Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gehirn blinder Menschen strukturiert sich um

18.06.2003


Bisherige Studien zeigten, dass von Geburt aus blinde Menschen (kongenitale Blindheit) überdurchschnittlich entwickelte verbale Fähigkeiten besitzen. Hinweise auf die Gründe dieses Phänomens lieferte nun eine aktuelle Studie des Department of Neurobiology des Alexander Silberman Institute of Life Science der Hebrew University of Jerusalem. Das Team um Ehud Zohary untersuchte, wie und wo Informationen im Gehirn blinder Menschen verarbeitet werden. Menschen verlassen sich auf ihren Sehsinn. Etwa 25% des menschlichen Gehirns werden verwendet, um visuelle Reize zu verarbeiten. Widerlegt werden konnte nun der bisher vorherrschende Glaube, mit dem Verlust des Sehsinns würde auch diese Region brach liegen. Die Ergebnisse der Studie deuten darauf hin, dass die unbeschäftigt geglaubte Sehrinde für die Verarbeitung des Tastsinns aber auch für Sprache und Gedächtnis genützt wird. Ein Bericht über die Studie erscheint in der aktuellen Online-Ausgabe des Fachmagazins Nature Neuroscience.



Während des Lesens der Braille Schrift aktivieren von Geburt an Blinde die Sehregion. Dieses Areal wird durch die Blindheit neu organisiert und mit dem Verarbeiten von Informationen des Tastsinns "beauftragt". Lesen stimuliert jedoch nicht nur den taktilen Sinn, sondern schließt auch Sprache und Gedächtnisprozesse mit ein. Durch funktionale Magnetresonanz (fMRI) zeigten die Forscher, dass die Sehrinde Blinder nicht nur durch das Lesen der Braille Schrift aktiviert wird, sondern auch durch verbale Wiedergabe von zuvor Gemerktem, z.B. der Wiedergabe einer Reihe abstrakter Wörter. Zohary und sein Team schließen daraus, dass kongenitale Blindheit zu einer dramatischen Reorganisation der Sehrinde und damit zu herausragenden kognitiven Fähigkeiten führt. Diese Fähigkeit der Umstrukturierung sei bei Menschen, die später in ihrem Leben erblinden, nicht in gleichem Ausmaß gegeben, so Zohary.

... mehr zu:
»Blinder »Blindheit »Sehrinde


Die Forscher erkannten auch enorme Unterschiede bei sehenden Menschen. Personen dieser Kontrollgruppe wurden vor die gleichen verbalen Gedächtnis-Aufgaben gestellt, wie die blinden Personen zuvor: Die sehenden Menschen zeigten keinerlei Aktivität der Sehrinde bei derartigen Gedächtnisaufgaben. "Diese Studie öffnet ein Fenster für besseres Verständnis der kortikalen Formbarkeit. Ein wichtiger Schritt, um die Behandlung neurodegenerativer Krankheiten zu verbessern", sagte Zohary. Dennoch seien unbedingt weitere Forschungen notwendig, um die neuronalen Mechanismen besser zu verstehen, so der Forscher abschließend.

Bettina Benesch | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://bio.huji.ac.il/dep.asp?dept=6
http://www.nature.com/neuro

Weitere Berichte zu: Blinder Blindheit Sehrinde

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Mobilfunkstrahlung kann die Gedächtnisleistung bei Jugendlichen beeinträchtigen
19.07.2018 | Swiss Tropical and Public Health Institute

nachricht Neue internationale Studie: Immuntherapie für Kinder mit akuter Leukämie
13.07.2018 | Universitätsklinikum Schleswig-Holstein

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Automatisiertes Befüllen von Regalen im Einzelhandel

19.07.2018 | Verkehr Logistik

Mobilfunkstrahlung kann die Gedächtnisleistung bei Jugendlichen beeinträchtigen

19.07.2018 | Studien Analysen

Mit dem Nano-U-Boot gezielt gegen Kopfschmerzen und Tumore

19.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics