Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erste europäische Vergleichsstudie zur Begabtenförderung

25.09.2003


Immer mehr Lehrer bemühen sich um Zusatzqualifikationen, um Hochbegabung rechtzeitig zu erkennen und entsprechende Schüler gezielt fördern zu können. Zu diesem Ergebnis kommt eine erste europäische Vergleichsstudie zur Begabtenförderung, die auf dem internationalen Kongress "Curriculum und Didaktik der Begabtenförderung" vom 24. bis 27. September an der Universität Münster vorgestellt und diskutiert wird.


Prof. Mönks erstellte eine erste Bestandsaufnahme der Maßnahmen zur Begabtenförderung in Europa



Lange Zeit tabuisiert, ist die Förderung hochbegabter Kinder und Jugendlicher und das Verständnis für ihre Situation in den vergangenen Jahren auch an Deutschlands Schulen stärker ins Bewusstsein gerückt. Immer mehr Lehrer erwerben Zusatzqualifikationen, um Hochbegabung rechtzeitig zu erkennen und entsprechende Schüler gezielt fördern zu können. Zu diesem Ergebnis kommt eine erste europäische Vergleichsstudie zur Begabtenförderung, die auf dem internationalen Kongress "Curriculum und Didaktik der Begabtenförderung" vom 24. bis 27. September an der Universität Münster vorgestellt und diskutiert wird.



Defizite zeigt die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung in Auftrag gegebene Studie jedoch bei der Diagnose von Begabungen. Die Methoden reichen "vom Expertengutachten über Lehrer- und Elternnominierungen bis zu den Schulnoten", bilanziert Prof. Dr. Franz Mönks vom "Internationalen Centrum für Begabungsforschung" (ICBF) der Universitäten Münster und Nijmegen/Niederlande, Autor der Studie. Es mangelt an wissenschaftlich fundierten Hilfestellungen, um Begabungen bereits bei Kindergarten- und Grundschulkindern zu erkennen. Dabei werden gerade in frühen Jahren wichtige Weichen für die Entwicklung besonders begabter Kinder gestellt. Auch im Bereich der Didaktik und der individuellen Fördermöglichkeiten erkennt Mönks Mängel in ganz Europa.

Insgesamt 21 europäische Länder hat er in der Studie mit dem Titel "Schulische Begabtenförderung in Europa: Bestandsaufnahme und Ausblick" berücksichtigt. Besonders England, die Niederlande, Österreich, die Schweiz, Ungarn, Deutschland und Slowenien fallen positiv in ihren Bemühungen auf, Begabtenförderung zu systematisieren. Ein Ranking der beteiligten Staaten will Mönks mit seiner Studie jedoch ausdrücklich nicht aufstellen. Vielmehr gibt die Studie einen Einblick in die Arbeit der Nachbarländer und will gegenseitige Lernprozesse anregen.

Einig sind sich die Experten in Wissenschaft und Praxis darin, dass das Lernen an den Schulen individualisiert und flexibilisiert werden muss. "Wir müssen möglichst viele Schüler möglichst weit mitnehmen auf dem Weg zu einer umfassenden Bildung. Unsere Zukunftsfähigkeit sichern wir nur mit einem öffentlichen Bildungssystem, das alle fördert und fordert: auch die besonders Begabten", betont Prof. Dr. Heribert Meffert, Präsidiumsvorsitzender der Bertelsmann Stiftung. Würde diese Forderung konsequent umgesetzt, bedeute dies allerdings "eine bildungspolitische Neuorientierung und das Ende der Schule, wie wir sie kennen", so Meffert zur Eröffnung des Kongresses in Münster.

"Das gestiegene Interesse am Thema Begabtenförderung belegt auch der vom ICBF in Kooperation mit der Bertelsmann Stiftung und mit Unterstützung der Karg-Stiftung organisierte Kongress selbst", so Dr. Christian Fischer, Geschäftsführer des ICBF. Mit 550 Teilnehmern aus Praxis, Politik und Wissenschaft und weltweit renommierten Rednern sei er einer der größten internationalen Kongresse zur Begabtenförderung, den es in Deutschland und Europa je gegeben habe.

Das ICBF ist eine Gemeinschaftsinitiative der Universitäten Münster und Nijmegen. Gegründet im Februar 2001 beschäftigt sich das Zentrum nicht nur mit der Begabungsforschung, sondern auch mit der praktischen Umsetzung seiner Erkenntnisse im Bereich der Begabtenförderung und der entsprechenden Aus- und Weiterbildung für Lehrer und Pädagogen. Die mittlerweile 13 beteiligten Wissenschaftler und 15 weiteren Mitarbeiter leisten bundesweite Lobbyarbeit für die Sache der Begabtenförderung und beraten Eltern, Schulen, Hochschulen und Ministerien.

Viola Naerdemann | idw
Weitere Informationen:
http://www.icbf.de

Weitere Berichte zu: Begabtenförderung Didaktik ICBF Vergleichsstudie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Neue internationale Studie: Immuntherapie für Kinder mit akuter Leukämie
13.07.2018 | Universitätsklinikum Schleswig-Holstein

nachricht Sicherer Auto fahren ohne Grauen Star: Geringeres Unfallrisiko nach Linsenoperation
12.07.2018 | Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vernetzte Beleuchtung: Weg mit dem blinden Fleck

18.07.2018 | Energie und Elektrotechnik

BIAS erhält Bremens größten 3D-Drucker für metallische Luffahrtkomponenten

18.07.2018 | Verfahrenstechnologie

Verminderte Hirnleistung bei schwachem Herz

18.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics