Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Muss Werbung immer positiv sein? Wirtschaftswissenschaftler untersuchen Wirkung von Negativmeldungen

13.12.2004


Auch wenn wir es als Konsumenten gewohnt sind, dass uns in der Werbung nur Positives über ein Produkt vermittelt wird, so gibt es immer wieder Fälle, in denen Unternehmen auch negative Informationen preisgeben: Das ist zum Beispiel der Fall, wenn sie auf Angriffe in der vergleichenden Werbung reagieren oder zu einer Negativmeldung in den Medien Stellung nehmen.



Manchmal sind Unternehmen auch gezwungen, Negatives über ihr Produkt auf der Verpackung bekannt zu geben: zum Beispiel die Gesundheitswarnungen bei der Zigarettenwerbung. Ergebnisse bisheriger Forschungen haben bestätigt, dass zweiseitige Werbung - Werbung also, die neben positiven Aspekten auch negative beinhaltet - die Glaubwürdigkeit eines Unternehmens stark erhöht, damit aber nicht gleichzeitig zu einer Bevorzugung der Marke und entsprechenden Kaufabsichten führen muss.



Die Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Martin Eisend und Kathrin Hahn von der Freien Universität Berlin und Prof. Dr. Pakize Schuchert-Güler von der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin haben nun untersucht, ob es für ein Unternehmen sinnvoller ist, diese möglichen Gesetzesverordnungen vorwegzunehmen und freiwillig auf mögliche negative Eigenschaften ihres Produkts - wie zum Beispiel Folgen des Verzehrs von Süßigkeiten für die Ernährung oder negative gesundheitliche Konsequenzen von alkoholhaltigen Getränken - hinzuweisen oder ob es besser ist, auf eine entsprechende gesetzliche Verordnung zu warten. Der Grund für die Untersuchung: In letzter Zeit wird im Rahmen der Verbraucherpolitik vermehrt über eine Kennzeichnungsverordnung von negativen Eigenschaften bei bestimmten Produkten gesprochen, insbesondere bei Süßigkeiten. In Frankreich beispielsweise müssen Süßigkeitenautomaten ab 2005 mit entsprechenden Warnhinweisen versehen werden.

In ihrer experimentellen Studie, in der es um Werbung für Lakritz-Süßigkeiten ging, haben die Wirtschaftswissenschaftler festgestellt, dass eine freiwillige Nennung negativer Eigenschaften zwar zu einer höheren Glaubwürdigkeit des Unternehmens führt, dieser Effekt aber keinerlei Auswirkungen auf die Einstellungen zu einem Produkt und die Kaufabsichten der Konsumenten hat. "Bei einer gesetzlich vorgegebenen Nennung tendieren die Verbraucher dazu, die negative Eigenschaft automatisch allen Produkten der jeweiligen Produktkategorie zuzuschreiben - nach dem Motto: Alle Lakritzsüßigkeiten sind gesundheitsschädlich. Bei einer freiwilligen Nennung hingegen schreiben die Konsumenten diese Eigenschaft nur dem jeweiligen Produkt zu", sagt der FU-Marketingexperte Martin Eisend. Dadurch würden Verbraucher das Produkt schlechter einstufen, was zur Folge hätte, dass der positive Glaubwürdigkeitseffekt durch die freiwillige Nennung wieder aufgehoben würde. Eisends Resümee: "Geht es einem Unternehmen nicht in erster Linie um Glaubwürdigkeit, sondern um die Stimulierung des Absatzes, scheint es nicht förderlich zu sein, eine mögliche gesetzliche Verordnung durch eine freiwillige Negativnennung vorwegzunehmen."

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern:

Prof. Dr. Martin Eisend, Institut für Marketing der Freien Universität Berlin, Tel.: 030 / 838-54460, E-Mail: eisend@zedat.fu-berlin.de

Ilka Seer | idw
Weitere Informationen:
http://www.fu-berlin.de

Weitere Berichte zu: Konsument Wirtschaftswissenschaftler

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Neue internationale Studie: Immuntherapie für Kinder mit akuter Leukämie
13.07.2018 | Universitätsklinikum Schleswig-Holstein

nachricht Sicherer Auto fahren ohne Grauen Star: Geringeres Unfallrisiko nach Linsenoperation
12.07.2018 | Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

VDI sieht urbane Produktion und Logistik als integrale Teile der Stadt der Zukunft

19.07.2018 | Architektur Bauwesen

Infrarotsensor als neue Methode für die Wirkstoffentwicklung

19.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics