Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kann Geld Tore schießen?

22.08.2005


„Forschungsoffensive“, Teil 5: Der Wittener Wirtschaftsprofessor Bernd Frick untersucht im Profi-Sport die Wirkungen leistungsabhängiger Bezahlung

„Der Sport zeigt sich einer empirischen Analyse besonders offen, weil das erforderliche Datenmaterial quasi auf dem Serviertablett vorliegt", sagt der Wirtschaftsprofessor Bernd Frick von der Universität Witten/Herdecke. Die Sportergebnisse manifestieren sich unmittelbar in Tabellenplätzen und Siegerlisten. Anders als in den meisten Bereichen des Wirtschaftslebens ist hier ein Zusammenhang zwischen Investitionen und Resultaten fast fehlerfrei messbar. Zu den sportökonomischen Studien des Lehrstuhlinhabers für Unternehmensführung gehört die Analyse von Preisgeldstaffelungen bei Marathonläufen und, aktuell, eine Untersuchung über die Auswirkung von Trainergehältern auf die Leistung von Fußballbundesliga-Mannschaften.

Als aktiver Sportler lief Bernd Frick die Marathondistanz in rund zweieinhalb Stunden. Als Ökonom sieht er den Sport, als "eine Art Paradebeispiel dafür, mit welchen Resultaten auf welche Anreize reagiert wird.“ Beispiel Langstreckenlauf: Bei einer Analyse von 57 Marathons zeigte Professor Frick, dass die Durchschnittszeit der Topathleten bei denjenigen Veranstaltungen schneller ist, bei denen ein hohes Gesamtpreisgeld sehr ungleich verteilt wird. „Bei den hochdotierten Turnieren sind bessere, leistungsfähigere Kandidaten am Start. Und die Leistungsfähigeren strengen sich umso mehr an, je mehr Geld sie verdienen.“ Die hohe Gesamtsumme hat eine „Selektionswirkung“, weil so die Besten angelockt werden. Die leistungsbezogenen großen Preisgeld-Differenzen von Rang zu Rang üben eine „Anreizwirkung“ aus. „Wenn bei einem Marathon das Gesamtpreisgeld mehr oder weniger gleichmäßig auf die zehn Erstplatzierten verteilt wird, hält sich der Anreiz, z.B. Achter statt Neunter zu werden, sehr in Grenzen. Wenn allerdings das Preisgeld extrem ungleich verteilt ist und der Neunte nur noch ein Bruchteil dessen bekommt, was der Achte erhält, lohnt sich eine Verbesserung um einen Platz entsprechend mehr.“

Anreizwirkungen und ihre Resultate sind bei Individualsportarten meist klar zu identifizieren. Schon anders verhält es sich bei Mannschaftssportarten. Denn hier resultiert die dann messbare Leistung erst aus dem Zusammenwirken der Spieler. Darüber hinaus wird dem Teamchef eine besondere Stellung zugesprochen. Ob und welche Bedeutung ein Trainer auf die Mannschaftsleistung hat, untersuchte Bernd Frick jetzt zusammen mit Robert Simmons von der Lancaster University Management School am Beispiel der Fußballbundesliga. Die beiden Forscher werteten dazu Daten aus 22 Jahren aus, von der Spielzeit 1981/82 bis 2002/2003. Eine Gegenüberstellung von Trainergehältern und Saisonergebnissen zeigte: Diejenigen Vereine, die ihren Cheftrainern überdurchschnittliche Gehälter bezahlen, sind über die Jahre hinweg auch erfolgreicher. Hohe Ausgaben allein für die Spieler genügen nicht. Professor Frick: „Vor allem erfahrene Trainer, die bisher schon erfolgreich waren, sind unseren Beobachtungen nach in der Lage, das Optimum aus einer Mannschaft herauszuholen.“ Vereine mit Ambitionen auf die Tabellenspitze müssen gleichwohl auch mehr Geld für Spieler ausgeben als die Ligakonkurrenten. Für diejenigen Clubs allerdings, die gegen den Abstieg kämpfen, kann eine hohe Investition in einen neuen Trainer bei gleich bleibenden Spielergehältern zum Erfolg führen.

Der Betriebswissenschaftler Bernd Frick ist überzeugt, dass die ökonomische Forschung, aber auch die unternehmerische Praxis sich bei der Sportökonomie viele Anregungen holen könne. Man müsse allerdings die jeweiligen Rahmenbedingungen genau beachten, und die seien häufig sehr viel komplexer als in der relativ überschaubaren Welt des Sports. In manchen Tätigkeitsfeldern können Beschäftigungs- und Entgeltregelungen, die sich im Sport bewährt haben, sogar kontraproduktiv sein. Die Wirtschaft scheint um diese Risiken zu wissen. Nach neueren empirischen Untersuchungen zahlt nur eine Minderheit der deutschen Unternehmen Prämienlöhne. Einen möglichen Grund dafür hat wiederum Bernd Frick in einer Studie herausgefunden. In einem großen Metall verarbeitenden Betrieb ist nach der Einführung eines leistungsabhängigen Prämienlohnsystems zum einen die Häufigkeit und Schwere der Arbeitsunfälle gestiegen und zum anderen auch die Fehlzeitenquote.

Bernd Frye | Universität Witten / Herdecke
Weitere Informationen:
http://www.uni-wh.de

Weitere Berichte zu: Gesamtpreisgeld Investition Marathon

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Grundlagen der Blockchain-Technologie in der Energiewirtschaft
27.07.2018 | Forschungsstelle für Energiewirtschaft e.V.

nachricht Studie zu Werkstoffprüfung: Schäden in nichtmagnetischem Stahl mit Magnetismus aufspüren
23.07.2018 | Technische Universität Kaiserslautern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die Mischung macht‘s: Jülicher Forscher entwickeln schnellladefähige Festkörperbatterie

Mit Festkörperbatterien sind aktuell große Hoffnungen verbunden. Sie enthalten keine flüssigen Teile, die auslaufen oder in Brand geraten könnten. Aus diesem Grund sind sie unempfindlich gegenüber Hitze und gelten als noch deutlich sicherer, zuverlässiger und langlebiger als herkömmliche Lithium-Ionen-Batterien. Jülicher Wissenschaftler haben nun ein neues Konzept vorgestellt, das zehnmal größere Ströme beim Laden und Entladen erlaubt als in der Fachliteratur bislang beschrieben. Die Verbesserung erzielten sie durch eine „clevere“ Materialwahl. Alle Komponenten wurden aus Phosphatverbindungen gefertigt, die chemisch und mechanisch sehr gut zusammenpassen.

Die geringe Stromstärke gilt als einer der Knackpunkte bei der Entwicklung von Festkörperbatterien. Sie führt dazu, dass die Batterien relativ viel Zeit zum...

Im Focus: It’s All in the Mix: Jülich Researchers are Developing Fast-Charging Solid-State Batteries

There are currently great hopes for solid-state batteries. They contain no liquid parts that could leak or catch fire. For this reason, they do not require cooling and are considered to be much safer, more reliable, and longer lasting than traditional lithium-ion batteries. Jülich scientists have now introduced a new concept that allows currents up to ten times greater during charging and discharging than previously described in the literature. The improvement was achieved by a “clever” choice of materials with a focus on consistently good compatibility. All components were made from phosphate compounds, which are well matched both chemically and mechanically.

The low current is considered one of the biggest hurdles in the development of solid-state batteries. It is the reason why the batteries take a relatively long...

Im Focus: Farbeffekte durch transparente Nanostrukturen aus dem 3D-Drucker

Neues Design-Tool erstellt automatisch 3D-Druckvorlagen für Nanostrukturen zur Erzeugung benutzerdefinierter Farben | Wissenschaftler präsentieren ihre Ergebnisse diese Woche auf der angesehenen SIGGRAPH-Konferenz

Die meisten Objekte im Alltag sind mit Hilfe von Pigmenten gefärbt, doch dies hat einige Nachteile: Die Farben können verblassen, künstliche Pigmente sind oft...

Im Focus: Color effects from transparent 3D-printed nanostructures

New design tool automatically creates nanostructure 3D-print templates for user-given colors
Scientists present work at prestigious SIGGRAPH conference

Most of the objects we see are colored by pigments, but using pigments has disadvantages: such colors can fade, industrial pigments are often toxic, and...

Im Focus: Eisen und Titan in der Atmosphäre eines Exoplaneten entdeckt

Forschende der Universitäten Bern und Genf haben erstmals in der Atmosphäre eines Exoplaneten Eisen und Titan nachgewiesen. Die Existenz dieser Elemente in Gasform wurde von einem Team um den Berner Astronomen Kevin Heng theoretisch vorausgesagt und konnte nun von Genfern Astronominnen und Astronomen bestätigt werden.

Planeten in anderen Sonnensystemen, sogenannte Exoplaneten, können sehr nah um ihren Stern kreisen. Wenn dieser Stern viel heisser ist als unsere Sonne, dann...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

LaserForum 2018 thematisiert die 3D-Fertigung von Komponenten

17.08.2018 | Veranstaltungen

Aktuelles aus der Magnetischen Resonanzspektroskopie

16.08.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2018

16.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Quantenverschränkung erstmals mit Licht von Quasaren bestätigt

20.08.2018 | Physik Astronomie

1,6 Millionen Euro für den Aufbau einer Forschungsgruppe zu Quantentechnologien

20.08.2018 | Förderungen Preise

IHP-Technologie darf in den Weltraum fliegen

20.08.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics