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Mittelständische Technologieunternehmen sind begehrte Übernahmekandidaten

12.05.2005


PwC-Analyse dokumentiert Anstieg der Fusionen und Übernahmen um 23 Prozent auf 911 Transaktionen / Gesamtvolumen rund 155 Milliarden Euro / VoIP, RFID und Web Services begehrte Technologien


Die Technologiebranche bleibt in Bewegung: Mit weltweit 911 Fusionen und Übernahmen (Mergers & Acquisitions, kurz: M&A) im Jahr 2004 stieg die Zahl im Vergleich zum Vorjahr um 23 Prozent. Das Volumen aller Transaktionen erhöhte sich um sechs Prozent auf 155 Milliarden Euro. Vor allem mittelständische Unternehmen waren begehrt: 89 Prozent aller Transaktionen hatten einen Wert zwischen zehn und 250 Millionen Euro; so genannte Mega-Deals mit einem Transaktionswert von über einer Milliarde Euro waren wie in den Vorjahren eher die Ausnahme. Die wenigen Mega-Deals waren ausnahmslos ohne deutsche Beteiligung und wurden durch die Übernahme der amerikanischen AT&T Wireless (31,9 Milliarden Euro) angeführt. Die Übernahme der debitel AG durch den Finanzinvestor Permira war mit 640 Millionen Euro bereits die größte Transaktion mit deutscher Beteiligung.

Dies sind die wichtigsten Ergebnisse der Analyse Technology Insights 2005 von PricewaterhouseCoopers (PwC), die in diesem Jahr zum zweiten Mal erscheint.


Grenzüberschreitende Transaktionen sind dabei im Kommen: Ihr Anteil stieg von 14 Prozent in 2003 auf 22 Prozent in 2004 an, wobei 48 Prozent aller internationalen Akquisitionen von einem nordamerikanischen Unternehmen ausgingen, in 70 Prozent dieser Fälle wurde ein europäisches Technologieunternehmen übernommen. Etwa ein Fünftel der europäischen Zielunternehmen war dabei deutscher Herkunft.

Wenn deutsche Unternehmen übernommen wurden, war somit in 36 Prozent der Fälle die USA der Heimatmarkt der jeweiligen Investoren. Während die deutschen Investoren über 61 Prozent der Akquisitionen innerhalb der Landesgrenzen tätigten, war dies bei den Investoren aus Großbritannien nur bei 53 Prozent der Übernahmen der Fall.

Software, IT-Services und Telekommunikation hoch im Kurs

Bei der Analyse der einzelnen Teilbranchen wird deutlich, dass die meisten Zusammenschlüsse und Übernahmen im Bereich Software und IT-Services (SITS) stattfanden. Sie machen 49 Prozent der 911 Transaktionen aus. Mit einem Anteil von 32 Prozent stellen M&A-Transaktionen bei Telekommunikationsunternehmen die zweitgrößte Sparte dar. Bei Betrachtung des Transaktionsvolumens dreht sich das Bild allerdings um: Auf Telekommunikationsunternehmen entfielen 63 Prozent des gesamten Volumens, SITS-Unternehmen kamen dagegen nur auf 24 Prozent.

Dies liegt vor allem an den Telekommunikations-Mega-Deals wie beispielsweise an der Übernahme von AT&T durch Cingular Wireless (Volumen: 31,9 Milliarden Euro), dem Kauf verschiedener regionaler Anbieter in China durch China Telecom (6,8 Milliarden Euro) und China Mobile (3,4 Milliarden Euro) sowie an der Übernahme von Wanadoo durch France Telekom (3,1 Milliarden Euro). "Diese Transaktionen spiegeln die weiterhin stattfindende Konsolidierung des Telekommunikationsmarktes wider. Die Ziele bestehen darin, höhere Umsätze zu generieren, dabei Skaleneffekte zu erzielen und den neuen konkurrierenden Technologien durch die Übernahme entsprechender Anbieter Rechnung zu tragen", erläutert Kerstin Müller, Partnerin und Leiterin des Bereiches Technology bei PwC in Deutschland.

Die wichtigsten Deals bei den SITS-Unternehmen waren die Übernahme von Peoplesoft durch Oracle für rund 8,0 Milliarden Euro sowie die Fusion des Sicherheitsexperten Symantec und des Speicherspezialisten Veritas im Zuge eines Aktientauschs für rund 10,5 Milliarden Euro. Im deutschen Markt zeigte SAP kürzlich mit dem Interesse am Handelssoftware Spezialisten Retek, USA, dass man in diesem Bereich auch hierzulande mit Übernahmen - wenn auch mit einem deutlich geringeren Umfang - rechnen kann.

USA und Japan haben Interesse an deutschen Unternehmen

In Europa waren in 2004 insbesondere die Transaktionen mit den USA und zunehmend Japan von Bedeutung. "Obwohl der Euro gegenüber Dollar und Yen in den vergangenen Jahren gestiegen ist und somit die Akquisition für amerikanische und japanische Konzerne teurer wird, hat das Interesse gerade auch an deutschen Unternehmen zugenommen", sagt Werner Suhl, Partner und Leiter des Bereiches M&A bei PwC in Deutschland.

Kernthemen 2005: VoIP, RFID und Web Services

Auch im Jahr 2005 rechnet Kerstin Müller mit einer Zunahme der M&A-Aktivitäten. Neben dem allgemeinen Trend der Konsolidierung in einzelnen Bereichen führt sie drei technologische Faktoren an: Erstens beschleunigt die fortschreitende Verbreitung von Breitbandanschlüssen die Einführung von Voice over IP (VoIP), also dem kostengünstigen Telefonieren über das Internet. Insbesondere etablierte Telekommunikationsunternehmen werden nach möglichen Übernahmekandidaten in diesem Wachstumsmarkt suchen.

Zweitens macht die deutliche Senkung der Herstellungskosten für RFID-Chips (Radio Frequency Identification) den Einsatz der neuen Technologie für mehr und mehr Unternehmen interessant. Die neue Transpondertechnik für das berührungslose Erkennen von Waren stößt vor allem in der Logistik und Zulieferindustrie auf Interesse. Anbieter aus der Software- und IT-Service-Branche müssen sicherstellen, für die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten die passenden Lösungen anzubieten - was die Bereitschaft zu Investitionen und Übernahmen stimuliert.

Drittens werden Web Services weiter Einzug in die Unternehmen halten und Arbeitsprozesse vereinfachen. Da sie auf Internetstandards basieren, können Daten zwischen Rechnern ausgetauscht werden, die auf unterschiedlichen Plattformen oder Betriebssystemen basieren. Lösungsanbieter werden gezielt nach spezialisierten Unternehmen Ausschau halten, die dieses Wissen mit einer Industrielösung vereinen können. Für 2006 prognostizieren die PwC-Experten zudem die verstärkte Einführung von Web Services in unternehmensübergreifende Geschäftsprozesse.

Werner Suhl | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.pwc.com

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