Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Deutsche Kliniken rüsten sich für den Wettbewerb

13.01.2006

Der deutsche Klinikmarkt ist weiterhin steigendem Wettbewerbsdruck ausgesetzt. Dies spiegelt sich in dem anhaltenden Privatisierungstrend wider. Drei von vier Kliniken rechnen bis 2008 mit strukturellen Änderungen infolge des zunehmenden Wettbewerbs und Kostendrucks. Das ergibt der aktuelle "Krankenhaus Trend" von Steria Mummert Consulting in Kooperation mit der Fachzeitschrift "kma".

Ein effektiveres Klinikmanagement sowie betriebswirtschaftliches Handeln sind in deutschen Krankenhäusern mittlerweile genauso wichtig wie die medizinische Versorgung. So setzen mehr als drei Viertel der 112 befragten Fach- und Führungskräfte mit hoher und sehr hoher Priorität auf die Einführung eines kaufmännischen Führungs- und Steuerungssystems. Für die gleiche Anzahl der Befragten hat die medizinische Leistung und Pflege oberste Priorität. Risikomanagement im Krankenhaus sowie die Umsetzung einer Kostenträgerrechnung zur Schaffung von Transparenz bei Kosten und Erlösen gehören für rund 90 Prozent der Kliniken zu einer modernen Krankenhausführung dazu. Acht von zehn Klinikentscheidern halten die innerbetriebliche Leistungsverrechnung und Profit-Center-Strukturen für unverzichtbar. Begriffe wie beispielsweise Balanced Scorecard sind im Klinikalltag keine Fremdwörter mehr und gehören für die Mehrheit der Entscheider zu den notwendigen Steuerungsinstrumenten im Krankenhaus.

Der Notfallversorgung widmen die Kliniken besonders viel Aufmerksamkeit - vor allem aus strategischen Gründen: um neue Patienten zu gewinnen und Erlöse langfristig zu sichern. Fast 40 Prozent der Krankenhäuser halten den Aufbau von zentralen Noteinheiten in den nächsten drei Jahren für unausweichlich. Dabei sehen öffentliche und private Trägerschaften unterschiedliche Investitionsbedarfe. Während nahezu jedes zweite öffentliche Krankenhaus seine Planungen für die Noteinheiten bereits abgeschlossen hat, trifft dies nur auf jede vierte private Klinik zu, was durch die z. T. unterschiedliche fachliche Ausrichtung und Bedeutung der Akutversorgung bedingt sein kann. Von den Investitionen in die Notfallversorgung versprechen sich die Krankenhausbetriebe in erster Linie eine höhere Patientenbindung: Mehr als 80 Prozent der Befragten erwarten, dass sich die Wartezeiten verkürzen und die Patientenzufriedenheit steigt. Weitere 70 Prozent rechnen mit einer Verbesserung der medizinischen Versorgung. Die Erlössituation spielt dabei eine eher untergeordnete Rolle. So kalkuliert nur knapp mehr als die Hälfte der Befragten, dass sich die Kosten durch eine zentrale Notfalleinheit im Vergleich zur herkömmlichen Organisation reduzieren lassen.

Nahezu 90 Prozent der Befragten halten einen Zentral-OP gegenüber einer dezentralen Lösung für effektiver und effizienter. Knapp die Hälfte der Kliniken hat auch bereits einen zentralen OP-Bereich aufgebaut. Bei Organisation und Prozessmanagement besteht aber weiterhin Optimierungsbedarf. Insbesondere Universitätskliniken und Krankenhäuser der Maximalversorgung weisen hier Defizite auf. Die fachübergreifende Nutzung der OP-Säle sorgt nach Ansicht einer deutlichen Mehrheit (84,6 Prozent) grundsätzlich für bessere Auslastungszahlen. Für den reibungslosen Ablauf des OP-Betriebs sind laut Expertenmeinung eine kontinuierliche Planung sowie ein professionelles Management des OPs unabdingbar. Drei von vier Kliniken setzen hierbei auf einen verantwortlichen OP-Manager, dem die gesamte Planung, Koordination und Steuerung für den zentralen Operationsbereich obliegt.

Die geplanten strukturellen Veränderungen betreffen auch das Klinikpersonal: Infolge der Optionen im Rahmen der Neuregelung des Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst (TVöD) denken drei von vier Kliniken über alternative Vergütungsmodelle nach oder beabsichtigen aus den herkömmlichen Tarifverträgen auszusteigen. Auch bei der Anzahl der Beschäftigten spiegelt sich dieser Trend zu Einsparungen wider: Erwarteten im Mai 2005 noch 30 Prozent der Kliniken einen höheren Personalbedarf, sind es jetzt nur noch 24 Prozent. Mehr als 40 Prozent rechnen mit einem gleich bleibenden Mitarbeiterbestand; 34,5 Prozent denken an Entlassungen. Das entspricht einem Rückgang um 7,3 Prozentpunkte im Vergleich zu einer Befragung im Dezember 2004.

Jörg Forthmann | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.steria-mummert.de

Weitere Berichte zu: Notfallversorgung Tarifvertrag

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Internationale Studie: Wie lässt sich Gletscherschmelze genauer vorhersagen?
09.07.2020 | Universität Bremen

nachricht Erste Ergebnisse der Aerosol-Studie mit dem Chor des BR zu Corona-Ansteckungsrisiken beim Singen liegen vor
03.07.2020 | Klinikum der Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektrische Spannung aus Elektronenspin – Batterie der Zukunft?

Forschern der Technischen Universität Ilmenau ist es gelungen, sich den Eigendrehimpuls von Elektronen – den sogenannten Elektronenspin, kurz: Spin – zunutze zu machen, um elektrische Spannung zu erzeugen. Noch sind die gemessenen Spannungen winzig klein, doch hoffen die Wissenschaftler, auf der Basis ihrer Arbeiten hochleistungsfähige Batterien der Zukunft möglich zu machen. Die Forschungsarbeiten des Teams um Prof. Christian Cierpka und Prof. Jörg Schumacher vom Institut für Thermo- und Fluiddynamik wurden soeben im renommierten Journal Physical Review Applied veröffentlicht.

Laptop- und Handyspeicher der neuesten Generation nutzen Erkenntnisse eines der jüngsten Forschungsgebiete der Nanoelektronik: der Spintronik. Die heutige...

Im Focus: Neue Erkenntnisse über Flüssigkeiten, die ohne Widerstand fließen

Verlustfreie Stromleitung bei Raumtemperatur? Ein Material, das diese Eigenschaft aufweist, also bei Raumtemperatur supraleitend ist, könnte die Energieversorgung revolutionieren. Wissenschaftlern vom Exzellenzcluster „CUI: Advanced Imaging of Matter“ an der Universität Hamburg ist es nun erstmals gelungen, starke Hinweise auf Suprafluidität in einer zweidimensionalen Gaswolke zu beobachten. Sie berichten im renommierten Magazin „Science“ über ihre Experimente, in denen zentrale Aspekte der Supraleitung in einem Modellsystem untersucht werden können.

Es gibt Dinge, die eigentlich nicht passieren sollten. So kann z. B. Wasser nicht durch die Glaswand von einem Glas in ein anderes fließen. Erstaunlicherweise...

Im Focus: The spin state story: Observation of the quantum spin liquid state in novel material

New insight into the spin behavior in an exotic state of matter puts us closer to next-generation spintronic devices

Aside from the deep understanding of the natural world that quantum physics theory offers, scientists worldwide are working tirelessly to bring forth a...

Im Focus: Im Takt der Atome: Göttinger Physiker nutzen Schwingungen von Atomen zur Kontrolle eines Phasenübergangs

Chemische Reaktionen mit kurzen Lichtblitzen filmen und steuern – dieses Ziel liegt dem Forschungsfeld der „Femtochemie“ zugrunde. Mit Hilfe mehrerer aufeinanderfolgender Laserpulse sollen dabei atomare Bindungen punktgenau angeregt und nach Wunsch aufgespalten werden. Bisher konnte dies für ausgewählte Moleküle realisiert werden. Forschern der Universität Göttingen und des Max-Planck-Instituts für biophysikalische Chemie in Göttingen ist es nun gelungen, dieses Prinzip auf einen Festkörper zu übertragen und dessen Kristallstruktur an der Oberfläche zu kontrollieren. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Nature erschienen.

Das Team um Jan Gerrit Horstmann und Prof. Dr. Claus Ropers bedampfte hierfür einen Silizium-Kristall mit einer hauchdünnen Lage Indium und kühlte den Kristall...

Im Focus: Neue Methode führt zehnmal schneller zum Corona-Testergebnis

Forschende der Universität Bielefeld stellen beschleunigtes Verfahren vor

Einen Test auf SARS-CoV-2 durchzuführen und auszuwerten dauert aktuell mehr als zwei Stunden – und so kann ein Labor pro Tag nur eine sehr begrenzte Zahl von...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Intensiv- und Notfallmedizin: „Virtueller DIVI-Kongress ist ein Novum für 6.000 Teilnehmer“

08.07.2020 | Veranstaltungen

Größte nationale Tagung für Nuklearmedizin

07.07.2020 | Veranstaltungen

Corona-Apps gegen COVID-19: Nationalakademie Leopoldina veranstaltet internationales virtuelles Podiumsgespräch

07.07.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Erster Test für neues Roboter-Umweltmonitoring-System der TU Bergakademie Freiberg

10.07.2020 | Informationstechnologie

Binnenschifffahrt soll revolutioniert werden: Erst ferngesteuert, dann selbstfahrend

10.07.2020 | Verkehr Logistik

Robuste Hochleistungs-Datenspeicher durch magnetische Anisotropie

10.07.2020 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics