Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Untersuchung der wirtschaftlichen Folgen von Naturkatastrophen

17.10.2005


Im Rahmen eines Pressegesprächs präsentierten heute Vormittag Wissenschafter am Wegener Zentrum für Klima und Globalen Wandel der Universität Graz die Ergebnisse ihrer Studie über extreme Wetterereignisse und deren wirtschaftliche Folgen. Die Forscher zeigten darüber hinaus auf, wie sich besonders gefährdete Branchen schützen können und wo die Politik gefordert ist, unterstützend einzugreifen.

... mehr zu:
»Klimawandel »Naturkatastrophe

Die Studie ist kürzlich im Springer Verlag erschienen:K. Steininger, C. Steinreiber, C. Ritz (Hrsg.), Extreme Wetterereignisse und ihre wirtschaftlichen Folgen - Anpassung, Auswege und politische Forderungen betroffener Wirtschaftsbranchen, Springer, 2005.

Klimawandel


"Die Sommertemperaturen sind etwa in den letzten 40 Jahren um drei Grad Celsius gestiegen", berichtete Dr. Ulrich Foelsche vom Institut für Physik der Uni Graz. In der südöstlichen Steiermark sei dieser Klimawandel besonders stark zu spüren, so der Forscher. Naturkatastrophen scheinen sich in den letzten Jahren zu häufen: Hochwasser und Vermurungen 2005, Dürresommer 2003, Hochwasser 2002, Lawinenwinter 1999/2000, Wintersturm Lothar 1999: "Die Wahrscheinlichkeit für Extremwetterereignisse hat sich erhöht und wird es weiter tun", machte Foelsche deutlich, betonte aber zugleich auch, dass einzelne solcher vergleichsweise seltenen und unregelmäßig auftretenden Ereignisse nicht als Indikator für den Klimawandel gesehen werden können. Untersuchungen anhand von Klimamodellen lassen allerdings befürchten, dass das Wetter vermehrt "verrückt spielen" wird, sofern es nicht gelingt, die globalen Treibhausgas-Emissionen zu reduzieren. Was das im Bezug auf die Niederschlagsmenge in bestimmten Regionen, wie beispielsweise der Südoststeiermark, bedeutet, dazu werden die Forschungen am Wegener Zentrum in den kommenden Jahren wertvolle Erkenntnisse liefern.

Reform des Katastrophenfonds

In Österreich wurde angesichts des Hochwassers vom Sommer 2005 Kritik an der relativ geringen und je nach Bundesland unterschiedlichen (25 bis 50 Prozent) Schadenersatzhöhe durch die öffentliche Hand, sprich den Katastrophenfonds laut. Dr. Franz Prettenthaler, Umweltsystemwissenschafter an der Karl-Franzens-Universität sowie Leiter des Instituts für Technologie- und Regionalpolitik bei Joanneum Research in Graz, plädierte im Bezug auf anstehende Reformen für die Entschädigung aller ÖsterreicherInnen zu gleichen Prozentsätzen, da sie denselben Anteil ihres Einkommens in den Fonds einzahlen. "BürgerInnen aus Bundesländern mit geringerer Landesunterstützung sollten nicht - wie durch die bisher geltende aliquote Auszahlungsregelung - auch noch von Seiten des Bundes benachteiligt werden." Weiters forderte Prettenthaler die Gleichbehandlung von versicherten und nichtversicherten Haushalten: " Die gängige Praxis in allen Ländern außer Wien, Versicherungsleistungen vor der Berechnung der Beihilfe aus dem Katastrophenfonds abzuziehen, sollte eingestellt werden."

Zugleich riet er dringend zur Kooperation mit den privaten Versicherern, um die Eigenvorsorge zu stärken. "Spezielle Finanzprodukte, so genannte ,Wetterderivate’, könnten klimabedingte Ertragsschwankungen ausgleichen." Ein Beispiel: Vermehrter Niederschlag, vor allem im Sommer, bedeutet für den Tourismus eine mittlere Katastrophe, wogegen die Elektrizitätswirtschaft mit ihren Wasserkraftwerken vom vielen Regen profitiert. Hier könnte von Branche zu Branche ein Risikoausgleich geschaffen werden.

Vorsorge-Maßnahmen

Möglichkeiten, wie einzelne Branchen Schäden beziehungsweise deren finanziellen Folgen vorbeugen können, zeigte Ao.Univ.-Prof. Dr. Karl Steininger vom Institut für Volkswirtschaftslehre der Uni Graz auf. Dass Vorsorge-Maßnahmen dringend notwendig sind, beweisen die österreichischen Erfahrungen, wie beispielsweise das Hochwasser vom August 2002, als die Schadenssumme das Wirtschaftswachstum des gesamten Jahres übertraf.

"Das Ziel ist die Reduktion der Risiken auf ein erträgliches Maß", so Steininger. "Es braucht ein integriertes Risikomanagement, das Technik, Ökologie, Wirtschaft und Gesellschaft mit einbezieht." Die reine Gefahrenabwehr müsse durch eine "moderne Risikokultur" ersetzt werden. Zu den wichtigsten Maßnahmen zählen unter anderem die Förderung von Forschung und Entwicklung, Gefahrenvoraussage, Frühwarnsysteme und der Ausbau der Vorsorgungsnetze, beispielsweise in der Energie- und Wasserwirtschaft.

Dialog von Wissenschaft und Gesellschaft

Dr. Christoph Ritz, Leiter des Forums der Schweizer Klima- und Global-Change-Forschung ProClim und Mitherausgeber der Studie, unterstrich die Bedeutung der Zusammenarbeit von Bevölkerung, Politik, Wirtschaft und Medien angesichts der drohenden Klimaveränderung. Alle hätten ihren Beitrag zu leisten. "Wird nichts unternommen, so könnten Umweltkatastrophen und die daraus resultierenden Schäden zum Regelfall werden, deren enorme Kosten die Gesellschaft zu tragen hat." Ritz forderte neben dem Beitrag jedes und jeder Einzelnen zur Verringerung der Treibhausgas-Emissionen den Dialog der Forschung mit EntscheidungsträgerInnen aus Politik und Wirtschaft, wie diesen ProClim, eine Plattform der Naturwissenschaften in der Schweiz aktiv betreibt.

Kontakt:
Ao.Univ.-Prof. Dr. Karl Steininger
Wegener Zentrum für Klima und Globalen Wandel
Universität Graz
Tel. 0316/380-8441/-3451
E-Mail: karl.steininger@uni-graz.at

Gudrun Pichler | idw
Weitere Informationen:
http://www.wegcenter.at
http://www.uni-graz.at

Weitere Berichte zu: Klimawandel Naturkatastrophe

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Massenverlust des Antarktischen Eisschilds hat sich beschleunigt
14.06.2018 | Technische Universität Dresden

nachricht Teure Flops: Nur 5% der Innovationsideen werden erfolgreich
12.06.2018 | Institut für angewandte Innovationsforschung e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

Noch mehr Reichweite oder noch mehr Nutzlast - das wünschen sich Fluggesellschaften für ihre Flugzeuge. Wegen ihrer hohen spezifischen Steifigkeiten und Festigkeiten kommen daher zunehmend leichte Faser-Kunststoff-Verbunde zum Einsatz. Bei Rümpfen oder Tragflächen sind permanent Innovationen in diese Richtung zu beobachten. Um dieses Innovationsfeld auch für Flugzeugräder zu erschließen, hat das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF jetzt ein neues EU-Forschungsvorhaben gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines ersten CFK-Bugrads für einen Airbus A320. Dabei wollen die Forscher ein Leichtbaupotential von bis zu 40 Prozent aufzeigen.

Faser-Kunststoff-Verbunde sind in der Luftfahrt bei zahlreichen Bauteilen bereits das Material der Wahl. So liegt beim Airbus A380 der Anteil an...

Im Focus: IT-Sicherheit beim autonomen Fahren

FH St. Pölten entwickelt neue Methode für sicheren Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen mittels Funkdaten

Neue technische Errungenschaften wie das Internet der Dinge oder die direkte drahtlose Kommunikation zwischen Objekten erhöhen den Bedarf an effizienter...

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?

21.06.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

22.06.2018 | Materialwissenschaften

Lernen und gleichzeitig Gutes tun? Baufritz macht‘s möglich!

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

GFOS und skip Institut entwickeln gemeinsam Prototyp für Augmented Reality App für die Produktion

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics