Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Studie beziffert Anzahl der Tschernobylopfer

06.09.2005


Chernobyl Forum geht von 4.000 Todesfällen aus


Die große Strahlungswolke, die 1986 durch den Reaktorunfall in Tschernobyl freigesetzt wurde, wird für den Tod von 4.000 Menschen verantwortlich sein. Zu diesem Ergebnis ist die bisher umfangreichste Studie zu diesem Thema gekommen. Die Strahlung verursachte zusätzlich 4.000 Fälle von Schilddrüsenkrebs bei jungen Menschen und verseuchte rund 200.000 Quadratkilometer von Europa radioaktiv. Der im Umfeld der Ereignisse entstandene Stress führte bei den Bevölkerungen der am stärksten betroffenen Länder zu weit verbreiteten psychischen Problemen. Erstellt wurde die Studie vom Chernobyl Forum, an dem mehr als 100 Wissenschafter, acht UN-Organisationen und die Regierungen von Russland, Weißrussland und der Ukraine beteiligt sind.

Die Gesamtmenge der freigesetzten Radioaktivität erreichte 14 Exabecquerel. Frühere Schätzungen zur Zahl der möglichen Todesopfer bewegten sich zwischen weniger als 50 Mitarbeitern des Reinigungspersonals bis zu Hunderttausenden Todesfällen in ganz Europa.

Die UN-Studie sagt voraus, dass die Anzahl der Menschen, die langfristig an Krebserkrankungen sterben wird, bei rund 3.940 liegen soll. Diese Todesfälle werden unter den 586.000 am meisten verstrahlten Personen zu beklagen sein. Dazu gehören 200.000 Mitarbeiter der Reinigungstrupps, jene 116.000 Personen, die aus dem Umland des Reaktors evakuiert wurden sowie die 270.000 Einwohner der am stärksten radioaktiven Regionen. Rund 50 Menschen sind bereits an akuter radioaktiver Verstrahlung oder ähnlichen Ursachen gestorben. Neun der an Schilddrüsenkrebs erkrankten Kinder sind ebenfalls bereits verstorben. Die Studie kommt jedoch zu dem Schluss, dass die genaue Anzahl der Todesfälle niemals bekannt sein wird. Verantwortlich dafür sei, dass bestimmte Krebserkrankungen im Laufe der Jahrzehnte nur schwer mit einer Verstrahlung in Zusammenhang zu bringen sind.

Neben der Strahlung waren Geisteskrankheiten das größte allgemeine Gesundheitsproblem. Gewaltsam umgesiedelte Familien wurden schwer traumatisiert. Die Bewohner von verstrahlten Regionen haben einen lähmenden Fatalismus entwickelt. Laut dem WHO-Experten Michael Repacholi haben viele der am stärksten Betroffenen unter Stress gelitten.

Fallweise habe das zu einem unbesonnenen Verhalten geführt. Dazu gehörte das Essen von stark verunreinigten Lebensmitteln, der übermäßige Konsum von Alkohol und Nikotin sowie ungeschützter Sexualverkehr mit zahlreichen Partnern. Repacholi betont, dass das Ergebnis der Studie trotzdem beruhigend sei. Er erklärte gegenüber NewScientist, dass 25 Prozent der Betroffenen in jedem Fall an Krebs gestorben wären und dass nur drei Prozent an Krebserkrankungen sterben würden, die auf die radioaktive Verstrahlung zurückzuführen seien. "Die meisten Menschen werden überrascht sein, dass nur so wenige Todesfälle zu beklagen sein werden." Repacholis Äußerungen wurden von dem früheren WHO-Strahlungsexperten Keith Baverstock als "ziemlich umpassend" kritisiert. Das Leben der Menschen in den verstrahlten Regionen sei auf Dauer beeinträchtigt. Er bezweifle, dass sie diesen Umstand als beruhigend empfinden würden. Zusätzlich zeigte sich Baverstock besorgt, dass die Internationale Atomenergieorganisation einen zu großen Einfluss auf die Studie gehabt haben könnte.

Michaela Monschein | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.iaea.org

Weitere Berichte zu: Krebserkrankung Strahlung Todesfall

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Grundlagen der Blockchain-Technologie in der Energiewirtschaft
27.07.2018 | Forschungsstelle für Energiewirtschaft e.V.

nachricht Studie zu Werkstoffprüfung: Schäden in nichtmagnetischem Stahl mit Magnetismus aufspüren
23.07.2018 | Technische Universität Kaiserslautern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Magnetische Antiteilchen eröffnen neue Horizonte für die Informationstechnologie

Computersimulationen zeigen neues Verhalten von Antiskyrmionen bei zunehmenden elektrischen Strömen

Skyrmionen sind magnetische Nanopartikel, die als vielversprechende Kandidaten für neue Technologien zur Datenspeicherung und Informationsverarbeitung gelten....

Im Focus: Unraveling the nature of 'whistlers' from space in the lab

A new study sheds light on how ultralow frequency radio waves and plasmas interact

Scientists at the University of California, Los Angeles present new research on a curious cosmic phenomenon known as "whistlers" -- very low frequency packets...

Im Focus: Neue interaktive Software: Maschinelles Lernen macht Autodesigns aerodynamischer

Neue Software verwendet erstmals maschinelles Lernen um Strömungsfelder um interaktiv designbare 3D-Objekte zu berechnen. Methode wird auf der renommierten SIGGRAPH-Konferenz vorgestellt

Wollen Ingenieure oder Designer die aerodynamischen Eigenschaften eines neu gestalteten Autos, eines Flugzeugs oder anderer Objekte testen, lassen sie den...

Im Focus: New interactive machine learning tool makes car designs more aerodynamic

Scientists develop first tool to use machine learning methods to compute flow around interactively designable 3D objects. Tool will be presented at this year’s prestigious SIGGRAPH conference.

When engineers or designers want to test the aerodynamic properties of the newly designed shape of a car, airplane, or other object, they would normally model...

Im Focus: Der Roboter als „Tankwart“: TU Graz entwickelt robotergesteuertes Schnellladesystem für E-Fahrzeuge

Eine Weltneuheit präsentieren Forschende der TU Graz gemeinsam mit Industriepartnern: Den Prototypen eines robotergesteuerten CCS-Schnellladesystems für Elektrofahrzeuge, das erstmals auch das serielle Laden von Fahrzeugen in unterschiedlichen Parkpositionen ermöglicht.

Für elektrisch angetriebene Fahrzeuge werden weltweit hohe Wachstumsraten prognostiziert: 2025, so die Prognosen, wird es jährlich bereits 25 Millionen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Das Architekturmodell in Zeiten der Digitalen Transformation

14.08.2018 | Veranstaltungen

EEA-ESEM Konferenz findet an der Uni Köln statt

13.08.2018 | Veranstaltungen

Digitalisierung in der chemischen Industrie

09.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Macht Sinn: Fraunhofer entwickelt Sensorsystem für KMU

15.08.2018 | Energie und Elektrotechnik

Magnetische Antiteilchen eröffnen neue Horizonte für die Informationstechnologie

15.08.2018 | Informationstechnologie

FKIE-Wissenschaftler präsentiert neuen Ansatz zur Detektion von Malware-Daten in Bilddateien

15.08.2018 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics