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Der Europamarkt für Kraft-Wärme-Kopplung

02.08.2004


Markt für Kraft-Wärme-Kopplung im Aufwind



Der wirtschaftliche Aufschwung, die wieder auflebende Investitionsbereitschaft und Änderungen in den Energiegesetzen bringen derzeit wieder Dynamik in den reifen Europamarkt für KWK-Anlagen (Kraft-Wärme-Kopplung). Derzeit noch auf rund 1,5 Milliarden US-Dollar beziffert, soll das Umsatzvolumen zwischen 2005 und 2010 im Jahresdurchschnitt um drei Prozent wachsen, so das Ergebnis einer neuen Analyse der Unternehmensberatung Frost & Sullivan. Damit scheint die jüngste Schwächephase der Branche erst einmal überstanden.



Die allgemeine globale Konjunkturflaute, Kapazitätsüberschüsse bei der Energieerzeugung und die schwache Nachfrage aufgrund des geringen industriellen Wachstums sind nur einige der Gründe für die rückläufigen Umsatzzahlen der letzten Zeit. Daneben nennt Frost & Sullivan die hohen Gaspreise, die niedrigen Elektrizitätspreise, keine Preisanreize, Probleme mit der Einbindung in nationale Netze und den historischen Mangel an adäquaten Strukturen.

Doch deutet mittlerweile alles auf eine Erholung hin. "Die Fähigkeit zur effizienten Verwertung von Abwärme verschafft der Kraft-Wärme-Kopplung einen eindeutigen Vorteil gegenüber konventionellen Stromerzeugungsprozessen, bei denen der Anteil der ungenutzten thermischen Energie erheblich höher liegt", so Rajeev MS, Branchenanalyst bei Frost & Sullivan. Bei der KWK kann die Abwärme als zusätzliche Energiequelle für Prozessdampf-, Heiz- und Kühlanwendungen nutzbar gemacht werden. Die so entstehenden Kosteneinsparungen machen die KWK interessant für die Endnutzer, die anderenfalls zusätzlich in diese Anwendungen investieren müssten.

Umstieg auf KWK immer beliebter

Motiviert durch den Anreiz, die Wärmeenergie zu sparen, die während der Stromerzeugung normalerweise einfach verpufft, planen derzeit diverse Versorgungsbetriebe einen Umstieg von ihren konventionellen Kraftwerken auf KWK-Anlagen. "Für solche Programme zur vollständigen Nutzung der erzeugten Energie eignen sich vor allem Gas- und Dampfturbinenheizkraftwerke, die damit wichtige Wachstumsbereiche für die Hersteller von KWK-Anlagen eröffnen", sagt Rajeev MS.

Aus dem wachsenden Bedarf kritischer Branchen an zuverlässiger, qualitativ hochwertiger und unterbrechungsfreier Energieversorgung ergeben sich neue Chancen für die dezentrale Kraft-Wärme-Kopplung. Die hohe Nachfrage von Seiten der Halbleiter- und Software-Hersteller, Banken, Versicherungsunternehmen und chemischen Verfahrenstechnik wird den Industriesektor voraussichtlich zu einem der dynamischsten Endnutzersegmente der Kraft-Wärme-Kopplung machen.

Neuer Schwung durch EU-Direktive

Aus rechtlicher Perspektive dürfte die neue EU-Direktive zum Thema Kraft-Wärme-Kopplung in den kommenden fünf Jahren für neuen Schwung im Markt sorgen. "Diese innovative Gesetzesinitiative wird zwar keine umfassende Sofortlösung für die derzeitigen Probleme bringen, doch werden in der Folge Branchen- wie institutionelle Grenzen fallen. Davon wird die KWK mit ihrer effizienten Nutzung des Energiepotenzials zweifellos erheblich profitieren", kommentiert Rajeev MS. "Wir erwarten von der Direktive eine transparente und für den Sektor vorteilhafte Struktur, die die Vorschriften und Regeln verdeutlicht und gleichzeitig einen Anreiz zu Installation und/oder Betrieb von KWK-Anlagen bietet."

Wichtige Unterstützung erfährt die Branche in mehreren europäischen Ländern außerdem durch Regierungsinitiativen zu Elektrizitätstarifen, niedrigeren Verbundnetzgebühren und Emissionskrediten.

Folglich ist gemäß Analyse bei der Kraft-Wärme-Kopplung mit einem ständigen Kapazitätszuwachs zu rechnen - europaweit von 3.345,9 MW im Jahr 2002 auf 4.000 MW im Jahr 2010. Neben den genannten Wachstumsmotoren werden sich auch die eskalierenden Treibstoffkosten positiv auf das Marktwachstum auswirken, da die Kunden zunehmend nach energieeffizienten Anlagen suchen, mit denen sich bei gleichbleibender Rentabilität die operationalen Kosten senken lassen. Weitere Impulse liefern die Bestrebungen zur Reduzierung fossiler Brennstoffe aus Umweltgründen. Davon hat in letzter Zeit vor allem der Sektor für Gasturbinen und -motoren profitiert.

Gasturbinen größtes Segment

Entsprechend wurden mit Gasturbinen im Jahr 2003 denn auch die höchsten Umsätze im KWK-Markt erzielt, gefolgt von elektrischen Generatoren. Auch bei der Kapazität liegen die Gasturbinen mit knapp unter 50 Prozent an der Marktspitze, auf Platz zwei und drei folgen Dampfturbinen und Kolbenmotoren.

Trotz aller positiven Signale müssen sich die Marktteilnehmer auch einer Reihe von Herausforderungen stellen. So stellt beispielsweise in manchen Ländern der billigere Strom aus alten, bereits abgeschriebenen Anlagen eine ernsthafte Bedrohung da. Weitere Probleme ergeben sich aus dem dichter werdenden Wettbewerb und den Überkapazitäten, die zu Preiserosion führen und die Rentabilität drücken.

Um Umsatzrückgänge zu stoppen und Kundenloyalität aufzubauen, kombinieren die Hersteller ihre Produkte derzeit mit Dienstleistungen wie Aufbau und Inbetriebsetzung der Anlagen, Jahreswartungsverträgen und Instandsetzung nach Ausfall. "Paketangebote sind insofern begrüßenswert, als die Kunden mehr für ihr Geld bekommen, während die Hersteller hohe Gewinnspannen erzielen", schließt Rajeev MS. "Hier hat sich eindeutig ein äußerst lukratives Geschäftsfeld entwickelt."

Titel der Analyse: Frost & Sullivan’s Analysis Of The European Cogeneration Equipment Market, (Report B277), Preis der Analyse: Euro 5.550,--

Die Unternehmensberatung Frost & Sullivan beobachtet ständig eine Reihe wichtiger Hightech-Branchen und befragt diese auf neue Markttrends, Kennzahlen und Unternehmensstrategien.

Frost & Sullivan wurde 1961 in New York gegründet und ist heute als internationale Unternehmensberatung auf den Geschäftsfeldern Marktforschung und Marketingberatung aktiv.

Mit rund 750 Mitarbeitern liefert Frost & Sullivan seinen Kunden in allen Hochtechnologiebranchen wichtige Daten für strategische Entscheidungen. Seminare, Konferenzen und Managementtrainings ergänzen das Angebot.

Frost & Sullivan verfügt über europäische Büros in London, Paris und Frankfurt sowie über eigene Forschungszentren in Kalifornien, London und Singapur.

Stefan Gerhardt | Frost & Sullivan
Weitere Informationen:
http://www.frost.com

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