Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wenn Brandverletzungen die Psyche negativ beeinflussen - Studie nimmt noch Betroffene auf

10.09.2001


Wenn Brandverletzungen die Psyche negativ beeinflussen
Studie zu "Posttraumatischen gen" nimmt noch Betroffene auf

(ukg) Menschen, die starke Brandverletzungen erlitten haben, leiden nicht nur körperlich unter diesem traumatischen und belastenden Ereignis. Die psychischen Auswirkungen von solch schweren Brandverletzungen werden häufig nicht gleich erkannt und dementsprechend auch nicht behandelt. Im Schwerpunkt Psychopathologie und Neuro-psychologie des Bereichs Humanmedizin der Universität Göttingen läuft derzeit eine Studie, die die psycholo-gischen Auswirkungen beim Menschen nach einer schweren Brandverletzung untersucht. "Diese so genannte "Posttraumatische Belastungsstörung" (PTBS) äußert sich zum Beispiel durch Schlafstörungen, Konzentrationsschwierig-keiten, Reizbarkeit oder bewusste Vermeidungsstrategien," sagt Diplom Psychologe Hermann Winter, vom Schwerpunkt Psychopathologie und Neuropsychologie, der die Studie betreut. Ziel des Projektes ist es, Mechanismen und Konsequenzen von kognitiven, insbesondere Gedächtnis-störungen und morphologischen Veränderungen als Folge stressbedingter Erkrankungen zu untersuchen. In der Studie bieten Psychiater unterschiedliche Methoden an, um Männer mit Brandverletzungen zu unterstützen, ihre psychischen Probleme zu überwinden. Betroffene Männer können sich für eine Teilnahme an der Studie unter 0551/39-12711 melden.

PTBS umfasst drei unterschiedliche Symptomgruppen. Bei so genannten "Intrusionssymptomen" hat der Patient zum Beispiel immer wiederkehrende belastende Gedanken oder Träume von dem Ereignis. Oft taucht das Gefühl auf, das Ereignis plötzlich noch einmal zu durchleben. Auch körperliche Reaktionen bei der Konfrontation mit Hinweisreizen sind möglich. Bei der so genannten "Ver-meidungssymptomatik" versucht der Betroffene bewusst, Gedanken, Gefühle oder Gespräche die mit dem Trauma in Verbindung stehen, zu vermeiden. Ebenso meidet er Aktivitäten, Orte oder Menschen, die Erinnerungen an das Trauma wachrufen könnten. Dabei kann ein Gefühl der Entfremdung und Isolierung entstehen sowie Zweifel an einer lebenswerten Zukunft. Bei den so genannten "Symptomen eines erhöhten Erregungsniveaus" treten zum Beispiel Schlaf- und Konzentrationsschwierigkeiten, Reizbarkeit, übermäßige Wachsamkeit und übertriebene Schrecksituationen auf.

Die Symptome beginnen in der Regel innerhalb der ersten drei Monate nach dem Erlebnis, obwohl sich die Ausbildung der Symptome auch um Monate oder sogar Jahre verzögern kann. Bis zu 40 Prozent der von Brandverletzungen betroffenen Patienten entwickeln Symptome einer PTBS, die sich häufig erst nach dem Krankenhausaufenthalt zeigen, wenn die Patienten ins normale Leben zurückgekehrt sind. Nicht selten sind die Betroffenen hilflos, unaufgeklärt, fühlen sich allein gelassen und sind nicht in der Lage, die Symptome einzuordnen.

Bei der Studie im Bereich Humanmedizin erhalten die betroffenen männlichen Brandverletzten eine umfangreiche Diagnostik, mittels Interviews, Fragebögen und neuropsychologischen sowie bildgebenden Verfahren und eine ausführliche Beratung. Außerdem werden im Bedarfsfalle geeignete Behandlungseinrichtungen vermittelt.

Der Forschungsschwerpunkt der Studie liegt auf den neuropsychologischen Aspekten der PTBS. Auswirkungen massiver Stresszustände auf die kognitive Leistungsfähigkeit und auf unterschiedlichste Hirnfunktionen sind inzwischen vielfach belegt. Es existieren Arbeiten, die nahe legen, dass massive Stresszustände die Ausschüttung von Glukocorticoiden so steigern können, dass diese den Energiestoffwechsel von Neuronen verändern. Es kann dann zu Gewebsdegenerationen insbesondere dort kommen, wo entsprechend hohe Rezeptordichten vorhanden sind. In den letzten Jahren sind Auffälligkeiten der cerebralen Morphologie bei Patienten mit PTBS beschrieben worden. So zeigten sich Zusammenhänge zwischen PTBS und signifikanten Verringerungen des Hippocampusvolumens im Vergleich zu Kontrollpersonen.


Weitere Informationen:
Universität Göttingen - Bereich Humanmedizin
Abt. Psychiatrie und Psychotherapie

Hermann Winter / Prof. Dr. Eva Irle
Schwerpunkt Psychopathologie und Neuropsychologie
Von Siebold Str. 5
37075 Göttingen
Tel.: 0551 / 39 - 127 11

Georg-August-Universität Göttingen - Bereich Humanmedizin
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit - Rita Wilp
Robert-Koch-Str. 42 - 37075 Göttingen
Tel.: 0551/39 - 99 55 - Fax: 0551/39 - 99 57
e-mail: presse.medizin@med.uni-goettingen.de

Rita Wilp | idw

Weitere Berichte zu: Brandverletzung Humanmedizin PTBS Psyche Psychopathologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Grundlagen der Blockchain-Technologie in der Energiewirtschaft
27.07.2018 | Forschungsstelle für Energiewirtschaft e.V.

nachricht Studie zu Werkstoffprüfung: Schäden in nichtmagnetischem Stahl mit Magnetismus aufspüren
23.07.2018 | Technische Universität Kaiserslautern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Farbeffekte durch transparente Nanostrukturen aus dem 3D-Drucker

Neues Design-Tool erstellt automatisch 3D-Druckvorlagen für Nanostrukturen zur Erzeugung benutzerdefinierter Farben | Wissenschaftler präsentieren ihre Ergebnisse diese Woche auf der angesehenen SIGGRAPH-Konferenz

Die meisten Objekte im Alltag sind mit Hilfe von Pigmenten gefärbt, doch dies hat einige Nachteile: Die Farben können verblassen, künstliche Pigmente sind oft...

Im Focus: Color effects from transparent 3D-printed nanostructures

New design tool automatically creates nanostructure 3D-print templates for user-given colors
Scientists present work at prestigious SIGGRAPH conference

Most of the objects we see are colored by pigments, but using pigments has disadvantages: such colors can fade, industrial pigments are often toxic, and...

Im Focus: Eisen und Titan in der Atmosphäre eines Exoplaneten entdeckt

Forschende der Universitäten Bern und Genf haben erstmals in der Atmosphäre eines Exoplaneten Eisen und Titan nachgewiesen. Die Existenz dieser Elemente in Gasform wurde von einem Team um den Berner Astronomen Kevin Heng theoretisch vorausgesagt und konnte nun von Genfern Astronominnen und Astronomen bestätigt werden.

Planeten in anderen Sonnensystemen, sogenannte Exoplaneten, können sehr nah um ihren Stern kreisen. Wenn dieser Stern viel heisser ist als unsere Sonne, dann...

Im Focus: Magnetische Antiteilchen eröffnen neue Horizonte für die Informationstechnologie

Computersimulationen zeigen neues Verhalten von Antiskyrmionen bei zunehmenden elektrischen Strömen

Skyrmionen sind magnetische Nanopartikel, die als vielversprechende Kandidaten für neue Technologien zur Datenspeicherung und Informationsverarbeitung gelten....

Im Focus: Unraveling the nature of 'whistlers' from space in the lab

A new study sheds light on how ultralow frequency radio waves and plasmas interact

Scientists at the University of California, Los Angeles present new research on a curious cosmic phenomenon known as "whistlers" -- very low frequency packets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

LaserForum 2018 thematisiert die 3D-Fertigung von Komponenten

17.08.2018 | Veranstaltungen

Aktuelles aus der Magnetischen Resonanzspektroskopie

16.08.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2018

16.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bionik im Leichtbau

17.08.2018 | Verfahrenstechnologie

Klimafolgenforschung in Hannover: Kleine Pflanzen gegen große Wellen

17.08.2018 | Biowissenschaften Chemie

HAWK-Ingenieurinnen und -Ingenieure entwickeln die leichteste 9to-LKW-Achse ihrer Art

17.08.2018 | Messenachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics