Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuer Bericht der Kommission zählt die sozialen Kosten des Verkehrs und der Stromerzeugung auf

10.09.2003


Die Europäische Kommission hat eine Untersuchung durchführen lassen, die die vollen sozio-ökologischen Kosten verschiedener Verkehrsmittel und Arten der Stromerzeugung beziffern sollte. Ihre Ergebnisse könnten als Grundlage für Ökosteuern auf die ungünstigsten Technologien herangezogen werden.



Sozio-ökologische oder "externe" Kosten von Tätigkeiten wie der Stromerzeugung entstehen, so der Bericht, immer dann, wenn "die gesellschaftlichen oder wirtschaftlichen Tätigkeiten einer Gruppe von Personen sich auf eine andere Gruppe auswirken und wenn die erste Gruppe nicht die volle Verantwortung für diese Folgen übernimmt bzw. keinen entsprechenden Ausgleich schafft".



In seinem Vorwort zu diesem Bericht, der die Ergebnisse der ExternE-Studie enthält, schreibt EU-Forschungskommissar Philippe Busquin, die Studie gestatte den Vergleich verschiedener Treibstoffe und Technologien für die Stromwirtschaft und den Verkehrssektor: "Daher könnten politische Maßnahmen ergriffen werden, um die nachteiligsten Treibstoffe und Technologien zu besteuern oder solche zu fördern, die geringere sozio-ökologische Kosten nach sich ziehen."

Im Bericht wurden u.a. die Folgen für die menschliche Gesundheit, Schäden an Gebäuden, die Belastung von Kulturpflanzen und Ökosystemen, die globale Erwärmung und Lärmbelästigung untersucht. Die Untersuchung verwendete ein Bottom-Up-Konzept, wobei Emissionen an ihrer Quelle gemessen und Schwankungen der Qualität der Luft, des Bodens und des Wassers analysiert wurden, bevor physikalische Auswirkungen ausgewertet und in Geld umgerechnet wurden. Damit soll die hohe Standortabhängigkeit der externen Kosten berücksichtigt werden.

Was die externen Kosten der Stromerzeugung anbelangt, verweist der Bericht darauf, dass sich die Ergebnisse der verschiedenen Technologien auf Grund standortbezogener Unterschiede nur sehr schwer vergleichen lassen. Dennoch geht aus den Ergebnissen hervor, dass die Windkraft insgesamt sehr umweltfreundlich ist, was Emissionen von "klassischen" Schadstoffen wie Schwefeldioxid sowie Treibhausgasen anbelangt.

Im Gegensatz dazu leide die Kohleverstromung, was den Ausstoß von Treibhausgasen angeht, "unter den sehr hohen CO2- [Kohlendioxid-] Emissionen". Darüber hinaus seien ältere Kohlekraftwerke für eine hohe Belastung durch klassische Schadstoffe verantwortlich; diese werden daher als die schlechteste Technologie auf dem Markt bezeichnet.

Die zusätzlichen Gesamtkosten der Schäden durch die Kohleverstromung liegen umgerechnet bei 0,75 Euro pro Kilowattstunde, während die externen Kosten der Stromerzeugung durch Windenergie lediglich 0,05 Euro pro Kilowattstunde betragen. Diese Zahlen lassen sich zwar nicht allgemein auf alle Kraftwerksstandorte anwenden, können aber ein nützliches Hilfsmittel für die Politik bei der Aufstellung von Umweltgesetzen darstellen.

Die externen Kosten verschiedener Verkehrsträger werden in einer ganz ähnlichen Weise dargestellt. Da mit Strom angetriebene Züge keine unmittelbaren Emissionen verursachen, so der Bericht, entstünden die größten externen Kosten dieses Verkehrsträgers bei der Stromerzeugung. Daher seien Züge das bei weitem umweltfreundlichste Verkehrsmittel. Gleich danach kommt der Bus auf Grund seiner hohen Kapazitätsausnutzung, die zu relativ niedrigen Endkosten je 100 Fahrgastkilometer führt.

Die externen Kosten aller Verkehrsträger berücksichtigen nicht nur die Auspuffemissionen und die Umweltbelastung durch die Treibstoffproduktion, sondern auch die Umweltauswirkungen durch die Fahrzeugherstellung und den Bau der Infrastruktur. Dieselfahrzeuge weisen in fast allen Kategorien die schlechtesten Werte auf.

Allein in Deutschland ergeben sich aus den Ergebnissen des Jahres 1998 externe Kosten in Verbindung mit dem Verkehrssektor von insgesamt 33 Milliarden Euro oder 1,7 Prozent des deutschen BIP im gleichen Jahr. Darin sind Unfälle, Lärm, CO2-Emissionen und die Luftverschmutzung berücksichtigt. Allein der Straßenverkehr war für über 30 Milliarden Euro an externen Kosten verantwortlich.

Die Autoren der Studie weisen darauf hin, dass ihre Ergebnisse große Unsicherheiten enthalten und dass laufende Forschungsarbeiten über die gesundheitlichen Folgen der Umweltbelastung oder den Wert eines verlorenen Lebensjahres einen wichtigen Faktor für zukünftige Berechnungen darstellen.

Die Ergebnisse der ExternE-Studie werden gleichwohl an die relevanten europäischen Akteure weitergeleitet, denn die Autoren gehen davon aus, dass dies den Entscheidungsprozess transparenter werden lässt und vorrangige Forschungsbereiche aufzeigen wird.

"Bei politischen Entscheidungen ist es auf jeden Fall besser, wenigstens den möglichen Bereich der externen Kosten zu kennen, als über gar keine quantitativen Angaben zu verfügen", so das Fazit des Berichts.

| cn
Weitere Informationen:
http://dbs.cordis.lu/cgi-bin/srchidadb?CALLER=NHP_DE_NEWS&ACTION=D&SESSION=&RCN=EN_RCN_ID:20861&TBL=DE_NEWS

Weitere Berichte zu: Emission ExternE-Studie Schadstoff Stromerzeugung Verkehrsträger

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Mobilfunkstrahlung kann die Gedächtnisleistung bei Jugendlichen beeinträchtigen
19.07.2018 | Swiss Tropical and Public Health Institute

nachricht Neue internationale Studie: Immuntherapie für Kinder mit akuter Leukämie
13.07.2018 | Universitätsklinikum Schleswig-Holstein

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Anwendungen für Mikrolaser in der Quanten-Nanophotonik

20.07.2018 | Physik Astronomie

Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen

20.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Die Gene sind nicht schuld

20.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics