Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wohnungsbau auf Minusrekord-Kurs

20.12.2004


2005 weniger als 250.000 Baugenehmigungen - Neubau bleibt weit hinter Bedarf von mindestens 300.000 Wohneinheiten zurück - Zunehmende Sorge vor Miet- und Preissteigerungen

Weniger als 250.000 genehmigte Wohneinheiten - und damit deutlich weniger als die von Bundesbauminister Stolpe genannte mittelfristige Bedarfszahl von 300.000 pro Jahr - prognostizieren die Landesbausparkassen (LBS) für 2005. "Damit wird erneut ein historischer Minusrekord erreicht. Die größer werdende Bedarfslücke führt unweigerlich zur Verengung des Angebots und in der Folge zu steigenden Mieten und Immobilienpreisen", kommentiert LBS-Verbandsdirektor Hartwig Hamm die aktuelle Entwicklung. Spätestens wenn Beschäftigung und Einkommen wieder den Wachstumspfad einschlagen, werde auch die Wohnflächennachfrage zusätzlich ansteigen.

Nach einem Strohfeuer durch die Debatte um die Eigenheimzulage Ende 2003 laufen die Baugenehmigungen bereits im Verlauf des Jahres 2004 auf einen neuen Tiefstand zu. Diese Tendenz zeichnet sich nach Auskunft der LBS schon nach den Zahlen der ersten drei Quartale ab (siehe Tabelle). Während bis einschließlich März in West- und Ostdeutschland die Genehmigungszahlen des Vorjahres erreicht wurden, weil hier die vorgezogenen Anträge in der Statistik verzögert ihren Niederschlag fanden, beträgt der Rückgang bei den Baugenehmigungen im zweiten Quartal bereits fast 10 Prozent. Im dritten Quartal lagen die Zahlen dagegen schon klar im zweistelligen Minusbereich. Lediglich rund 270.000 Wohneinheiten dürften 2004 laut Schätzung der LBS genehmigt werden, 9 Prozent weniger als vor einem Jahr (bisher stand der Minusrekord bei 274.000 genehmigten Wohnungen im Jahr 2002).

Obwohl die aktuelle Initiative zur Streichung der Eigenheimzulage von der Bundesregierung schon seit dem Frühjahr angekündigt wurde, zeigt sich an diesen Daten, dass das Potenzial für weitere Vorzieheffekte nicht mehr vorhanden ist. Nach Einschätzung der LBS dürfte es in diesem Jahr keine mit dem Vorjahr vergleichbare "Jahresschluss-Konjunktur" mit einem entsprechenden Genehmigungsboom mehr geben. "Wer sich sputen konnte, der hat dies in den beiden letzten Jahren schon getan", so LBS-Verbandsdirektor Hartwig Hamm. Nach seinen Worten ist auf jeden Fall ein weiterer Rückgang auf unter 250.000 genehmigte Wohneinheiten im Jahr 2005 vorprogrammiert, wenn nicht überraschend positive Signale kommen.

Das Gefährliche an dieser Entwicklung seien nicht nur die negativen Auswirkungen auf Auftragslage und Beschäftigung in der mittelständischen Bauwirtschaft. Sondern sie stehe auch in eklatantem Widerspruch zur vorhandenen Nachfrage. Anders als der Bundesfinanzminister in der Diskussion um die Eigenheimzulage suggeriere, gibt es laut LBS noch auf viele Jahre einen deutlich höheren Wohnungsneubaubedarf. Renommierte Forschungsinstitute sprächen sogar von weit mehr als 300.000 Wohneinheiten pro Jahr. Denn die demografische Entwicklung zeige noch weit mehr als ein Jahrzehnt lang einen Anstieg der Zahl der Haushalte. Außerdem sei der Wohneigentumswunsch bei jüngeren Menschen nach wie vor sehr deutlich ausgeprägt. "Dieses Interesse spiegelt sich auch in den LBS-Geschäftsergebnissen wider", sagt Hamm. Bausparen erfreue sich in den letzten Jahren gerade bei jungen Leuten wachsender Beliebtheit. Auch daran zeige sich, dass der Wunsch nach familiengerechtem Wohnen und Absicherung durch Wohneigentum in der jungen Generation unverändert lebendig ist.

Mittlerweile liege das Neubauniveau bereits deutlich unter 1 Prozent des Bestandes. Damit reiche die Bautätigkeit mittelfristig nicht einmal für den Erhalt des existierenden Wohnungsangebots aus. Die Landesbausparkassen beklagen daher in der politischen Diskussion die einseitige Überbetonung von Modernisierung und Erhaltungsmaßnahmen. Selbstverständlich sei es richtig, vorhandene Wohnquartiere lebenswert zu erhalten. Auch sei es vernünftig, beim Neubau der Nutzung vorhandener erschlossener Flächen einen Vorrang einzuräumen. Die tatsächliche Entwicklung zeige auch, dass genau diese Potenziale vor allem bei der Wohneigentumsbildung genutzt werden. Ohne ausreichenden Neubau bestehe aber eine Gefahr der Verengung des Angebots mit der zwangsläufigen Folge steigender Mieten und Immobilienpreise.

Das wachsende Interesse ausländischer Investoren an deutschen Wohnungsbaubeständen ist deshalb nach Auffassung der LBS nicht nur als positives Signal zu verstehen. Vielmehr zeige dies, dass Immobilienexperten auch jenseits der Grenzen das Preissteigerungspotenzial im deutschen Wohnungsbestand ganz nüchtern erkennen würden. "Dies sind zugleich keine guten Perspektiven für Wohnungssuchende. Wenn die Politik die Weichen nicht richtig stellt, wird sie alsbald wieder vor der Herausforderung stehen, kurzfristige Aktivitäten für die Wohnungsversorgung von Familien mit Kindern zu starten", prognostiziert Hamm. Stabile, verlässliche Akzente für die Eigentumsbildung in Form von Anreizen zur Eigeninitiative seien für den Staat auf die Dauer bestens angelegtes Geld. Das dürfe gerade bei Debatten um die Eigenheimzulage nicht übersehen werden.

Ivonn Kappel | LBS
Weitere Informationen:
http://www.dsgv.de

Weitere Berichte zu: Baugenehmigung Eigenheimzulage LBS LBS-Verbandsdirektor Wohneinheit

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Neue internationale Studie: Immuntherapie für Kinder mit akuter Leukämie
13.07.2018 | Universitätsklinikum Schleswig-Holstein

nachricht Sicherer Auto fahren ohne Grauen Star: Geringeres Unfallrisiko nach Linsenoperation
12.07.2018 | Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Im Focus: First evidence on the source of extragalactic particles

For the first time ever, scientists have determined the cosmic origin of highest-energy neutrinos. A research group led by IceCube scientist Elisa Resconi, spokesperson of the Collaborative Research Center SFB1258 at the Technical University of Munich (TUM), provides an important piece of evidence that the particles detected by the IceCube neutrino telescope at the South Pole originate from a galaxy four billion light-years away from Earth.

To rule out other origins with certainty, the team led by neutrino physicist Elisa Resconi from the Technical University of Munich and multi-wavelength...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

Conference on Laser Polishing – LaP: Feintuning für Oberflächen

12.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Optische Kontrolle von Herzfrequenz oder Insulinsekretion durch lichtschaltbaren Wirkstoff

17.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Umweltressourcen nachhaltig nutzen

17.07.2018 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Textilien 4.0: Smarte Kleidung und Wearables als Innovation

17.07.2018 | Innovative Produkte

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics