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Neue Möglichkeiten zur Früherkennung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen

13.09.2002


Im Dezember 2000 haben Wissenschaftler der Universitäten Düsseldorf, Essen, Köln und Witten/Herdecke mit der Arbeit an der Heinz Nixdorf Recall Studie begonnen. Die Ärzte und Epidemiologen suchen nach neuen Möglichkeiten zur Früherkennung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und nach neuen Erkenntnissen über die Entstehung dieser Volkskrankheiten. Im Zuge dieser Studie sind inzwischen 2 500 Männer und Frauen aus Essen, Bochum und Mülheim/Ruhr untersucht worden. Da die Teilnahme an der Studie selbstverständlich freiwillig ist, möchten die Wissenschaftler diese runde Zahl nutzen, um sich bei allen zu bedanken, die mit ihrer Teilnahme zum Erfolg dieses wissenschaftlichen Projekts zur Herz-Kreislauf Forschung beigetragen haben. Zudem werden nun erste Ergebnisse veröffentlicht und eine Bilanz des bisherigen Verlaufs gezogen.

Ziel der Studie

Ziel der Heinz Nixdorf Recall Studie ist es, die Früherkennung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu verbessern und gleichzeitig neue Erkenntnisse über deren Entstehung zu gewinnen. In Deutschland ist diese Krankheitsgruppe die häufigste Todesursache. Daher ist es von entscheidender Bedeutung, diese Krankheiten zu erkennen und zu behandeln, bevor sie sich klinisch manifestieren. Denn oftmals treten Herzinfarkte ohne vorherige Warnzeichen auf und führen in etwa 50% der Fälle zum Tod, noch bevor die Betroffenen das Krankenhaus erreichen. Die Heinz Nixdorf Recall Studie möchte insgesamt 4 550 nach einem Zufallsverfahren ausgewählte Bürgerinnen und Bürger der genannten Städte im Alter von 45 bis 74 Jahren im Hinblick auf verschiedene Möglichkeiten der Früherkennung und die Bedeutung von Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Krankheiten untersuchen. Dazu müssen die TeilnehmerInnen einen Termin im Untersuchungszentrum am Universitätsklinikum Essen wahrnehmen. In vier Stunden werden sie dann sehr gründlich untersucht. Neben bekannten Untersuchungen, wie - beispielsweise EKG oder Blutdruckmessungen, kommen auch modernste Unter-suchungsverfahren wie die Elektronenstrahltomographie zum Einsatz. Zudem werden psychosoziale Risikofaktoren wie Stress am Arbeitsplatz berücksichtigt. Wichtig ist, dass die TeilnehmerInnen keine Medikamente oder Kontrastmittel einnehmen müssen - es handelt sich um eine reine Beobachtungsstudie. Die wichtigsten Ergebnisse der Basisuntersuchung werden den Probanden und auf Wunsch auch deren Hausärzten zur Verfügung gestellt.

Sind die TeilnehmerInnen einmal in die Studie aufgenommen, werden sie über einen Zeitraum von fünf Jahren begleitet und über Veränderungen ihres Gesundheitszustandes schriftlich befragt. Die Studie hat im Dezember 2000 begonnen und endet im Januar 2008. Durchgeführt wird das Projekt von einer interdis-ziplinären Gruppe von Wissenschaftlern der Universitäten Essen, Wit-ten/Herdecke, Düsseldorf und Köln. Diese Gruppe wird vertreten durch ihren Sprecher, Professor Dr. med. Raimund Erbel, Universität Essen, und durch den stellvertretenden Sprecher Professor Dr. Karl-Heinz Jöckel, Universität Essen.

Erste Schlüsse der Studie

Obwohl die Phase der Aufnahme von Teilnehmern noch nicht beendet ist und die Wissenschaftler weiterhin auf die Mitarbeit der für die Studie ausgewählten Menschen angewiesen sind, können aus den bisher gewonnenen Daten erste Schlüsse auf den allgemeinen Gesundheitszustand der Ruhrgebietsbevölkerung gezogen werden.

Bluthochdruck, ein Risikofaktor für Herz- aber auch für Hirninfarkte (Schlaganfälle), ist bei 40% aller Teilnehmer festgestellt worden. Davon haben etwa ¼ stark erhöhte Werte. Vergleicht man dieses Ergebnis mit anderen Studien, beispielsweise aus den USA, dann liegt der mittlere Blutdruck hier über dem Durchschnitt. Beim Cholesterin, einem weiteren wichtigen Risikofaktor, haben 23% der Studienteilnehmer einen Wert im als kritisch angesehenen Bereich von über 250 mg/dl.
Ein ähnlich hoher Anteil ist beim Body-Mass-Index, einem Maß für Übergewichtigkeit, das aus dem Körpergewicht und -größe errechnet wird, zu beobachten. In der Altersgruppe von 50-59 sind beispielsweise 29% aller Frauen und 22% aller Männer übergewichtig (BMI >30). Besonders kritisch ist die Situation beim Rauchen und hier vor allem bei den Frauen: Während im bundesrepublikanischen Vergleich 20% aller 50-59-jährigen Frauen rauchen, also jede fünfte, sind dies in den Städten Essen, Mülheim und Bochum 31%, also nahezu jede dritte.


Nimmt man die wichtigsten medizinischen Risikofaktoren für eine Herzerkrankung, hoher Cholesterinspiegel, Übergewicht, Bluthochdruck, Rauchen und Diabetes zusammen, so liegen im Durchschnitt 1,2 Risikofaktoren vor. Das bedeutet, dass im Mittel jeder Teilnehmer mindestens einen Risikofaktor aufweist, insgesamt verfügen nur etwa 35% über keinen Risikofaktor.

Es ergeben sich hierbei deutliche Hinweise auf soziale Unterschiede: während Männer mit Hochschulabschluss im Schnitt einen Risikofaktor aufweisen, sind dies in der Gruppe ohne Berufsausbildung 80% mehr. Dies macht deutlich, wie wichtig es ist, dass alle Eingeladenen der Aufforderung zur Untersuchung auch nachkommen.

Interessant sind auch erste Ergebnisse zum Kalkscore. Es handelt sich dabei um eine Quantifizierung der Verkalkung in den Herzkranzgefäßen und soll in dieser Studie im Hinblick auf die Vorhersage von Herzinfarkten und Herztod überprüft werden. Wie sich zeigt, steigt die Gefahr einen erhöhten Wert aufzuweisen, mit der Anzahl der sonstigen Risikofaktoren stetig an und deutet auf einen direkten Zusammenhang zwischen diesen Faktoren und dem Entstehen von Koronarkalk hin.

Die beteiligten Wissenschaftler möchten angesichts dieser wertvollen Ergebnisse nochmals alle Bürgerinnen und Bürger, die ausgewählt wurden, herzlich bitten, auch mitzumachen! Nur eine breite Teilnahme ermöglicht, dass die gesundheitliche Situation der Menschen an der Ruhr richtig eingeschätzt wird und dass die geeigneten diagnostischen und präventiven Maßnahmen zur Vermeidung des Herzinfarkts getroffen werden. Ein individueller Risikocheck wird dabei kostenlos mitgeliefert!


Redaktion: Daniela Endrulat, Telefon (02 01) 1 83 - 45 18
Weitere Informationen: Dr. Susanne Moebus, Telefon (02 01)


7 23 - 45 23

Monika Roegge | idw

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