssten sie ihre Wohnung verlassen. Aber auch für relativ rüstige Senioren werden Haus und Garten bald zu groß und ohne Auto fallen ungenügende Nahver-kehrsanbindungen schwer ins Gewicht. Hilfe aus den altershomogenen Nachbarschaften ist unwahrscheinlich. Das betrifft insbesondere Bewohner von Einfamilienhäusern, die gebaut wurden, als ihre Kinder klein waren - oft in der Hoffnung auf einen Mehrgenerationenhaushalt im Alter. Doch die berufliche Mobilität ihrer Kinder machte diese Hoffnung zunichte. So haben von den über 60-Jährigen mit Nachkommen schon 15 Prozent keine Familienmitglieder im Umkreis von 100 Kilometern mehr. Daher und aus anderen Gründen versprechen sich nur knapp über die Hälfte der Befragten Hilfe im Alltag durch ihre Familie.

Wenn also ein Umzug unausweichlich wird, dann wohin? In ein Pflegeheim oder eine altenge-rechte Privatwohnung zu ziehen, erscheint kaum einem der Befragten (10 bzw. 12 Prozent) at- traktiv. Das derzeit unter Senioren populäre Betreute Wohnen kommt dagegen für ein Drittel der Studienteilnehmer in Frage. Überraschenderweise erwägen 38 Prozent aber auch für Senioren noch außergewöhnliche Wohnformen: Dazu gehört das organisierte Wohnen mit anderen Gene-rationen oder der Umzug in eine Wohngemeinschaft auch ohne Familienmitglieder: Ein Zeichen für das große Bedürfnis nach Gemeinsamkeit im Alter.

Angestoßen durch die UNIK-Studie haben Schauenburger inzwischen zwei Initiativgruppen ge-gründet, die Schauenburg für Senioren lebenswerter machen wollen. Die erste Gruppe entwickelt Ideen für neu zu schaffende "Orte der Begegnung", an denen Generationen spontan miteinander ins Gespräch kommen können: Was früher der Treffpunkt Marktplatz war, könnte in Zeiten des motorisierten Einkaufs außerhalb der Stadt vielleicht ein ehrenamtlich organisiertes Café oder ein ehrenamtlicher Wochenmarkt werden. Die zweite Initiativgruppe "Wohnen und Pflege" will sich um ein Modellprojekt "Mehrgenerationenhaus" kümmern, Fahrgemeinschaften organisieren und Lücken in der Infrastruktur ausfindig machen.



Info


Universität Kassel
Prof. Dr. Fred Karl
Fachbereich Sozialwesen

tel (0561) 804 2928
fax (0561) 804 7930
e-mail fredkarl@uni-kassel.de


Dr. Kirsten Aner
Fachbereich Sozialwesen
tel (0561) 804 2922
fax (0561) 804 7930
e-mail aner@uni-kassel.de

Prof. Dr. Fred Karl | Universität Kassel
Weitere Informationen:
http://www.uni-kassel.de

Weitere Berichte zu: Pflegeheim Senior UNIK-Studie Wohngemeinschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht „Moonwalk“ für die Wissenschaft zeigt Verzerrungen im räumlichen Gedächtnis
18.11.2019 | Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften

nachricht Mobilität im Zeichen von Umbruch und Klimawandel
13.11.2019 | Duale Hochschule Baden-Württemberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neuartiges Antibiotikum gegen Problemkeime in Sicht

Internationales Forscherteam mit Beteiligung der Universität Gießen entdeckt neuen Wirkstoff gegen gramnegative Bakterien – Darobactin attackiert die Erreger an einem bislang unbekannten Wirkort

Immer mehr bakterielle Erreger von Infektionskrankheiten entwickeln Resistenzen gegen die marktüblichen Antibiotika. Typische Krankenhauskeime wie Escherichia...

Im Focus: Machine learning microscope adapts lighting to improve diagnosis

Prototype microscope teaches itself the best illumination settings for diagnosing malaria

Engineers at Duke University have developed a microscope that adapts its lighting angles, colors and patterns while teaching itself the optimal...

Im Focus: Kleine Teilchen, große Wirkung: Wie Nanoteilchen aus Graphen die Auflösung von Mikroskopen verbessern

Konventionelle Lichtmikroskope können Strukturen nicht mehr abbilden, wenn diese einen Abstand haben, der kleiner als etwa die Lichtwellenlänge ist. Mit „Super-resolution Microscopy“, entwickelt seit den 80er Jahren, kann man diese Einschränkung jedoch umgehen, indem fluoreszierende Materialien eingesetzt werden. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Polymerforschung haben nun entdeckt, dass aus Graphen bestehende Nano-Moleküle genutzt werden können, um diese Mikroskopie-Technik zu verbessern. Diese Nano-Moleküle bieten eine Reihe essentieller Vorteile gegenüber den bisher verwendeten Materialien, die die Mikroskopie-Technik noch vielfältiger einsetzbar machen.

Mikroskopie ist eine wichtige Untersuchungsmethode in der Physik, Biologie, Medizin und vielen anderen Wissenschaften. Sie hat jedoch einen Nachteil: Ihre...

Im Focus: Small particles, big effects: How graphene nanoparticles improve the resolution of microscopes

Conventional light microscopes cannot distinguish structures when they are separated by a distance smaller than, roughly, the wavelength of light. Superresolution microscopy, developed since the 1980s, lifts this limitation, using fluorescent moieties. Scientists at the Max Planck Institute for Polymer Research have now discovered that graphene nano-molecules can be used to improve this microscopy technique. These graphene nano-molecules offer a number of substantial advantages over the materials previously used, making superresolution microscopy even more versatile.

Microscopy is an important investigation method, in physics, biology, medicine, and many other sciences. However, it has one disadvantage: its resolution is...

Im Focus: Mit künstlicher Intelligenz zum besseren Holzprodukt

Der Empa-Wissenschaftler Mark Schubert und sein Team nutzen die vielfältigen Möglichkeiten des maschinellen Lernens für holztechnische Anwendungen. Zusammen mit Swiss Wood Solutions entwickelt Schubert eine digitale Holzauswahl- und Verarbeitungsstrategie unter Verwendung künstlicher Intelligenz.

Holz ist ein Naturprodukt und ein Leichtbauwerkstoff mit exzellenten physikalischen Eigenschaften und daher ein ausgezeichnetes Konstruktionsmaterial – etwa...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Chemnitzer Linux-Tage 2020: „Mach es einfach!“

18.11.2019 | Veranstaltungen

Humanoide Roboter in Aktion erleben

18.11.2019 | Veranstaltungen

1. Internationale Konferenz zu Agrophotovoltaik im August 2020

15.11.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Sichere Datenübertragung mit Ultraschall am Handy: neue Methode zur Nahfeldkommunikation

21.11.2019 | Kommunikation Medien

Rasante Entstehung von Antibiotikaresistenzen im Behandlungsalltag

21.11.2019 | Medizin Gesundheit

Gesundheits-App als Fitness-Coach für Familien

21.11.2019 | Kommunikation Medien

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics