Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zählen durch Sprachmangel unmöglich

23.08.2004


Studie kritisiert den linguistischen Determinismus



Die amazonischen Stämme können keine größeren Zahlenaufgaben lösen, da ihnen durch ihr Zählsystem von "eins", "zwei" und "viele" keine weiteren Zahlenbegriffe bekannt sind. Psychologen, Anthropologen und Linguisten erforschen schon jahrelang, ob Zahlen wahrgenommen werden können, auch wenn die nötige Sprache zur Beschreibung fehlt. Eine neue Studie des Verhaltensforschers Peter Gordon von der Columbia Universität hat nun das Sprachverhalten der Piraha-Stämme im Amazonas dahingehend untersucht, ob Menschen ohne Zahlenbegriff zählen können oder nicht. Die Studie sorgte für heftige Diskussionen um den linguistischen Determinismus, berichtete das Wissenschaftsmagazin Nature.

... mehr zu:
»Determinismus »Piraha »Psychologe


"Der Piraha-Stamm ist eine Jäger-und Sammler-Gruppe von rund 200 Menschen. Sie haben die ihnen gestellten Zähl-Aufgaben teilweise sehr mühsam erledigt und konnten bei längeren Zahlen nicht mehr folgen. Sie waren unfähig den Unterschied zwischen vier und fünf Objekten in einer Reihe zu erkennen, da in ihrem Leben noch keine Möglichkeit des Zählens bestand", erklärte Gordon. Bei ansteigender Zahl der Objekte war es ihnen mit der Zeit unmöglich die gestellten Aufgaben zu lösen.

"Es gibt sicherlich einige Dinge, über die wir nachdenken, aber nicht reden können. Ich habe bewiesen, dass eine Sprachbegrenzung die Kognition beeinflusst. Die Studie ist der erste überzeugende Beweis, dass im Falle der Piraha ein Sprachmangel davon abhält über längere Zahlen nachzudenken", sagte Gordon.

Ob die Sprache Gedanken formen kann, sollte unter anderem durch diese Studie bewiesen werden, dennoch sind die Forscher weit von einer Übereinstimmung entfernt. "Der linguistische Determinismus wird also weiterhin heftig diskutiert werden", sagte Randy Gallistel, Psychologe der Rutger Universität in Piscataway, in New Jersey. Lisa Feigenson, Psychologin der John Hopkins Universität in Baltimore, hält die Studie für eines der besten Beispiele um darzustellen wie die Sprache Menschen komplett neu denken lässt. Gallistel glaubt, dass die Piraha es nicht erkannten, wenn ein Objekt mit einem anderem übereinstimmte und so hatten sie ernsthafte Probleme die Aufgaben zu lösen. Er argumentiert, dass es angeboren ist Zahlen zu begreifen und die Sprache nur ein Hilfsmittel zur Verfeinerung darstellt. Die Psychologin Susan Carey der Harvard Universität in Massachusettes behauptet, dass das Gegenteil der Fall sei, denn es mangelt uns an angeborenen Fähigkeiten, wie die Schwierigkeiten der Piraha mit Zahlen beweisen.

Cavita Bolek | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.nature.com

Weitere Berichte zu: Determinismus Piraha Psychologe

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Wasserelektrolyse hat Potenzial zur Gigawatt-Industrie
18.09.2018 | Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE

nachricht Was ist Asthma – und wenn ja wie viele?
12.09.2018 | Deutsches Zentrum für Lungenforschung e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie Magnetismus entsteht: Elektronen stärker verbunden als gedacht

Wieso sind manche Metalle magnetisch? Diese einfache Frage ist wissenschaftlich gar nicht so leicht fundiert zu beantworten. Das zeigt eine aktuelle Arbeit von Wissenschaftlern des Forschungszentrums Jülich und der Universität Halle. Den Forschern ist es zum ersten Mal gelungen, in einem magnetischen Material, in diesem Fall Kobalt, die Wechselwirkung zwischen einzelnen Elektronen sichtbar zu machen, die letztlich zur Ausbildung der magnetischen Eigenschaften führt. Damit sind erstmals genaue Einblicke in den elektronischen Ursprung des Magnetismus möglich, die vorher nur auf theoretischem Weg zugänglich waren.

Für ihre Untersuchung nutzten die Forscher ein spezielles Elektronenmikroskop, das das Forschungszentrum Jülich am Elettra-Speicherring im italienischen Triest...

Im Focus: Erstmals gemessen: Wie lange dauert ein Quantensprung?

Mit Hilfe ausgeklügelter Experimente und Berechnungen der TU Wien ist es erstmals gelungen, die Dauer des berühmten photoelektrischen Effekts zu messen.

Es war eines der entscheidenden Experimente für die Quantenphysik: Wenn Licht auf bestimmte Materialien fällt, werden Elektronen aus der Oberfläche...

Im Focus: Scientists present new observations to understand the phase transition in quantum chromodynamics

The building blocks of matter in our universe were formed in the first 10 microseconds of its existence, according to the currently accepted scientific picture. After the Big Bang about 13.7 billion years ago, matter consisted mainly of quarks and gluons, two types of elementary particles whose interactions are governed by quantum chromodynamics (QCD), the theory of strong interaction. In the early universe, these particles moved (nearly) freely in a quark-gluon plasma.

This is a joint press release of University Muenster and Heidelberg as well as the GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt.

Then, in a phase transition, they combined and formed hadrons, among them the building blocks of atomic nuclei, protons and neutrons. In the current issue of...

Im Focus: Der Truck der Zukunft

Lastkraftwagen (Lkw) sind für den Gütertransport auch in den kommenden Jahrzehnten unverzichtbar. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Technischen Universität München (TUM) und ihre Partner haben ein Konzept für den Truck der Zukunft erarbeitet. Dazu zählen die europaweite Zulassung für Lang-Lkw, der Diesel-Hybrid-Antrieb und eine multifunktionale Fahrerkabine.

Laut der Prognose des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur wird der Lkw-Güterverkehr bis 2030 im Vergleich zu 2010 um 39 Prozent steigen....

Im Focus: Extrem klein und schnell: Laser zündet heißes Plasma

Feuert man Lichtpulse aus einer extrem starken Laseranlage auf Materialproben, reißt das elektrische Feld des Lichts die Elektronen von den Atomkernen ab. Für Sekundenbruchteile entsteht ein Plasma. Dabei koppeln die Elektronen mit dem Laserlicht und erreichen beinahe Lichtgeschwindigkeit. Beim Herausfliegen aus der Materialprobe ziehen sie die Atomrümpfe (Ionen) hinter sich her. Um diesen komplexen Beschleunigungsprozess experimentell untersuchen zu können, haben Forscher aus dem Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) eine neuartige Diagnostik für innovative laserbasierte Teilchenbeschleuniger entwickelt. Ihre Ergebnisse erscheinen jetzt in der Fachzeitschrift „Physical Review X“.

„Unser Ziel ist ein ultrakompakter Beschleuniger für die Ionentherapie, also die Krebsbestrahlung mit geladenen Teilchen“, so der Physiker Dr. Thomas Kluge vom...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

4. BF21-Jahrestagung „Car Data – Telematik – Mobilität – Fahrerassistenzsysteme – Autonomes Fahren – eCall – Connected Car“

21.09.2018 | Veranstaltungen

Forum Additive Fertigung: So gelingt der Einstieg in den 3D-Druck

21.09.2018 | Veranstaltungen

12. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

20.09.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Tiefseebergbau: Forschung zu Risiken und ökologischen Folgen geht weiter

21.09.2018 | Geowissenschaften

4. BF21-Jahrestagung „Car Data – Telematik – Mobilität – Fahrerassistenzsysteme – Autonomes Fahren – eCall – Connected Car“

21.09.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Optimierungspotenziale bei Kaminöfen

21.09.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics