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Radikalfänger helfen bei schwerer Unterernährung

31.08.2005


Neue Hoffnungen auf Rettung unterernährter Kinder aufgrund von klinischer Studie des Gießener Instituts für Ernähungswissenschaft in Afrika - Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler empfehlen antioxidativ wirksame Substanzen als Nahrungszusatz


In weiten Teilen Afrikas, aber auch in Asien stellt schwere Unterernährung im Kindesalter noch immer ein großes Problem dar. Insbesondere sind natürlich Krisengebiete betroffen, in denen die Versorgung mit Lebensmitteln nicht gewährleistet ist. Aber auch in vielen ländlichen Regionen, die nicht von Naturkatastrophen oder Kriegen geschüttelt werden, können Kinder oft nicht adäquat ernährt werden.

Die Ergebnisse einer Studie unter Federführung von Prof. Dr. Katja Becker, Institut für Ernährungswissenschaft am Fachbereich 09 - Agrarwissenschaften, Ökotrophologie und Umweltmanagement der Justus-Liebig-Universität Gießen, die gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen in Ghana, Heidelberg und Ulm durchgeführt wurde, geben Anlass zur Hoffnung, dass solch schwer unterernährten Kindern, bei denen herkömmlich Therapien oft nicht gegriffen haben, in Zukunft besser geholfen werden kann. Im August wurde ein Artikel im Journal "Redox Report" zur Publikation angenommen.


Die schwere Unterernährung im Kindesalter lässt sich in drei Hauptgruppen einteilen: den Marasmus, den Kwashiorkor und den marasmischen Kwashiorkor. Der Kwashiorkor betrifft vor allem Kinder im Alter von zwei bis drei Jahren und ist durch Wassereinlagerungen im Körper, Funktionsstörungen der Leber und oft schwere Begleitinfektionen gekennzeichnet. Die Therapie des Kwashiorkor ist bislang bei weitem nicht optimiert, die Sterblichkeitsraten liegen bei 20 bis 40 Prozent, je nach Behandlungsmöglichkeiten vor Ort.

Im Rahmen ihrer Forschungsarbeiten stellten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um Prof. Dr. Katja Becker (JLU), in den letzten Jahren fest, dass Kinder, die an Kwashiorkor leiden, stark eingeschränkte Schutzmechanismen gegen giftige Stickstoff- und Sauerstoffverbindungen haben. Dieser nitrosative und oxidative Stress wird im menschlichen Körper permanent, beispielsweise im Rahmen der Zellatmung, produziert. Durch Infektionen, aber auch durch UV-Licht, wird dieser Stress erhöht. Liegt bei den betroffenen Kindern zusätzlich eine quantitative und qualitative Mangelernährung vor, bei der nicht genügend antioxidativ wirksame Vitamine, Spurenelemente und Aminosäuren aufgenommen werden, so kann es zu dem schweren Krankheitsbild des Kwashiorkor kommen.

Wie weltweite Studien der letzten Jahre zeigten, kann selbst die genau dosierte Zufuhr von Flüssigkeit, Nähr- und Mineralstoffen in Kombination mit antibiotischer Therapie die erkrankten Kinder oft nicht retten. Aus diesem Grund hat Prof. Becker in Zusammenarbeit mit ihrer Doktorandin (Dr. Anke Fechner), Kollegen vom St. Joseph’s Hospital, Jirapa, Ghana (Dr. Matthias Funk), von den Universitäten Heidelberg (Prof. Dr. R. Heiner Schirmer, PD Stephan Gromer) und Ulm (Prof. Adolf Grünert, Prof. Hans-Jürgen Gross), sowie dem Institut für Biometrie und Populationsgenetik der JLU (Dr. Jörn Pons-Kühnemann) eine klinische Interventionsstudie in Afrika durchgeführt.

In dieser Studie wurden Kinder mit schwerem Kwashiorkor mit der derzeit etablierten Therapie behandelt und über 20 Tage klinisch überwacht. Als Nahrungszusatz erhielten sie verschiedene antioxidativ wirksame Substanzen (entweder Glutathion oder Liponsäure oder N-Acetylcystein). Sowohl Glutathion als auch Liponsäure senkten die Sterblichkeit der Kinder im Vergleich zur Kontrollgruppe um mehr als die Hälfte. Auch der klinische Zustand sowie die Blutwerte der Kinder verbesserten sich auffällig.

Die Wissenschaftler schlagen daher eine so genannte multizentrische Studie vor, auf deren Basis die Gabe von Glutathion beziehungsweise Liponsäure in die internationalen Therapieempfehlungen übernommen werden kann.

Charlotte Brückner-Ihl | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-giessen.de

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