Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mimik beeinflusst Emotionsverarbeitung im Gehirn

22.07.2008
Studie zur Gehirnaktivität unter dem Einfluss von Botulinumtoxin

Forscher des Klinikums rechts der Isar der TU München haben nachgewiesen, dass die menschliche Mimik die Emotionsverarbeitung im Gehirn beeinflusst. Zwar war bereits bekannt, dass sensorische Signale, die in der Muskulatur und der Haut des Gesichts bei emotionalen Gesichtsausdrücken entstehen - das sogenannte sensorische Feedback - die subjektive Empfindung von Gefühlen verstärken.

Unbekannt war bisher jedoch, wie dieser Verstärkungsmechanismus im Einzelnen funktioniert. "Wir wussten, dass es einen Zusammenhang geben muss, aber wir wussten bisher nicht welchen. Nun haben wir einen Mechanismus gefunden", so Bernhard Haslinger, Neurologe am Klinikum rechts der Isar und Studienleiter, gegenüber pressetext. "Wir fanden heraus, dass die Mimik die Funktion des linken Amydala beeinflusst." Dieser Gehirnbereich ist für die Emotionsverarbeitung verantwortlich.

Die Forscher untersuchten mittels funktioneller Magnet-Resonanz-Tomographie (fMRT), wie die Gehirnaktivität verändert wird, wenn das sensorische Feedback bei der Ausführung emotionaler Gesichtsausdrücke abgemildert wird. Zu diesem Zweck schwächten sie vorübergehend mit Hilfe von Botulinumtoxin die 'Zornesfalten' und damit die Gesichtsmuskulatur bei 38 Probandinnen.

Die Wissenschaftler stellten fest, dass die Botulinumtoxin-Behandlung nicht nur dazu führte, dass die emotionale Mimik weniger ausgeprägt war, sondern gleichzeitig auch die Aktivität des Gehirns im Bereich der linken Amygdala abnahm. Damit sei zum ersten Mal ein Beleg geliefert worden, dass bei der Nachahmung emotionaler Gesichtsausdrücke sensorisches Feedback von Seiten der mimischen Muskulatur und Haut die Aktivität in emotionsverarbeitenden Netzwerken des Gehirns beeinflusst.

Da Menschen dazu tendieren, die Gesichtsausdrücke ihres Gegenübers nachzuahmen, könnte dies einen wesentlichen Mechanismus für die Übertragung von Emotionen im Rahmen sozialer Kontakte darstellen. Denn durch die Imitation des Gesichtsausdrucks des Gegenübers könnten auch im eigenen Gehirn entsprechende Emotionen freigesetzt werden. "Dies ist durchaus denkbar, aber bisher nicht ausreichend belegt", betont Haslinger. Über mögliche Schlussfolgerungen, wie sich das eigene Verhalten aufgrund dieser Veränderungen im Gehirn wandelt, wollte Haslinger nicht spekulieren.

Ein positiver Nebeneffekt für die Probandinnen war, dass die Behandlung ihnen für drei Monate ein faltenfreies Gesicht sicherte. Denn abgesehen von seinem eigentlichen Einsatzgebiet, der Behandlung verschiedener neurologischer Krankheitsbilder mit übermäßiger Muskelaktivität, wird Botulinumtoxin in der kosmetischen Behandlung zur Faltenglättung verwendet.

Erik Staschöfsky | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.med.tu-muenchen.de

Weitere Berichte zu: Emotionsverarbeitung Gesichtsausdruck Mimik

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Ernährung kann innere Uhr und hormonelle Reaktionen beeinflussen
07.11.2019 | Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt

nachricht Kopieren Pferde das Verhalten von Menschen?
30.10.2019 | Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Magnetisches Tuning auf der Nanoskala

Magnetische Nanostrukturen maßgeschneidert herzustellen und nanomagnetische Materialeigenschaften gezielt zu beeinflussen, daran arbeiten Physiker des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf (HZDR) gemeinsam mit Kollegen des Leibniz-Instituts für Festkörper- und Werkstoffforschung (IFW) Dresden und der Universität Glasgow. Zum Einsatz kommt ein spezielles Mikroskop am Ionenstrahlzentrum des HZDR, dessen hauchdünner Strahl aus schnellen geladenen Atomen (Ionen) periodisch angeordnete und stabile Nanomagnete in einem Probenmaterial erzeugen kann. Es dient aber auch dazu, die magnetischen Eigenschaften von Kohlenstoff-Nanoröhrchen zu optimieren.

„Materialien im Nanometerbereich magnetisch zu tunen birgt ein großes Potenzial für die Herstellung modernster elektronischer Bauteile. Für unsere magnetischen...

Im Focus: Magnets for the second dimension

If you've ever tried to put several really strong, small cube magnets right next to each other on a magnetic board, you'll know that you just can't do it. What happens is that the magnets always arrange themselves in a column sticking out vertically from the magnetic board. Moreover, it's almost impossible to join several rows of these magnets together to form a flat surface. That's because magnets are dipolar. Equal poles repel each other, with the north pole of one magnet always attaching itself to the south pole of another and vice versa. This explains why they form a column with all the magnets aligned the same way.

Now, scientists at ETH Zurich have managed to create magnetic building blocks in the shape of cubes that - for the first time ever - can be joined together to...

Im Focus: A new quantum data classification protocol brings us nearer to a future 'quantum internet'

The algorithm represents a first step in the automated learning of quantum information networks

Quantum-based communication and computation technologies promise unprecedented applications, such as unconditionally secure communications, ultra-precise...

Im Focus: REANIMA - für ein neues Paradigma der Herzregeneration

Endogene Mechanismen der Geweberegeneration sind ein innovativer Forschungsansatz, um Herzmuskelschäden zu begegnen. Ihnen widmet sich das internationale REANIMA-Projekt, an dem zwölf europäische Forschungszentren beteiligt sind. Das am CNIC (Centro Nacional de Investigaciones Cardiovasculares) in Madrid koordinierte Projekt startet im Januar 2020 und wird von der Europäischen Kommission mit 8 Millionen Euro über fünf Jahre gefördert.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursachen weltweit die meisten Todesfälle. Herzinsuffizienz ist geradezu eine Epidemie, die neben der persönlichen Belastung mit...

Im Focus: Göttinger Chemiker weisen kleinstmögliche Eiskristalle nach

Temperaturabhängig gefriert Wasser zu Eis und umgekehrt. Dieser Vorgang, in der Wissenschaft als Phasenübergang bezeichnet, ist im Alltag gut bekannt. Um aber ein stabiles Gitter für Eiskristalle zu erreichen, ist eine Mindestanzahl an Molekülen nötig, ansonsten ist das Konstrukt instabil. Bisher konnte dieser Wert nur grob geschätzt werden. Einem deutsch-amerikanischen Forschungsteam unter Leitung des Chemikers Prof. Dr. Thomas Zeuch vom Institut für Physikalische Chemie der Universität Göttingen ist es nun gelungen, die Größe kleinstmöglicher Eiskristalle genau zu bestimmen. Die Forschungsergebnisse sind in der Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Science erschienen.

Knapp 100 Wassermoleküle sind nötig, um einen Eiskristall in seiner kleinstmöglichen Ausprägung zu formen. Nachweisen konnten die Wissenschaftler zudem, dass...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Mediation – Konflikte konstruktiv lösen

12.11.2019 | Veranstaltungen

Hochleistungsmaterialien mit neuen Eigenschaften im Fokus von Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft

11.11.2019 | Veranstaltungen

Weniger Lärm in Innenstädten durch neue Gebäudekonzepte

08.11.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Die Selbstorganisation weicher Materie im Detail verstehen

12.11.2019 | Physik Astronomie

Magnetisches Tuning auf der Nanoskala

12.11.2019 | Physik Astronomie

»KaSiLi«: Bessere Batterien für Elektroautos »Made in Germany«

12.11.2019 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics