Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Studie: Sinken Billigflaggen-Öltanker wirklich häufiger?

21.11.2002


Zwei UWH-Wirtschaftswissenschaftler untersuchen Untergänge von 1963-96.



Gerade ist der Öltanker "Prestige" vor der galizischen Küste im 4000 Meter tiefen Atlantik versunken, da beginnt schon wieder die Diskussion um verschärfte Auflagen für Tanker unter Billigflagge. Frank Tolsdorf und Dirk Losen, zwei Wirtschaftswissenschaftler der Universität Witten/Herdecke, weisen jetzt in einer empirischen Studie, die demnächst im Wittener Jahrbuch für ökonomische Literatur 2002 erscheint, zwar nach, dass "Tanker aus Billigflaggenländer" häufiger sinken als Tanker aus "Normalflaggenländer". Jedoch ist der Unterschied viel geringer als man bisher vermutet hat: Zur Untermauerung ihrer These besorgte sich das Duo die Daten aller weltweit gesunkenen Tanker zwischen 1963 und 1996 - 686 insgesamt, 589, wenn man die Kriegsverluste abzieht. Die Menge des dabei von 1970 bis 1999 in die Weltmeere geflossenen Öls beträgt astronomische 5,4 Mio. Tonnen - genug, um alle Küsten Europas mit einer mehreren Zentimeter dicken Ölschicht zu überziehen. Tolsdorfs und Losens Analyse widerlegt jedoch eine These, die jetzt wieder in der Öffentlichkeit zu hören ist: Tanker aus Billigflaggenländer seien immer häufiger die Ursache für gewaltige Havarien.

... mehr zu:
»Billigflaggenland »Tanker


Vielmehr ergibt sich ein anderer, überraschender Befund: Der stark angestiegene Ölpreis der letzten drei Jahrzehnte scheint auch Billigflaggentanker immerhin so sicher gemacht zu haben, dass sie zwar noch häufiger als andere in Havarien verwickelt sind, aber bei weitem nicht mehr so stark wie früher. Die "Untergangswahrscheinlichkeit" von Billigflaggentanker ging vor allem in den Jahren zwischen 1978-82 um 50 Prozent zurück und sank danach weiter. Im selben Zeitraum hatte sich der Rohölpreis mehr als verdreifacht.

Daraus zieht das Forscherduo den Schluss, dass es vor allem der Markt selbst und nicht staatliche oder überstaatliche Regelungen war, der Tanker insgesamt sicherer gemacht hat. Ihr Argument: Wenn eine Tankerladung heute, inflationsbereinigt, im Durchschnitt ein Mehrfaches dessen wert ist, was sie noch vor 25 Jahren kostete, steigt auch die Bereitschaft von Reedern unter Billigflaggen wie Liberia, Panama und Griechenland mit insgesamt 41,5% der Welttonnage, in die Sicherheit ihrer Schiffe zu investieren.

Kontakt:
Frank Tolsdorf, Tel.: 02302-926564
Dirk Losen, Tel.: 02302-926579

Christiane Bensch | idw

Weitere Berichte zu: Billigflaggenland Tanker

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Grundlagen der Blockchain-Technologie in der Energiewirtschaft
27.07.2018 | Forschungsstelle für Energiewirtschaft e.V.

nachricht Studie zu Werkstoffprüfung: Schäden in nichtmagnetischem Stahl mit Magnetismus aufspüren
23.07.2018 | Technische Universität Kaiserslautern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Der Roboter als „Tankwart“: TU Graz entwickelt robotergesteuertes Schnellladesystem für E-Fahrzeuge

Eine Weltneuheit präsentieren Forschende der TU Graz gemeinsam mit Industriepartnern: Den Prototypen eines robotergesteuerten CCS-Schnellladesystems für Elektrofahrzeuge, das erstmals auch das serielle Laden von Fahrzeugen in unterschiedlichen Parkpositionen ermöglicht.

Für elektrisch angetriebene Fahrzeuge werden weltweit hohe Wachstumsraten prognostiziert: 2025, so die Prognosen, wird es jährlich bereits 25 Millionen...

Im Focus: Robots as 'pump attendants': TU Graz develops robot-controlled rapid charging system for e-vehicles

Researchers from TU Graz and their industry partners have unveiled a world first: the prototype of a robot-controlled, high-speed combined charging system (CCS) for electric vehicles that enables series charging of cars in various parking positions.

Global demand for electric vehicles is forecast to rise sharply: by 2025, the number of new vehicle registrations is expected to reach 25 million per year....

Im Focus: Der „TRiC” bei der Aktinfaltung

Damit Proteine ihre Aufgaben in Zellen wahrnehmen können, müssen sie richtig gefaltet sein. Molekulare Assistenten, sogenannte Chaperone, unterstützen Proteine dabei, sich in ihre funktionsfähige, dreidimensionale Struktur zu falten. Während die meisten Proteine sich bis zu einem bestimmten Grad ohne Hilfe falten können, haben Forscher am Max-Planck-Institut für Biochemie nun gezeigt, dass Aktin komplett von den Chaperonen abhängig ist. Aktin ist das am häufigsten vorkommende Protein in höher entwickelten Zellen. Das Chaperon TRiC wendet einen bislang noch nicht beschriebenen Mechanismus für die Proteinfaltung an. Die Studie wurde im Fachfachjournal Cell publiziert.

Bei Aktin handelt es sich um das am häufigsten vorkommende Protein in höher entwickelten Zellen, das bei Prozessen wie Zellstabilisation, Zellteilung und...

Im Focus: The “TRiC” to folding actin

Proteins must be folded correctly to fulfill their molecular functions in cells. Molecular assistants called chaperones help proteins exploit their inbuilt folding potential and reach the correct three-dimensional structure. Researchers at the Max Planck Institute of Biochemistry (MPIB) have demonstrated that actin, the most abundant protein in higher developed cells, does not have the inbuilt potential to fold and instead requires special assistance to fold into its active state. The chaperone TRiC uses a previously undescribed mechanism to perform actin folding. The study was recently published in the journal Cell.

Actin is the most abundant protein in highly developed cells and has diverse functions in processes like cell stabilization, cell division and muscle...

Im Focus: Arctic Ocean 2018 - Forscher untersuchen Wolken und Meereis in der Arktis

"Arctic Ocean 2018": So heißt die diesjährige Forschungsexpedition des schwedischen Eisbrechers ODEN in der Arktis, an der auch ein Wissenschaftler der Universität Leipzig beteiligt ist. Noch bis zum 25. September wollen die etwa 40 Forscher an Bord vor allem das mikrobiologische Leben im Ozean und im Meereis untersuchen und wie es mit der Wolkenbildung in der Arktis zusammenhängt.

Während der Fahrt durch die Arktis, die Ende Juli gestartet ist, sollen im Rahmen der Kampagne MOCCHA 2018 (Microbiology-Ocean-Cloud-Coupling in the Hight...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

EEA-ESEM Konferenz findet an der Uni Köln statt

13.08.2018 | Veranstaltungen

Digitalisierung in der chemischen Industrie

09.08.2018 | Veranstaltungen

Herausforderung China – Wissenschaftler aus der ganzen Welt diskutieren miteinander auf UW/H-Tagung

03.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Weltkleinster Transistor schaltet Strom mit einzelnem Atom in festem Elektrolyten

13.08.2018 | Energie und Elektrotechnik

Your Smartphone is Watching You: Gefährliche Sicherheitslücken in Tracker-Apps

13.08.2018 | Informationstechnologie

Was wir von Ameisen und Amöben über Koordination und Zusammenarbeit lernen können

13.08.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics