Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Westeuropäische Unternehmen wollen Fertigung und F&E-Aktivitäten an Heimatstandorten zurückfahren

25.10.2004


Westeuropäische Unternehmen wollen in den kommenden drei Jahren an heimischen Standorten ihre Produktion im unteren Bereich der Wertschöpfungskette sowie Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten (F&E) deutlich zurückfahren. Hauptgründe sind der Druck zur Rationalisierung und das Bestreben, die Arbeitskosten für weniger qualifizierte Tätigkeiten zu senken. Die Zukunft der westeuropäischen Produktion liegt auf Grund der hohen Produktivität zunehmend in der Herstellung von forschungsintensiven Hightech-Gütern. Das hat eine Umfrage im Auftrag von KPMG ergeben, bei der 172 Unternehmen des produzierenden Gewerbes (darunter 31 in Deutschland) aus den führenden westeuropäischen Industrienationen befragt wurden.


Während die befragten Produzenten heute durchschnittlich 48 Prozent ihrer Kapazitäten in den genannten Staaten fertigen, wird dieser Wert in drei Jahren auf 42 Prozent sinken. Auch der Anteil an den F&E-Aktivitäten wird nach Angaben der Unternehmen bis 2007 in Westeuropa von 55 auf 49 Prozent abnehmen. Vor allem Produzenten, die mehr als drei Viertel ihrer Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten in Europa konzentriert haben, werden diese dort reduzieren: Während heute 44 Prozent in diese Kategorie fallen, gehen nur 31 Prozent davon aus, noch in drei Jahren dazuzugehören. Als Hauptgründe für eine Standortverlagerung nannten die Befragten die Arbeitskosten (65 Prozent) sowie den Zwang zu Rationalisierung und Effizienzsteigerung (48 Prozent). Auch die Nähe zu Schlüsselmärkten spielt eine entscheidende Rolle.

Theodor Kilgert, verantwortlicher Partner bei KPMG für den Bereich "Industrial Products": "Zumindest mittelfristig werden die Unternehmen aus Westeuropa bei der Produktion besonders hochwertiger Güter immer noch einen klaren Wettbewerbsvorteil haben. Warum, wird klar, wenn man das Bruttoinlandsprodukt pro Arbeitsstunde einzelner Länder vergleicht. Es liegt in Frankreich und Deutschland bei über 47 US-Dollar und in Großbritannien bei knapp 40 Dollar. In Indien und China dagegen sind es nur 1 bis 1,50 Dollar. Die Produktivität in Westeuropa ist sehr hoch und gleicht die hohen Arbeitskosten teilweise aus. Diese sind ohnehin nur ein Faktor von vielen, wenn es um die Wahl des geeigneten Produktionsstandortes geht. Weiterhin zu beachten sind Logistik, Qualitätsniveau, Infrastruktur und die Transparenz gesetzlicher Rahmenbedingungen. Voraussetzung dafür sind allerdings ständige Produktinnovationen. Deutschland - mit einem 2,5 Prozent-Anteil der F&E-Ausgaben am Bruttoinlandsprodukt - hält dabei dem Wettbewerbsdruck besser stand als viele andere westeuropäischen Länder, deren Anteil zwischen 0,7 Prozent (Griechenland) und 1,9 Prozent (Großbritannien, Niederlande, Österreich) liegt. Allerdings stimmt insbesondere die zunehmende Bereitschaft, wertschöpfungsintensive Bereiche wie F&E nach Asien oder Osteuropa zu verlagern, bedenklich."


Neue Produktionsstandorte: Westeuropa gleichwohl vorn

Trotz der geäußerten Zurückhaltung wollen 45 Prozent der befragten Unternehmen innerhalb der nächsten drei Jahre neue Produktionsstätten für höherwertige Güter vorrangig in Westeuropa errichten. 18 Prozent planen die erwähnten Investitionen hingegen nach China zu verlagern, zehn Prozent nach Indien und in den Asien-Pazifik-Raum. Und 8,5 Prozent der Produzenten sehen Investitionen in den neuen osteuropäischen EU-Mitgliedsstaaten vor.

Theodor Kilgert: "Wenn die Ansiedlung bestimmter Aktivitäten an billigeren Standorten die Wettbewerbsfähigkeit der Hersteller aus Westeuropa insgesamt verbessert, werden diese wiederum eher in der Lage sein, in die hochwertigeren Bereiche zu investieren, die sie in den Westeuropa beibehalten wollen."

Finanzierung: Klassischer Bankkredit überwiegt

Der Investitionsbedarf in weitere kostenintensive Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten ist größer denn je. Dennoch zeigen die europäischen Hersteller keine Anzeichen, ihre langfristigen Bankkredite zugunsten anderer, innovativer und potenziell günstigerer Finanzierungsquellen wie z.B. Private Equity, zu ersetzen. So gaben 59 Prozent an, sich derzeit vorwiegend auf lang-fristige Bankkredite zu stützen - ebenso viele gehen davon aus, dass dies auch in drei Jahren noch immer der Fall sein wird.

Theodor Kilgert: "Eine der zentralen Schlussfolgerungen aus der Umfrage ist, dass die Voraussagen mancher Pessimisten vom Niedergang der westeuropäischen Produktion nicht der Realität entsprechen. Allerdings beruht diese Schlussfolgerung auf der Annahme, dass unsere produzierende Basis weiterhin innovativ tätig bleibt und konsequent qualitativ hochwertige und technisch anspruchsvolle Produkte der "nächsten Generation" herstellt. Dies erfordert erhebliche Investitionen und Anstrengungen. Effizienzsteigerungen, Produktinnovationen und Qualitätsoffensiven werden zunehmend überlebenswichtig. Bemerkenswert ist aber, dass die befragten Unternehmen offenbar einen Wechsel zu möglicherweise günstigeren Finanzierungsquellen scheuen."

Economist Intelligence Unit (EIU): "The future of European manufacturing". Befragt wurden Unternehmen in Belgien, Deutschland, Dänemark, Finnland, Frankreich, Italien, Niederlande, Norwegen, Schweden, Schweiz, Spanien, UK und in Europa ansässige Unternehmen mit Hauptsitz in den USA.

Thomas Blees | KPMG
Weitere Informationen:
http://www.kpmg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Grundlagen der Blockchain-Technologie in der Energiewirtschaft
27.07.2018 | Forschungsstelle für Energiewirtschaft e.V.

nachricht Studie zu Werkstoffprüfung: Schäden in nichtmagnetischem Stahl mit Magnetismus aufspüren
23.07.2018 | Technische Universität Kaiserslautern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Farbeffekte durch transparente Nanostrukturen aus dem 3D-Drucker

Neues Design-Tool erstellt automatisch 3D-Druckvorlagen für Nanostrukturen zur Erzeugung benutzerdefinierter Farben | Wissenschaftler präsentieren ihre Ergebnisse diese Woche auf der angesehenen SIGGRAPH-Konferenz

Die meisten Objekte im Alltag sind mit Hilfe von Pigmenten gefärbt, doch dies hat einige Nachteile: Die Farben können verblassen, künstliche Pigmente sind oft...

Im Focus: Color effects from transparent 3D-printed nanostructures

New design tool automatically creates nanostructure 3D-print templates for user-given colors
Scientists present work at prestigious SIGGRAPH conference

Most of the objects we see are colored by pigments, but using pigments has disadvantages: such colors can fade, industrial pigments are often toxic, and...

Im Focus: Eisen und Titan in der Atmosphäre eines Exoplaneten entdeckt

Forschende der Universitäten Bern und Genf haben erstmals in der Atmosphäre eines Exoplaneten Eisen und Titan nachgewiesen. Die Existenz dieser Elemente in Gasform wurde von einem Team um den Berner Astronomen Kevin Heng theoretisch vorausgesagt und konnte nun von Genfern Astronominnen und Astronomen bestätigt werden.

Planeten in anderen Sonnensystemen, sogenannte Exoplaneten, können sehr nah um ihren Stern kreisen. Wenn dieser Stern viel heisser ist als unsere Sonne, dann...

Im Focus: Magnetische Antiteilchen eröffnen neue Horizonte für die Informationstechnologie

Computersimulationen zeigen neues Verhalten von Antiskyrmionen bei zunehmenden elektrischen Strömen

Skyrmionen sind magnetische Nanopartikel, die als vielversprechende Kandidaten für neue Technologien zur Datenspeicherung und Informationsverarbeitung gelten....

Im Focus: Unraveling the nature of 'whistlers' from space in the lab

A new study sheds light on how ultralow frequency radio waves and plasmas interact

Scientists at the University of California, Los Angeles present new research on a curious cosmic phenomenon known as "whistlers" -- very low frequency packets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

LaserForum 2018 thematisiert die 3D-Fertigung von Komponenten

17.08.2018 | Veranstaltungen

Aktuelles aus der Magnetischen Resonanzspektroskopie

16.08.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2018

16.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bionik im Leichtbau

17.08.2018 | Verfahrenstechnologie

Klimafolgenforschung in Hannover: Kleine Pflanzen gegen große Wellen

17.08.2018 | Biowissenschaften Chemie

HAWK-Ingenieurinnen und -Ingenieure entwickeln die leichteste 9to-LKW-Achse ihrer Art

17.08.2018 | Messenachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics