Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wenn die Familiengesundheitspflegerin kommt …

29.08.2005


„Forschungsoffensive“, Teil 7: Vorstudie des Wittener Lehrstuhls für familienorientierte und gemeindenahe Pflege befürwortet die Einführung des neuen Berufsbildes

„Wir müssen Ideen entwickeln, die über den Bau von Alten- und Pflegeheimen hinausgehen“, betont Dr. Wilfried Schnepp vom Institut für Pflegewissenschaft der Universität Witten/Herdecke. Wilfried Schnepp leitet den Lehrstuhl für familienorientierte und gemeindenahe Pflege. Und gerade hier, in der Orientierung auf die Familie und die vertraute Umgebung, liegen Ansatzpunkte für neue Konzepte. Wie wäre es, wenn eine speziell ausgebildete Fachfrau, oder ein Fachmann, in die Haushalte geht, den Menschen dort mit Rat und Tat zur Seite steht und als Bindeglied zwischen Ärzten, Ämtern und Kassen fungiert? Das wäre gut, sagt eine Studie unter Federführung von Wilfried Schnepp. Die Studie hat untersucht, ob der neue Beruf einer Familiengesundheitspflegerin in Deutschland wünschenswert und realisierbar ist.

Die grundlegenden Strukturen des Berufsbildes der Familiengesundheitspflegerin wurden Ende der 90er Jahre von der europäischen Region der Weltgesundheitsorganisation (WHO) entwickelt. Im Rahmen des Strategiekonzepts "Gesundheit 21 – Gesundheit für alle" spricht die WHO von der „Family Health Nurse“, die als Angehörige der Pflegeberufe eine zentrale Rolle in der primären Gesundheitsversorgung einnehmen soll. Diese Fachfrauen - aber natürlich auch speziell ausgebildete männliche Pfleger - können, so die WHO-Definition, "dem einzelnen Menschen und ganzen Familien helfen, mit Krankheit und chronischer Behinderung fertig zu werden und in Stresssituationen zurechtzukommen, indem sie einen großen Teil ihrer Arbeitszeit im Zuhause der Familien verbringt". Die WHO sieht die neue Fachkraft als Pflegeexpertin und Gesundheitsmanagerin mit sozialwissenschaftlichen Hintergrund, die auch als Bindeglied zu Ärzten, Ämtern und anderen Einrichtungen fungiert. Die Gesundheitsorganisation hat das neue Konzept allen 51 europäischen Mitgliedsstaaten empfohlen.

Bei den möglichen Umsetzungen des Modells kooperiert die WHO in den einzelnen Ländern mit so genannten Kollaborationspartnern. Der Kollaborationspartner hierzulande ist der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK). Und der DBfK wiederum beauftragte das Institut für Pflegewissenschaft der Universität Witten/Herdecke damit, die Chancen und den Bedarf für eine Family Health Nurse in der deutschen Gesundheitsversorgung auszuloten. Gefördert wurde die Wittener Studie vom Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung. An dem Projekt nahmen auch Fachleute verschiedener Entscheidungsträger teil. Zu ihnen zählten Vertreter von Bundes- und Landesministerien, Krankenkassen, Pflegeberufsverbänden und der Bundesärztekammer. „Die Experten waren einstimmig der Meinung, dass ein Bedarf für die Familiengesundheitspflegerin in Deutschland besteht und sie eine wesentliche Rolle in den Bereichen Prävention und Gesundheitsförderung einnehmen kann“, resümiert Dr. Wilfried Schnepp, der sich diesem Votum anschließt.

Für die Studie spielten die Fachleute in verschiedenen Szenarien durch, wie die Familiengesundheitspflegerin (FGP) für verschiedene Zielgruppen zum Einsatz kommen kann. In einem der Planspiele unterstützt die FGP einen allein stehenden älteren Herrn bei der Versorgung seiner chronischen Wunde und auch bei der Suche nach einer neuen altengerechten Wohnung. In einem anderen Szenario betreut die Gesundheitspflegerin einen Mehrgenerationenhaushalt, in dem eine schwangere Frau und deren kranke Mutter leben. Der Wittener Pflegewissenschaftler Wilfried Schnepp betont beim Konzept der FGP vor allem auch den „zugehenden“ Ansatz: „Die aufsuchende Betreuung in Form von Hausbesuchen kann wesentlich zum Erhalt der unabhängigen Lebensführung, vor allem bei älteren Menschen beitragen.“ Die Familiengesundheitspflegerin könne durch Beratung, Anleitung und Vermittlung an Experten verhindern, dass ein Mensch pflegebedürftig werde. Falls jemand schon chronisch krank sei, könne sie ihn und seine Familie durch kontinuierliche Begleitung im Umgang mit der Krankheit unterstützen. Die Tätigkeit der FGP solle dabei immer in enger Abstimmung und Kooperation mit anderen Berufsgruppen wie zum Beispiel Hausärzten und Pflegediensten geschehen.

Nach der positiven Einschätzung des Bedarfes und der Realisierbarkeit einer Familiengesundheitspflegerin in Deutschland werden voraussichtlich ab Herbst dieses Jahres die ersten dieser neuen Fachkräfte ausgebildet. Die Ausbildung ist eine Weiterbildung, die sich an erfahrene Berufstätige aus der Gesundheits- und Krankenpflege, Kinderkranken- und Altenpflege und aus dem Hebammenwesen richtet. Das Wittener Institut wird das Weiterbildungsprojekt wissenschaftlich begleiten. Das Augenmerk gilt dabei auch dem Verbleib der Absolventen. Details zum Kurs und zur Anmeldung finden Weiterbildungsinteressierte unter: www.familiengesundheitspflege.de.

Dr. Wilfried Schnepp | Universität Witten/Herdecke
Weitere Informationen:
http://www.uni-wh.de

Weitere Berichte zu: FGP Familiengesundheitspflegerin Who Wittener

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Mobilfunkstrahlung kann die Gedächtnisleistung bei Jugendlichen beeinträchtigen
19.07.2018 | Swiss Tropical and Public Health Institute

nachricht Neue internationale Studie: Immuntherapie für Kinder mit akuter Leukämie
13.07.2018 | Universitätsklinikum Schleswig-Holstein

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Anwendungen für Mikrolaser in der Quanten-Nanophotonik

20.07.2018 | Physik Astronomie

Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen

20.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Die Gene sind nicht schuld

20.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics