Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erstmals Analyse der Mitochondrien-DNA-Muster in einem Massensuchtest

12.09.2005


Erstmals wurden in einem Massensuchtest nach Straftätern Mitochondrien-DNA-Muster untersucht. Im Ergebnis dieser Analyse konnte das Tötungsverbrechen an der siebenjährigen Maria J. aus Haldensleben, das sich vor zehn Jahren ereignet hat, aufgeklärt werden.


Vor zehn Jahren, unmittelbar nach der Tat, standen Staatsanwaltschaft, Polizei und das Institut für Rechtsmedizin der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg bei ihren Untersuchungen vor dem Problem, dass es anhand der äußerst geringen DNA-Menge, die zur Verfügung stand, nicht möglich war, ein verlässliches Kern-DNA-Muster zu erstellen.


Den beiden Wissenschaftlern Professor Reinhard Szibor und Professor Dieter Krause gelang es zwar, eine komplette Sequenz der aussagekräftigsten Abschnitte der Mitochondrien-DNA aufzuzeichnen, allerdings wäre ein Kern-DNA-Identifizierungs-Muster notwendig gewesen, um einen ausgedehnten Suchtest in der Bevölkerung zu begründen. Ein Siebtest auf Mitochondrien-DNA-Muster galt damals als wenig erfolgversprechend, zu aufwändig und somit als nicht empfehlenswert. Ein Massentest auf der Basis einer Methode ohne überzeugende Erfolgsaussicht war rechtlich bedenklich.


Eine neue Bewertung der Situation zur Aufklärung dieses Sexualverbrechens wurde möglich, als das Bundeskriminalamt von einem tatrelevanten Haar mittels einer neuen Technik, die Mitte der neunziger Jahre noch nicht zur Verfügung stand, ein Kern-DNA-Identifizierungsmuster erstellen konnte. Dieses war zwar nicht vollständig, aber es rechtfertigte die Aufnahme des angestrebten DNA-Massentests. Da zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt war, ob die analysierten Haare wirklich vom mutmaßlichem Täter stammten, wurden nun beide DNA-Muster, sowohl das von der Kern-DNA als auch das von der Mitochondrien-DNA, zu Suchkriterien erhoben.

Zunächst wurde ein Vortest entwickelt: Der Einsatz von DNA-Schnittenzymen ermöglichte es, in einem mehrstufigen Auswahlverfahren eine große Anzahl von Speichelproben auszuschließen, weil sie markante Merkmale der Spuren-Mitochondrien-DNA nicht aufwiesen.

Letztendlich war eine volle Mitochondrien-DNA-Sequenzierung nur noch für wenige Speichelproben erforderlich. Die Doppelstrategie, sowohl Kern-DNA als auch Mitochondrien-DNA zu analysieren, war erfolgreich. Von den im vergangenen Jahr beim DNA-Massentest 2.351 untersuchten Männern erfüllte nur eine Person alle Suchkriterien und wurde somit als dringend tatverdächtig erkannt. Ein Geständnis erfolgte unmittelbar nach der Festnahme.

Es war weltweit das erste Mal, dass Mitochondrien-DNA-Muster in einem Massensuchtest nach Straftätern untersucht wurden. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse werden in einem internationalen Fachjournal publiziert.

Kornelia Suske | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-magdeburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Mobilfunkstrahlung kann die Gedächtnisleistung bei Jugendlichen beeinträchtigen
19.07.2018 | Swiss Tropical and Public Health Institute

nachricht Neue internationale Studie: Immuntherapie für Kinder mit akuter Leukämie
13.07.2018 | Universitätsklinikum Schleswig-Holstein

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Anwendungen für Mikrolaser in der Quanten-Nanophotonik

20.07.2018 | Physik Astronomie

Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen

20.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Die Gene sind nicht schuld

20.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics